So geht’s wieder bergauf.

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Drei Arten Winter

 

Liebe Freunde

Ich habe mal wieder meine Sammlung aus Rundbriefen angesehen und einige entdeckt, die eigentlich auch heute passen würden. Einer zum Beispiel beschäftigte sich vor Jahren mit der „Schweinegrippe“ und ihren Folgen. In den Zeitungen und im Netz grassierten damals die unterschiedlichsten Meinungen und Gegenmeinungen, mit der Zeit immer radikaler werdend.

Auch damals gab es etwas Schlimmeres als die Grippe selbst, denn davon wurden weit mehr angesteckt als von ihr, und ich schrieb über die deutsche Angst, die sich so gerne den Weg bahnt und alle in den Bann ziehen möchte.

„Hinz und Kunz“ schrieb neulich etwas von einem „Deutschen Reflex“, das klang in mir nach und ich glaube, dass dieser deutsche Reflex, wenn es ihn denn gibt, dann die Angst ist.

Man hat Versuche gemacht, um herauszufinden, ob ein Mensch den Geruch von Angstschweiß unterscheiden kann von dem Geruch des Sportschweißes. Und auf eine gewisse Weise konnte er dies schon, nur nicht bewusst: Er konnte zwar nicht sagen, welcher Geruch zu welchem Schweiß gehörte, aber er reagierte auf Angstschweiß mit Angst.

Und schon hatte sich die Angst weiter ausgebreitet – ohne einen für den nun-Ängstlichen ersichtlichen Grund.

Und diese Angst, dieses Überschwemmen des Systems durch ein archaisches … Gefühl möchte ich gar nicht sagen, eher durch einen archaischen Instinkt, denn wir befinden uns hier auf der Stufe der Tiere, gebiert leider Weiteres, nämlich Abwehrverhalten, Misstrauen, Abschottung, Feindschaft, Eifersucht und Neid, sogar Wut und Hass (Wir kennen das Ducken, das Flüchten und das aus-Angst-Beißen). Und dies alles ist leider, genau wie die Angst selbst, ebenfalls ansteckend und zieht andere mit sich (meine Mutter sagte früher dazu: „Ein faules Äpfelchen steckt ein anderes an.“).

Ich selbst meinte neulich einmal zu jemandem „Nur wer Angst hat, muss Angst haben“, das war dann vielleicht doch etwas kurz und so kommt dieses Thema also auch in diesen Rundbrief.

Das Wort „Angst“ ist nicht umsonst dem Wort „Angina“ so ähnlich, denn sie haben eine Verwandtschaft. Das Wort Angina heißt „Enge“ und es ist bekannt als Halsenge, z.B. bei einer Grippe, oder (bei der Angina pectoris) als Herzenge. Und genauso macht die Angst uns eng. Sie macht uns klein und unfähig, wir kauern förmlich geduckt in der Ecke, sie beraubt uns unserer erworbenen menschlichen Fähigkeiten – und macht uns manipulierbar.

Nicht umsonst wurde (und wird leider immer noch) gerne mithilfe der Angst erzogen und formbar gemacht. Ich bitte Euch deshalb, Euch VOR JEGLICHER ANGST fern zu halten!

Doch leider schauen wir gebannt auf sich brauende Wolken und auch auf Schreckensmeldungen in den Zeitungen. Wir wissen, dass diese vielfach falsch sind. Wir kaufen sie trotzdem. Deshalb landet alles Schreckliche auf dem Titelblatt und die guten Meldungen erst auf Seite 12. Weil wir das kaufen. Wir sehen Filme mit Gewalt und Horror. Ist es „hipp“ sich zu gruseln?

Warum eigentlich, wenn wir uns doch so gar nicht wohlfühlen mit der Angst? Woher kommt diese Leidenslust? Wir lassen uns anscheinend gerne bannen…

Flug über den Wolken

Rationales Denken könnte eventuell dagegen helfen, also Fakten. Dann wären wir zumindest wieder auf der Stufe eines denkenden Menschens. Mitgefühl könnte helfen, dann hätten wir es schon wieder auf die Herzensebene geschafft.

Sehr schön und viel Geschriebenes gibt es dazu im Wirtschaftsteil der „ZEIT“ Nr.5 vom 28.1.16, S.19ff. (Die Überschrift heißt im Gegensatz zu den aktuell oft genannten Kosten für Flüchtlinge: „Was kostet die Angst“. Zu Kosten siehe auch am Ende des Rundbriefes im Anhang)

Aber für Fakten scheint der Kopf nicht frei zu sein in diesem Zustand. Er ist voll von der Angst, Aufregung und den Ausgeburten. Und er ist eben nicht mehr frei und offen für all die guten Dinge und Gaben, die uns umgeben, bereits da sind oder zu uns wollen. Wir sehen das alles nicht mehr und wir können uns nicht mehr daran laben, alles Gute ist für uns verloren, wenn wir auf das Beängstigende schauen und daran festhalten.

Aber – selbst in diesem Zustand – wir sind keine Tiere. Wir können den Kopf wieder erheben. Wir sollten uns selbst anschauen, statt auf die anderen (links, rechts, oben, unten) und was da herkommen könnte. Wir schauen bei uns auf das, was unser Leben ausmacht. Auf das, was schon gut ist und auf das wo wir, wirklich real, etwas verbessern können. Wir schauen auf das, was wir sofort bei uns selbst tun können für eine Verbesserung. Und wir handeln in diese Richtung! – Damit wird sicherlich eher etwas gut in unserem Leben, als auf andere zeigend in Instinkte zu versinken. Wir wissen inzwischen, dass derjenige, der immerzu auf das Schlechte schaut, immerzu nur Schlechtes sehen wird. Das Gute wird den Weg nicht zu ihm finden, vielleicht in seine Umgebung, aber nicht in sein Hirn.

