Hamburg meine Perle – auch nach G20

 

 

Leergefegt

Liebe Freunde

Ich war in den letzten Wochen ein wenig auf Tauchstation gegangen (deshalb keine Rundbriefe und schlechte Erreichbarkeit), am Semesterende sind immer Arbeiten zu schreiben, also zu lernen, oder noch Aufgaben zu erledigen.

Auch hatte mich das letzte Wochenende gedanklich ziemlich beschäftigt und das musste ich erst mal innerlich für mich selbst klären, bevor ich quasi einfach wieder zur Tagesordnung übergehen konnte.

Wir sind an der Uni ja genau am Rand des für die Staatspräsidenten abgeschlossenen Bezirks gewesen und waren gleichzeitig eine Straßenkreuzung vom größten Unruheherd entfernt.

Eine Stadt ohne Autosbis auf ein paar Escorten

Nachdem ich also die leergefegten Straßen erlebt habe und die durch Eskorten begleiteten Staatskarossen, den ganzen Tag Hubschrauber über mir und Martinshörner neben mir hatte und natürlich durch die Straßensperren zur U-Bahn-Station gegangen bin, an Kolonnen von Mannschaftswagen und Hunderten von Polizisten vorbei. Nachdem meine Kommilitonen, diejenigen die direkt im Brennpunkt leben, von ihren Erlebnissen in den Nächten erzählt haben, ich von und über Demonstranten Erlebnisse gehört habe und die Leute von der Polizei gesehen und gesprochen habe, habe ich erst einmal verdauen müssen.

Und ich konnte manche Kommentare von Menschen kaum mehr vertragen. — Nach solchen Erlebnissen könnten wir vielleicht erst einmal zur Ergründung ganz klassisch fragen: „Wem nützt es – cui bono est?“, um von den sich aufdrängenden Bildern hinter das Geschehnis zu blicken?

friedliche 75000friedliche 75000+

Es gab 12.000 + Demonstranten am Wochenende vorher, 75.000 + Demonstranten an den Tagen danach, die alle friedlich für eine gerechte Welt, Klimaschutz und Frieden demonstriert haben! Meine Kinder waren jeweils dabei und haben engagierte, bunte, fröhliche Bilder geschickt. Sage noch einmal einer, die Jugend interessiere sich nicht.

Es gab etliche Veranstaltungen in Hamburg, auf den Straßen, in der Uni, in den Kirchen.

Es gab Tausende von Polizisten, aus Hamburg und Umgebung, aus allen Teilen Deutschlands, aus den Niederlanden, Österreich und Dänemark zusammengerufen, die hier zum Schutz für Menschen und Umgebung sehr menschlich ihren Dienst getan haben. Diejenigen, die ich gesehen habe und gesprochen habe, waren alle im Alter meiner Kinder, hatten jeweils zwölf Stunden Dienst und die anderen 12 Stunden Bereitschaft. Sie waren erschöpft, hatten in der Hitze ihre schwere Montur zu tragen und keinen Platz zum Ausruhen, wenn sie sich kurz zurückziehen konnten (ich hatte nicht das Gefühl, dass sie gut versorgt wurden), und doch waren sie durchweg freundlich.

Es gab aggressive Demonstranten und aggressive Polizisten. Verletzendes Verhalten ist schlimm und jeweils zu ächten. Natürlich. Es schädigt die Anderen und es schädigt die Eigenen. Und es ist jeweils schädlich für die Sache.

Es gab die, ich nenne sie, Arenabesucher. Die wollten was erleben. Neben den Polizisten im Einsatz, quasi auf der Linie zum Feuer, wollten sie schnell noch ein Bild machen, nicht dokumentierend, wenn sie etwas Wichtiges sahen, sondern die Augen aufreißend im Wege stehend.

Und es gab ein paar Hundert Vermummte, von denen keiner weiß, welche politische Richtung sie haben, da sie sich ja bewusst vermummt und aus der Erkennung gezogen haben.

Wahrscheinlich sind sie mit Zügen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch Europa angereist – und sie sind, gemeinschaftlich und organisiert, kriminell vorgegangen. Ihre Gesinnung war klar erkennbar!

Ein Bekannter hat von seinem Balkon herunter gefilmt (die Filme wurden inzwischen tausendfach auf Twitter geteilt), auf ihnen erkennt man, wie zielstrebig die vermummten Gruppen durch das Wohngebiet gezogen sind, wie sie gemeinsam und geplant vorgegangen sind .

Sie wollten zerstören, plündern, verletzen. Sie haben andere Ziele als die Demonstranten, aber so eine Demo, mit vielen Menschen, wo sie schnell die Klamotten wechseln und wieder untertauchen können, ist ihnen gerade recht.

Und diese Kriminellen sollen das ganze Gute, das ganze Friedliche und auch normal Menschliche überdecken können?

Da ist der Punkt, auf den wir in uns selbst aufpassen sollten:

Wenn auch Fehler gemacht werden, wenn auch Schlimmes geschieht, in all dem sollten wir, wenn wir auch nicht immer den Überblick über die ganze Situation haben, uns davor bewahren, alles zusammen in einen Topf zu werfen und zu verurteilen. Es verschärft jeden Konflikt. Es zieht alles hinab.

Und außerdem wird damit ja auch unser Blick auf die Welt verschattet und auch unser Leben der Angst und dem Gift und der Aggressivität preisgegeben.

Damit hätten die Kriminellen Ihr Ziel erreicht. Wenn die ganze Welt sich aufregt und der normale Mensch Angst bekommt und womöglich auch noch Unschuldige für schuldig erklärt werden, wenn so richtig Zwietracht, Wut und Rage herrscht, dann ist in ihren Augen alles prima gelaufen. Haben sie solchen Erfolg, machen sie weiter.

Davor sollten wir uns in Wahrheit schützen.

Ich komme demnächst mit einem schöneren Thema –in eigener Sache.

Aber für heute wünsche ich Euch ein wirklich schönes, erholsames und friedliches Wochenende.

Eure

Cornelia Cornels-Selke