Eine ältere Vertraute und regelmäßige Vertretung meiner Mutter, Frau Christa Dorn, sagte einmal zu mir, dass sie in Jugendjahren vielfach mit einer Verwandten zu tun gehabt hätte, die in einem fort lamentierte, über dies und das und über alles im Allgemeinen. Und die junge Christa beobachtete dies, die Frau, sah, wie sie schimpfte, sah, wie sie aussah, wie sie sich bewegte und fand für sich selbst heraus: „Ich will mich nie beklagen, ich will anders leben“. Und jetzt in gehobenem Alter sagte sie zu mir: „Diese Entscheidung war mein eigener Segen. Ich hatte nichts zum Beklagen, mein Leben entwickelte sich zum Besten.“

Unsere Entscheidung ist entscheidend!

„Drehe Dich zur Sonne, dann fallen alle Schatten hinter Dich“, den Satz haben wir sicherlich alle schon einmal gehört. Ich meine, wir könnten jetzt auch mal wieder in Richtung Sonne losgehen, ins Licht bewusst hineingehen, dann wird es garantiert heller.

Flug in die Morgendämmerung1.Flug in die Morgendämmerung2.Flug in die Morgendämmerung3.

Flug in die Morgendämmerung

Dr. Wayne Dyner berichtete über sein Leben, dass er mit 34, dick, in schlechter Beziehung, erfolglos als Schreiber, alkoholabhängig und in jeder Hinsicht in schlechter Verfassung an das Grab seines Vaters fuhr. Dieser hatte die Familie damals, als der kleine Wayne frisch geboren mit seiner Mutter nach Hause kam, verlassen. Und sein Leben lang hatte Wayne von den Verbrechen seines Vaters gehört und dazu auch das, was seine Mutter noch alles erzählte. Wieder und wieder erlebte er die Verlassenheitsängste, den Verlust, die Existenzängste der Mutter und die Wut, ja den Hass und die Verachtung für seinen Vater. Stetig war dies gewachsen. Und nun stand er am Grab seines Vaters und fluchte und schimpfte und schrie. Am liebsten hätte er dem Grab etwas angetan. Als er endlich wieder im Wagen saß, merkte er, dass er noch einmal zu dem Grab hinmusste und stieg wieder aus, ging wieder dorthin und konnte diesmal seinen Frieden machen und sagen „ich will auch das allerkleinste Bisschen dieser ganzen schlechten Gefühle jetzt loslassen. Ich will dass meine Zellen frei davon sind.“

Und er fuhr von dort fort und flog nach Fort Lauterdale, fuhr direkt in ein Motel, wo er vierzehn Tage verbrachte und er schrieb und schrieb und schrieb, bis er von vorne bis hinten ein Buch fertig hatte, innerhalb dieser vierzehn Tage, welches der Nr1 Bestseller annähernd für die nächsten kommenden zehn Jahre wurde. Und sein Leben wandelte sich. Sofort und mehr und mehr. Er fand eine gute, liebevolle Beziehung, er wurde schlank, er ließ vom Alkohol ab, er wurde fit, er war ein erfolgreicher Schriftsteller, vor allem war er frei von den schlimmen Gefühlen in sich und hatte eine ganz andere Lebensqualität.

Dies ist von mir ein weiteres Beispiel dafür, dass, wenn wir das Schlimme und Schlechte – und die Angst ist Teil dieses Reigens – , sei es echt oder eingebildet, erfahren oder nur gehört, in uns einlassen, es wie Teer in uns festsitzt, uns verklebt und uns verstopft, sodass nichts Gutes mehr Zugang hat oder auch nur für uns sichtbar wäre. Und dass, wenn wir es ganz bewusst loslassen, unser Leben wieder frei ist für Höheres und Schöneres.

Natürlich ist das keine neue Weisheit! Es ist nur eine Erinnerung an ganz alte, uns allen wohlbekannte Worte. Aber es ist auch heute wichtig, sie zu erinnern: „Deswegen sage ich Euch: Alles, was Ihr betet und Euch erbittet, glaubt, dass Ihr es empfangen habt, und es wird eintreffen für Euch. Und wenn Ihr steht, betend, vergebt, wenn Ihr etwas habt gegen jemanden, damit auch Euch Euer Vater in den Himmeln vergibt Euch Eure Verfehlungen“ Markus 11,24 und 25.

Da haben wir also sogar eine sehr direkte Verknüpfung zwischen unseren Bitten und dem Vergeben.

Okay, das ist Glaube. Der hilft auch. Wer sich darauf einlässt, der macht vielleicht ab und an die ehemals übliche Fastenperiode am Jahresanfang mit, unter dem Motto „Sieben Wochen ohne…“. Diesmal steht sie unter dem Motto „Sieben Wochen ohne Enge“ und soll alles fördern, was ein Herz weit macht.

Aber, welchen dieser Wege wir auch wählen:

Vielleicht schaffen wir es ja tatsächlich zu Beginn diesen Jahres, die Gedanken weit zu machen, die Zellen zu öffnen, das Herz zu weiten und damit auch bereit zu sein für all das Gute, das zu uns möchte. Das Leben geht leichter so. Das könnte uns also gut tun und dieses Jahr soll ja ein gutes Jahr für uns alle werden.

Im Übrigen: Erst dann, wenn all das gebannt ist, was uns hier und heute bannen will, fangen wir wieder an, die wahren Ursachen für irgendwelche Phänomene (z.B. den derzeitigen Flüchtlingsstrom) wahrzunehmen und anzupacken.

Ihr seht, ich habe versucht, von den ganzen aktuellen Meldungen abzusehen und stattdessen die Folgen der Schlagzeilen (die sich ja jederzeit einer neuen beängstigenden Überschrift zuwenden können), nämlich die Angst und ihre weiteren Folgen zu thematisieren. Weil ich aufzeigen möchte, warum es gut ist und wie wir es schaffen, dieser den Rücken zuzukehren und, statt sich bannen zu lassen oder in Aktionismus zu verfallen, wieder den eigenen Weg zu verfolgen.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:

Ihr entdeckt für Euch, dass egal ob bei Schweinegrippe, Bankenpleiten, Staatspleiten, Flüchtlingsstrom, als nächstes vielleicht weitere Krankheiten, wir nur von einer Angst in die nächste taumeln. Und Ihr wollt davon frei werden und stattdessen wieder handlungsfähig durch Euer Leben gehen und konkret Wichtiges und Richtiges tun. Und fangt damit an.
Oder Ihr findet, dass mein Geschreibe doch sehr blauäugig sei und dies hier jetzt ein echtes Problem darstelle und ohne Fakten könne man nicht glauben.

Wenn Ihr zu meinen Worten, die dem einen oder anderen vielleicht zu glatt oder das Aktuelle ignorierend erscheinen mögen, noch ein paar Hintergründe oder Fakten oder aktuelle Bezüge haben möchtet, oder wenn Ihr vielleicht, um mal eine andere Blickrichtung zu bekommen, oder auch innere Sicherheit für Eure Einstellung zu finden, weitere Daten, Texte, Quellen finden möchtet, dann kommt, zu dem Aktuellen Bezug nehmend, noch mehr im Anhang.

Hier an dieser Stelle kommt jetzt doch noch einmal etwas aus einem Rundbrief in meiner Sammlung:

„Wie häufig sind wir Spielball der anderen? Wie häufig reagieren wir so oder so auf andere, aber wie selten agieren wir selbstbestimmt? Wir lassen uns eventuell den ganzen Tag von jemandem verderben, der einmal unseren Weg gekreuzt hat. Meine Mutter nannte das: „Die Fehler der anderen an uns abbüßen.“ Leben wir dann noch unser Leben? Hat das noch was mit dem Recht auf die eigenen Gefühle und die eigenen Laune zu tun, oder sind wir damit schlichtweg abhängig von anderen?

Ich habe viel von solchen Abhängigkeiten in meiner Praxis gesehen, glücklich machen die nicht.

Nur um noch einmal daran zu erinnern: Wir können anders! Wir sind nicht Ochs und Esel, wir sind Menschen und wir haben ein „Ich“. Daraus kann man doch auch etwas Gutes machen! Manchmal müssen wir uns eben selbst wie ein guter Freund oder eine gute Freundin bei der Hand nehmen, aus dem Tal herausführen und uns selbst Gutes tun, damit wir wieder gerne in die Welt blicken! Tut das doch bitte noch bevor das Frühjahr richtig kommt! Es wäre schade, wenn einer von uns bei strahlender Sonne noch mit schlechter Laune herum laufen würden.“

(Rundbrief vom 8. April 2008)

Also, gibt es jetzt auch mal andere Nachrichten? Ja, die gibt es. Es gibt tatsächlich auch gute Nachrichten. Und davon schreibe ich in einem der nächsten Rundbriefe, denn dieser ist lang genug geworden. Auch über Termine und Ideen hört Ihr noch einmal.

Aber jetzt grüße ich Euch herzlich!

„Wenn es „glatteist“, gehen die Menschen Arm in Arm.“ Vielleicht kennt Ihr diesen Satz? Also, dann haken wir uns jetzt unter und sehen zu, dass wir heile „rüber kommen“ über diese glatte Fläche zur Zeit.

Eure Cornelia

Ein Herz für alle

Anhang:

1.Raphaele Lindemann – Ein Arzt berichtet von einem Flüchtlingslager
2.President Obama – Eine Email erhalten am 4.2.2016, mit Inhalt: Eine Rede über Religionsfreiheit.
3.Zu dem Bild im Anhang Nr1 weitere Hintergründe.
4.Stuttgart, hoher Ausländeranteil, noch höherer Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund – sehr geringe Kriminalität.
5.Noch einmal zu den Kosten.
6.Die Polizeiarbeit wird behindert durch falsche Anzeigen.
7.Eine Erinnerung an die Hetzjagd auf einen 17 Jährigen in Emden, der damals fälschlicherweise für einen Straftäter gehalten wurde.

1. „Raphaele Lindemann – Ein Arzt berichtet vom Leid in einem Flüchtlingslager

Am 28. Januar 2016 veröffentlicht der Arzt Raphaele Lindemann in Absprache mit der Camp-Leitung nach etwa 4 Wochen in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge auf Facebook über die Situation vor Ort.

Er ist als Arzt für die medizinische Erstversorgung der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zuständig. Diese findet nahezu vor jedem weiteren Schritt statt. Also vor Registrierung, Versorgung mit Kleidung, vor der Möglichkeit sich zu Duschen, etwas zu essen und damit auch vor der Verteilung auf das restliche Bundesgebiet.

Herr Lindemann schreibt davon, dass es absolut unmöglich ist „z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500km in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist und dabei durch eine „naive rosarote Gutmenschbrille“ zu schauen. Oder einen 4 Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hier her geschafft wurde und sich dann den Vorwurf der Weltfremdheit anzuhören. Das hier ist die Welt! Und das hier ist sehr real und nirgends „rosarot“! Der Vater der 3 Kinder kam übrigens in Syrien ums Leben.“

Er sieht pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. „Dabei handelt es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer. Mindestens 40% davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.“

Er berichtet von einer Frau, deren Beine komplett verbrannt waren: „Keine Ahnung wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung. Diese Frau hat Dankbarkeit ausgestrahlt, weil sie endlich in Sicherheit ist und sich jemand um sie kümmert.“

Herr Lindemann schreibt auch von den Smartphones welche die Flüchtlinge dabei haben: „„Die“ haben vorher nicht in der Steinzeit gelebt und sind aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen. Und vielen ist es zunächst wichtiger ihre Handys aufzuladen, als etwas zu Essen zu bekommen. Und dreimal dürft ihr raten warum? Was habe ich als erstes gemacht, als ich, bequem mit meinem Auto, trotz Glatteis, sicher im 500 km von zu Hause entfernten Camp angekommen bin?

Dass sie ein Lebenszeichen an die Lieben schicken zu wollen, wird diesen Menschen allerdings regelhaft zum Vorwurf gemacht und als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit gesehen. Mit Verlaub – das ist weltfremd und obendrein arschig! Als würde es eine Pflicht geben, sich vor einer Flucht in Lumpen zu hüllen und bloß alle Wertgegenstände zurück zu lassen – inklusive der einzigen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen in Form eines Telefons.“

Über unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel schreibt er: „In der aktuellen Situation müssen wir uns verdeutlichen, welchen Selbstanspruch wir an unsere Kultur haben. Natürlich könnten wir die Grenzen dicht machen und so tun als wäre Merkel an allem Elend dieser Welt schuld. Aber glaubt denn wirklich irgendwer damit wäre das Problem gelöst? Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten? Nur weil wir es dann nicht mehr sehen und im Fernsehen einfach bequem umschalten können? Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf fb das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?

Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger?

Durch ihr „wir schaffen das“ hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat anstatt ihr übliches Teflonspiel des Aussitzens zu treiben. Und nie hat jemand behauptet, dass es eine leichte Herausforderung wäre. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer von all den Hetzern ist denn WIRKLICH so arm, dass er befürchten muss durch die Flüchtlinge plötzlich weniger vom deutschen Wohlstandskuchen abzubekommen? Ist bisher WIRKLICH jemand deshalb ärmer geworden? Ist WIRKLICH jemand deshalb aus seiner Wohnung geflogen? Ist WIRKLICH jemand von einem bösen Asylanten aufgegessen worden? Und damit meine ich nicht denjenigen, der einen kennt, dessen Großcousine einen Nachbarn hat blabla.“

Zum Neid merkt er an, dass derzeit 62 Personen so viel Besitzen, wie die Hälfte der Erdbevölkerung und dass es diesbezüglich nicht annähernd die Empörung und den Futterneid, den man ja regelhaft gegen die ärmsten der Armen kultiviert findet.

Am Schluss berichtet er von einer jungen schwangeren Frau, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat und sich sorgte, dass durch langes Treiben im Mittelmeer nachdem der Schleuserkutter gekentert ist auch ihr letztes Kind gestorben ist. Die beiden anderen Kinder dieser „Sozialschmarotzerin“ starben auf der Flucht im Meer weil sie keine Kraft mehr hatte.

Aylan Kurdi

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Quellen:

30.01.2016, Welt, FLÜCHTLINGSLAGER, „Nie so viel Elend und Verzweiflung gesehen“

30.01.2016, FAZ, Ein Flüchtlingsarzt berichtet, Eine Schwangere sorgt sich, dass sie ihr Kind verloren hat

29.01.2016, BILD, EMOTIONALER FACEBOOK-POST, Arzt schildert dramatische Lage in Erstaufnahmelager

29.01.2016, Stern, Facebook-Appell, Was ein Arzt in einem Flüchtlingslager erlebte

28.01.2016, Facebook, Raphaele Lindemann, Liebe Leute …. “

Zitat von folgender seite: http://nopegida.blogspot.de/2016/01/raphaele-lindemann-ein-arzt-berichtet.html?m=1

2. Eine Email von Präsident Obama, erhalten am 4.2.2016

Der Präsident der Vereinigten Staaten weist in einer Rede daraufhin, dass jeder Mensch verschiedene Rollen habe und dass er diese ständig nebeneinander lebe. Man müsse nicht eine Religion aufgeben, um Amerikaner zu sein. Jeder Glaube sei zu schützen in Amerika. Meine Anmerkung dazu: Diese Probleme haben also nicht nur wir in Deutschland, auch in Amerika muss man daraufhin weisen, dass Religionsfreiheit bestände und schützenswert sei. Es will wohl kaum einer von uns wieder mit einer Staatsreligion leben. Ein paar Auszüge:

“At a time when others are trying to divide us along lines of religion or sect, we have to reaffirm that most fundamental of truths—we are all God’s children, all born equal with inherent dignity. So often we focus on outward differences, we forget how much we share.”

“If we are serious about freedom of religion – and I’m speaking now to my fellow Christians who remain the majority in this country – we have to understand, that an attack on one faith is an attack on all our faiths. And when any religious group is targeted, we all have a responsibility to speak up. And we have to reject a politics that speaks to manipulate prejudice or bias, and targets people because of religion.”

“We can’t be bystanders to bigotry. And together, we’ve got to show that America truly protects all faiths”

“I want to speak directly to young people who may be listening. In our live, we all have many identities. We are sons and daughters, and brothers and sisters. We’re classmates; cub scout troop members. We’re followers of our faith. We’re citizens of our country. And today, there are voices in this world, particularly over the Internet, who are constantly claiming that you have to choose between your identities – as a Muslim, for example, or an American. Do not believe them. If you’re ever wondering wether you fit in here, let me say it as clearly as I can, as President of the United States: You fit in here – right here. You’re right where you belong. You’re part of America, too. You’re not Muslim or American. You’re Muslim and American.”

“We are one American family. We will rise and fall together. It won’t always be easy. There will be times where our worst impulses are given voice. But I believe that ultimately, our best voices will win out. And that gives me confidence and faith in the future.”

Quelle und die ganze Rede: https://www.whitehouse.gov/blog/2016/02/03/muslim-and-american-voices-white-house?utm_source=email&utm_medium=email&utm_content=email563-image1&utm_campaign=MosqueVisit

3. Zu dem Bild von Anhang Nr 1 weitere Hintergründe.

„Aylan Kurdi ist tot. Er wurde nur 3 Jahre alt. Sein Bruder Galip ist auch tot. Galip wurde nur 5 Jahre alt. Die Mutter Rehan ist tot. Nachdem zwölf Verwandte bei den Kämpfen gegen den IS umgekommen versuchen Vater Abdullah und Mutter Rehan im Jahr 2014 mit ihren beiden Kindern Aylan, 3, und Galip, 5, nach Kanada zu flüchten. Dort lebt Teema Kurdi, die Schwester des Vaters. Sie wanderte bereits vor 20 Jahren aus und wollte gemeinsam mit Bekannten als Sponsor für die Familie einspringen im Rahmen eines sogenannten G5-Antrags. Dieser verspricht Flüchtlingen ein Aufenthaltsrecht, wenn jemand finanziell für sie aufkommt.
Weil die Kurdis beim Flüchtlingshilfswerk UNHCR wegen fehlender Pässe nicht als Flüchtlinge registriert waren – und die türkische Regierung ihnen keine Ausreisevisa ausstellte wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Deshalb stiegen die Eltern mit ihren Söhnen in eines von zwei Schlepperbooten die mit insgesamt 23 Flüchtlingen in Bodrum in Richtung der griechischen Insel Kos ablegten. Das Ziel war nun Deutschland.
2050 Dollar pro Kopf kassierten die Schleuser. Um mehr Personen unterzubringen wurden den Flüchtlingen die Schwimmwesten abgenommen. Die Boote kenterten wegen dem hohen Wellengang. Zwölf von 17 Menschen ertranken, darunter acht Kinder.“

Gab es Folgen dieser schrecklichen Begebenheit? Ja, das muss man sagen, es sind seitdem Dinge in Gang gekommen, die direkt mit dem kleinen Aylan zusammen hängen:

· „In der türkischen Hafenstadt Bodrum wurden von der Polizei vier Verdächtige aus Syrien festgenommen, die für den Tod der Flüchtlinge verantwortlich sein sollen. Der Krieg in der Heimat der Flüchtlinge geht jedoch weiter.“

· „In Kanada wird am 19. Oktober 2015 ein neues Parlament gewählt. Davor wird seit dem Bild des toten Aylan über fast nichts so engagiert diskutiert wie die Frage, ob das Land angemessen auf die Flüchtlingskrise reagiert. Laut Umfragen hält eine Mehrheit der Bevölkerung Stephen Harper (Ministerpräsident von Kanada) für kaltherzig.“

· „Seit der Wahl von Justin Trudeau (Premierminister von Kanada) im Herbst hat das Land etwa 6300 syrische Flüchtlinge aufgenommen. 5600 weitere haben bereits ein Visum. Bis Ende Februar 2016 will Kanada 25.000 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Bisher organisierte Kanada 26 Shuttle-Flüge, um ausreisewillige Menschen aus Lagern in der Türkei oder Libanon nach Kanada zu bringen. Im Moment landen jeden Tag in Toronto und Montréal zwei bis drei weitere Flüge.“

· „Mohammed Kurdi (Aylans Onkel) ist Ende Dezember mit seiner Ehefrau und den fünf Kindern in Kanada angekommen und wurden von Tima Kurdi (Aylans Tante) aufgenommen. Sie haben schon in Coquitlam nahe Vancouver einen Friseursalon eröffnet. Ohne privates Engagement hat das jedoch nicht. Freunde haben 5000 US-Dollar pro Person aufgebracht um die Familie nach Kanada zu bringen.“

· „Abdullah Kurdi (Der Vater des Kindes) geht nicht mit. Er möchte in Kobani bleiben, wo seine beiden Kinder und seine Frau am 4. 9. 2015 begraben wurden und hin und wieder nach Erbil fahren.
In Erbil wird eine wohltätige Stiftung mit dem Namen Aylan eröffnet. Sie soll sich speziell um Flüchtlingskinder, aber auch um andere Kinder Kurdistans, die kein Zuhause oder keine Eltern haben kümmern.
In Kobani wird mit Hilfe von Masud Barzani (Präsident der autonomen Kurdenregion (KRG)) in einem Monat mit dem Bau einer Schule und eines Krankenhauses begonnen. Beide sollen den Namen Aylan tragen. Damit soll den Einwohnern von Kobani geholfen werden, eine gute Ausbildung und medizinische Versorgung zu bekommen. Die finanziellen Mittel kommen von Nechirvan Barzani (Premierminister der KRG und Neffe des KRG-Präsidenten).“

· „Naguib Sawiris (Milliardär aus Ägypten) möchte vor Griechenland zwei Inseln kaufen. Eine davon möchte er „Aylan Island“ nennen. Auf den Inseln sollen 200.000 Flüchtlinge eine neue Heimat finden.“ Ob er das auch getan hat, weiß ich nicht.

· In Deutschland: „Berlin wehrt sich – Gemeinsam gegen Asylmissbrauch!“, eine Facebook-Gruppe mit 2000 Likes, schreibt: „Wir TRAUERN NICHT sondern wir FEIERN ES! Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!“ 222 Facebooker teilten den Kommentar, 89 gefällt der Eintrag.
Während Facebook zunächst feststellt, dass in dem Posting keine Nackten zu sehen sind und deshalb schreibt: „Wir haben die von dir wegen Belästigung gemeldete Seite geprüft und festgestellt, dass sie nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt“ erstatten andere User Strafanzeige. Erst am nächsten Tag wird es entfernt. Die Facebookgruppe existiert jedoch weiterhin.
Auch die Polizei Berlin reagiert. Die Beamten schreiben: „Guten Abend Community, vielen Dank für Ihre zahlreichen Hinweise auf dieser Facebookseite. Unser Staatsschutz prüft derzeit weitere Ermittlungsschritte.“

· „Peter Huth (Chefredakteur der B.Z.) postet daraufhin am 4.9.2015 um 17:21 Uhr: „Ihr habt jetzt genau neun Minuten Zeit, diesen und alle anderen B.Z.-Links von Eurer Hohlkopf-Seite zu nehmen, um exakt 17.30 Uhr schicke ich Euch alles auf den Hals, was wir an Anwälten zu bieten haben und das sind auf jeden Fall mehr als ihr Gehirnzellen habt.“ Zunächst soll sich Facebook noch geweigert haben. In der Nacht gibt Huth bekannt, dass Facebook doch reagiert hat. In der Sonntagsausgabe bringt die B.Z. einen Leitartikel über „“Das asoziale Netzwerk“.“

· „Der Staatsschutz durchsucht am 5.9.2015 eine Wohnung in der Ludwigsfelder Straße in Berlin-Hellersdorf. Der 26-jährige Bewohner soll für die Verunglimpfung des Jungen auf Facebook verantwortlich sein. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden ein Computer und zwei Mobiltelefone sichergestellt. Nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen wurde der 26-Jährige entlassen, die Ermittlungen laufen jedoch weiter. Nach § 189 des Strafgesetzbuchs stehen darauf eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Er selbst versteckt sich jetzt. Seine Facebook-Seiten „Berlin wehrt sich“ und „Psychoprinz“ wurden gelöscht. Seinen Job bei der Zeitfirma Runtime, die ihn ab und zu offenbar an Hermes verliehen hat ist er los.“

Es sind seitdem weitere Boote gekentert und Menschen gestorben.

Quellen: 07.01.2016, taz, Syrische Flüchtlinge, Willkommenskultur auf kanadisch
17.12.2015, Welt, VATER VON AYLAN KURDI, „Wir wollten ein besseres Leben. Jetzt sind sie tot“
08.12.2015, Sueddeutsche, Flüchtlinge, Das Vermächtnis des Aylan Kurdi
03.12.2015, Tagesspiegel, Presserat über Bilder von toten Flüchtlingen, Foto von Aylan Kurdi ist „Dokument der Zeitgeschichte“

17.09.2015, FAZ, Flüchtlingsdebatte, Wie Aylan Kurdi Kanadas Wahlkampf bestimmt
17.09.2015, Tagesspiegel, Tante des toten Jungen, „Lasst den Tod von Alan nicht umsonst sein“
17.09.2015, Focus, Vor der Küste Griechenlands, Milliardär will Insel für Flüchtlinge kaufen – und sie nach totem Aylan benennen14.09.2015, Welt, FLÜCHTLINGSHETZE, Ein Hass-Post, der das Leben für immer verändert
13.09.2015, Spiegel, Flüchtlingsboot gekentert, Zehn tote Kinder vor griechischer Insel
11.09.2015, Stern, Ertrunkener Flüchtling, IS missbraucht Foto von Alan Kurdi für seine Propaganda
09.09.2015, Welt, AILANS VATER,“Ich wollte, dass meine Kinder wie Menschen behandelt werden“
07.09.2015, Stern, „Hoffentlich lebt er noch“, Jetzt spricht der Polizist, der den toten Flüchtlingsjungen fand
06.09.2015, Sueddeutsche, Aylan Kurdi, Polizei ermittelt wegen Hetze gegen toten Flüchtlingsjungen
05.09.2015, Stern, Nach Facebook-Gepöbel, Deutschlands miesester Hetzer: Endlich Hausbesuch vom Staatsschutz
05.09.2015, Focus, Wohnung in Berlin durchsucht, Polizei ermittelt nach Hass-Parolen zu Foto von totem Ailan
05.09.2015, Spiegel, Ertrunkener Flüchtlingsjunge, Hausdurchsuchung nach Hass-Kommentar zu Alan Kurdi
04.09.2015, Welt, FACEBOOK, Entsetzen nach Hass-Posting über toten Flüchtlingsjungen
04.09.2015, Tagesschau, Aylans Vater bei Beisetzung in Kobane, Ertrunkener Flüchtlingsjunge beerdigt
04.09.2015, Tagesspiegel, Toter syrischer Junge, Familie von Ailan wollte offenbar nach Deutschland
04.09.2015, Zeit, MITTELMEER, „Das ist eben die Realität“
04.09.2015, Stuttgarter-Nachrichten, Kurden-Sprecher zum Tod des Flüchtlingsjungen, Aylan wird in Kobane beigesetzt
04.09.2015, Stuttgarter-Zeitung, Kurden-Sprecher zum Tod des Flüchtlingsjungen, Aylan wird in Kobane beigesetzt
03.09.2015, Stuttgarter-Nachrichten, Auf der Flucht ertrunken, Warum wir nicht wegsehen dürfen
03.09.2015, Tagesspiegel, Die Not der Flüchtlinge, Warum uns dieses Bild nicht loslässt
03.09.2015, Stern, Vater von ertrunkenem Flüchtlingskind spricht, „Die ganze Welt soll es sehen!“
03.09.2015, Welt, TOTER FLÜCHTLINGSJUNGE, Sein Vater will nicht mehr nach Kanada, er will nach Kobani
03.09.2015, Zeit, MITTELMEER, Mit Wucht durch den Wahrnehmungspanzer
03.09.2015, FAZ, Türkei, Festnahmen nach Tod des Flüchtlingsjungen
03.09.2015, FAZ, Toter Flüchtlingsjunge, Die traurige Geschichte des Aylan Kurdi
03.09.2015, Focus, Sie kenterten vor Bodrum„Mein Sohn starb in den Wellen“, Vater des toten Jungen spricht über Flucht-Drama
03.09.2015, Spiegel, Ertrunkener Flüchtlingsjunge, Aylan soll in Kobane beerdigt werden
03.09.2015, Spiegel, Bild des toten Aylan Kurdi, „Solche Bilder brennen sich in die Netzhaut ein“
03.09.2015, Sueddeutsche, Flüchtlinge, Aylan Kurdi, drei Jahre alt, ertrunken im Mittelmeer
03.09.2015, Tagesschau, Ein Foto erschüttert Europa, Der Schrei des toten Jungen
03.09.2015, Focus, Seine Familie wollte nach Kanada, Foto des dreijährigen Aylan wird zum tragischen Symbol der Flüchtlingskrise
03.09.2015, Welt, FLÜCHTLINGE, Die ertrunkenen Kinder, denen niemand helfen wollte
03.09.2015, Spiegel, Toter Flüchtlingsjunge, Das kurze Leben des Aylan Kurdi
03.09.2015, Stuttgarter-Zeitung, Ertrunkenes Flüchtlingskind, So reagiert das Netz auf das tote Kind
03.09.2015, Tagesspiegel, Flüchtlings-Drama, Diskussion um Foto eines toten syrischen Jungen in der „Bild“
03.09.2015, Zeit, MITTELMEER, Foto eines toten Jungen wird zum Symbol der Flüchtlingskrise
03.09.2015, FAZ, An den Strand gespült, Ein Kinderschicksal erschüttert die Welt
03.09.2015, Spiegel, Foto von ertrunkenem Flüchtlingsjungen, Ein Bild, eine Botschaft
http://nopegida.blogspot.de/2015/09/ein-syrisches-fluchtlingskind-tot-einem.html hier wurde auch die beeindruckende Recherche zusammen gestellt. Die Ursprungsseite heißt „Überhaupt Gar Nix“

4. Stuttgart, hoher Ausländeranteil, noch höherer Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund – sehr geringe Kriminalität

Das ist vielleicht auch gut gegen unfruchtbare Ängste: Wer auf die Broschüre der Stadt Stuttgart schaut, entdeckt, dass schon im Jahr 2011 in Stuttgart die Ausländer einen Anteil von 21,8% an der Gesamtbevölkerung einnehmen, die Menschen mit Migrationshintergrund (die Eltern oder Großeltern waren noch Ausländer) hatten sogar einen Anteil von 39,9 an der Gesamtbevölkerungszahl (bei Kindern unter 5 ist der Anteil noch höher). Nur Frankfurt hat in Deutschland einen höheren Ausländeranteil und dies erst seit ein paar Jahren. Jahrelang lag Stuttgart prozentual an der Spitze in Deutschland, weil seit 1950 Anwerbeverträge bestanden. Die Kriminalität liegt aber weit hinter ähnlich großen Städten zurück, im Vergleich zu Frankfurt, welches ich eben genannt hatte: Frankfurt hat etwas mehr Einwohner als Stuttgart (ungefähr ein Siebtel mehr), aber es gibt dort eine doppelt so hohe Kriminalität.

Quellen: „Stuttgarter Einwohnerdaten“, Stand Juli 2012 (nach dem Zensus).

Lindemann, Utz, Ausländer in Stuttgart 1955 bis 2005, Zum 50. Jahrestag des Beginns der Anwerbung Ausländischer Arbeitnehmer.

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2013/PKS2012.html , s.22.

5. Noch einmal zu den Kosten:

Graphik

a.) Hier eine grafische Darstellung der Kosten für Flüchtlinge, die nach Deutschland flüchten gegenüber den Kosten der Steuerflüchtlinge, die aus Deutschland flüchten

b.) Ein Nebeneinanderstellen der Anzahl der Menschengruppen, die Grundsicherung erhalten: „WIESBADEN – Zum Jahresende 2014 erhielten in Deutschland rund 7,55 Millionen Menschen und damit 9,3 % der Bevölkerung soziale Mindestsicherungsleistungen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen damit sowohl die Anzahl als auch der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger an der Gesamtbevölkerung gegenüber dem Vorjahr (7,38 Millionen oder 9,1 %) leicht an. Im Jahr 2012 hatte die Zahl der Empfänger/-innen von Transferleistungen bei 7,25 Millionen Menschen (oder 9,0 %) gelegen.“

„Die Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II stellten weiterhin die größte Gruppe von Empfängern sozialer Mindestsicherungsleistungen. Ende Dezember 2014 betrug deren Anzahl 6,03 Millionen. Die Anzahl der Berechtigten von Mindestsicherungsleistungen im Rahmen der Sozialhilfe nach dem SGB XII („Hilfe zum Lebensunterhalt“ und „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“) lag bei 1,14 Millionen.“ Die dritte Gruppe der Leistungsberechtigten erhielten Regelleistungen nach dem Asyberwerberleistungsgesetz. „Ende 2014 lag deren Zahl bei 362 900.“

c.) Es gibt Regelsätze zur Grundsicherung. Wenn ein Mensch nicht in der Verfassung ist, für sich selbst zu sorgen, springt der Staat ein. Ein Alleinstehender, also mit eigenem Hausstand, erhält seit Ende des Jahres 2015 knapp über 400€ und dazu Wohngeld und Zuschüsse für Warmwasser und Heizung etc.

Ein Flüchtling erhält nicht die Grundsicherung eines Haushaltsvorstandes, sondern die eines Haushaltsmitgliedes. Das Geld für Wohnung etc geht an den Wohnungsgeber direkt. Erhält der Flüchtling auf irgendeine Weise Speisung, Kleidung etc. wird ihm diese Zuwendung von der monatlichen Grundsicherung abgezogen. Für Kleidung und anderes gibt es teilweise Wertmarken.

Seit einem Urteil von 2012 gilt folgendes: „Das geänderte Gesetz sieht für Alleinstehende außerhalb von Aufnahmeeinrichtungen einen notwendigen Bedarf von 212 Euro und einen Bargeldbedarf von 140 Euro monatlich vor.“ „Nach wie vor entscheiden die Länder und Kommunen, in welcher Form die Leistungen an die Flüchtlinge ausgegeben werden.“

Quellen:

http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fi.huffpost.com%2Fgen%2F3430286%2Fthumbs%2Fo-GRAFIK-570.jpg%253F6&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.huffingtonpost.de%2F2015%2F09%2F17%2Fschmarotzende-fluechtlinge-kosten-deutschland-milliarden_n_8150742.html&h=379&w=570&tbnid=xdZ0EwD_Q8nz8M%3A&docid=2jR-LQWan1Y_1M&ei=XAa1Vv2mOIWa6AS9xbiADQ&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=6803&page=1&start=0&ndsp=23&ved=0ahUKEwj9xN3Cu-HKAhUFDZoKHb0iDtAQrQMILTAE

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2015/12/PD15_444_228.html

http://sozialeleistungen.de/staatliche-fF6rderungen/grundsicherung.php

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/08/2014-08-27-asylbewerberleistungsgesetz-kabinett.html

6. Die Polizeiarbeit wird behindert durch falsche Anzeigen.

Es werden leider Aussagen und Anzeigen gegenüber anderen Menschen gemacht, so auch gegenüber Flüchtlingen, die falsch oder ganz erlogen sind. Hierzu gibt es sehr viel Text, das kopiere ich nicht alles hierher, sondern gebe Euch ein paar Links weiter. Inzwischen ergaben sich dadurch aber auch rechtliche Schritte gegen solcherlei Falschaussagen, wie zum Beispiel bei einem Fall in Holzkirchen, wo die Polizei gegen die Frau, die sich eine Geschichte ausgedacht hatte, wegen Vortäuschung einer Straftat und Freiheitsberaubung ermittelt.

Quellen:

http://www.huffingtonpost.de/2016/01/29/story_n_9116048.html

http://nopegida.blogspot.de/2016/01/die-vergewaltigungen-von-koln-silvester.html

7. Eine Erinnerung an die Hetzjagd auf einen 17 Jährigen in Emden, der damals fälschlicherweise für einen Straftäter gehalten wurde.

Ich möchte daran erinnern, wie sehr sich auch in dem damaligen Fall in Emden „besorgte Bürger“ durch eine Facebook Kampagne, zu einer Lynchjustiz hinreißen ließen. Auch hier wurde ein Unschuldiger vorschnell vorverurteilt. Seine Unschuld ist geklärt. Welche Auswirkungen diese Verdächtigungen und fälschlichen Angriffe auf sein Leben haben, steht nicht in den Berichten.

Quellen: http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=22906&article_id=105834&_psmand=165

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/18-jaehriger-bereut-lynchaufruf-im-emder-mordfall-a-827003.html

 

Cornelia Cornels-Selke

„Damit Sie wieder leuchten können!“

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