Heute und grundsätzlich

Dieser Rundbrief wurde versendet am 20.September 2022 und ist hier nachträglich eingestellt.

Ich mache Fehler. Ja. Es ist traurig. Immer wieder. Anscheinend lerne ich so.

Ich habe Fehler in der Erziehung gemacht, eigene und einige meiner Eltern nachgemacht.

Ich habe Fehler im Umgang mit unseren Tieren gemacht und Fehler im Umgang mit den Menschen meiner Umgebung.

Stärkere konnten sich wehren oder mir meine Fehler aufzeigen, wirklich getroffen habe ich demnach immer Schwächere oder welche, die sich nicht gegen mich stellen wollten.

Einiges habe ich dabei gelernt. Ich habe Schmerz in den Augen der jeweils anderen gesehen und daran, hoffentlich, irgendwie gelernt. Aber, was für ein Preis.

Wir Menschen machen Fehler, große und kleine. Wir alle lernen sehr oft nur auf diesem Wege.

Die ganze, ganze Menschheit macht Fehler. Und je größer die Möglichkeiten eines Menschen, umso größer sind die Fehler, die dabei jeweils oft andere, vor allem Schwächere, treffen können.

 

Wenn ich das in der Summe ansehe, mein Gott, wie soll die Erde das aushalten. Wir haben jetzt Maschinen, Vorrichtungen, die uns und unseren Kindern und natürlich all den anderen Lebensarten auf der Erde, die sich nicht wehren können, das Leben, die Lebensgrundlagen zerstören können. WIR werden es mit unserer Art, noch nicht einmal Fehler zugeben zu wollen, geschweige denn etwas, UNS, ändern zu wollen, an unserem eigenen Verhalten scheitern – und die Schwächeren gleich mit uns gefährden.

Ich persönlich kann hier wirklich nur auf einen guten Gott hoffen, der schützend seine Hände (bildlich gesprochen) über die Schöpfung legt, denn wir sind ja anscheinend noch nicht einmal willens, mit unserem Kram aufzuhören.

 

Ja, liest sich blöde. Muss aber irgendwie sein. Ich habe gestern einen neuen Rundbrief, die erste Version, an Euch geschrieben, bei dem ich mal wieder auf irgendwie nette Art und Weise aufrufen wollte, dass wir uns vor die Schwächeren und Jüngeren stellen sollten, ihnen zumindest beistehen. Aber es ist mir nicht gelungen. Ich habe zwar den halben Tag damit verbracht. Aber der Brief ist wirklich blöd geworden. So verdreht, geschmalzt, belehrend, verbrämt, mit kaum verhohlener Wut und dabei gütig zwinkernd. Ich kann Euch den Brief nicht senden. Er ist so nicht wahr und nicht echt.

Ich bin nämlich wirklich, wirklich entsetzt über unser Verhalten gegenüber unserer treu sorgenden Erde und allen Mitgeschöpfen. Vielleicht nicht, weil wir „böse“ sind, aber so schwer, schwer im Lernen, im Kapierenwollen.

Und was soll ich lange schreiben, es ist eigentlich genug geredet worden. Wir müssen handeln.

Doch versuchen wir Menschen stattdessen oftmals, unsere Fehler zu vertuschen und mit noch größeren Fehlern die entstandenen Löcher zu stopfen. So wünscht sich Bayern (also die Regierung dort, den Menschen will ich es nicht persönlich vorwerfen), dass der Fehler, sich von fossilen Energien und Atom abhängig gemacht zu haben, dadurch ausgemerzt wird, indem nun in Niedersachsen Fracking betrieben werden soll und das entstehende Gas zu ihnen geleitet. Erde mit höchstem Druck und Chemikalien bearbeiten, damit aus dem Gestein Gas herausgequetscht wird, aber eben auch das Grundwasser zerstört… Was man sich so ausdenkt… (eine Mehrheit für die Schwesterpartei im Oktober hier in Niedersachsen würde den Deal komplett machen).

Und, was machen wir? Wir unterstützen das, weil wir Angst vor Unbequemlichkeiten haben? Unser (in Niedersachsen wurde über Jahrzehnte sehr stark gegüllt) bereits belastetes Grundwasser würde weiter in seiner Trinkqualität gefährdet. Dann müssen wir großen Aufwand betreiben, um diese Schäden wieder zu reparieren und Trinkwasser, dieses Jahr durch Dürre ohnehin verknappt, wird dabei natürlich auch teurer. Und wir machen das mit?

Es wird über die Besiedelung des Mars nachgedacht für eine Zeit, in der die Erde zerstört ist, man müsste nur die dortige CO2 Atmosphäre in Sauerstoff umwandeln. Aber ist es denn nicht einfacher, hier auf der Erde den noch wachsenden CO2 Gehalt zu begrenzen? Straßen reparieren, aber keine neuen bauen, Wälder stehen und Pflanzen leben lassen, Energie umstellen auf Sonne und Wind, die sowieso um uns herum sind, das wären Möglichkeiten, die mir durchaus einfacher erscheinen. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/szenarien-konzepte-fuer-die-klimaschutz/rescue-wege-in-eine-ressourcenschonende#hintergrund , 20.09.2022.

Es wird über Bienenroboter nachgedacht, die die Bestäubung übernehmen sollen, wenn die Bienen aussterben. Aber wäre es nicht einfacher und auch viel schöner, die Bienen und Ihre Verwandten leben zu lassen?

Es geht auch anders, wie man an den guten Nachrichten sehen kann:

  • Der Zuwachs an Erneuerbaren Energien hat begonnen, damit unsere Autarkie von irgendwelchen Despoten und außerdem verringert dies die klimaerhitzenden Gase. Es muss nur schnell weitergehen. Aber es erspart uns vieles. https://www.cleanthinking.de/schnelle-energiewende-bis-2050-senkt-kosten-um-zwoelf-billionen-euro/ ,19.09.2022.
  • Thüringen ist schon richtig weit vorne, es geht! (https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/erneuerbare-energien-strom-lieferanten-100.html , 19.09.2022.)
  • Guckt mal, es klappt auch mit einem Balkon, nur evtl. dem Vermieter Bescheid sagen.
    • Man kann es auch an der Tat des Patagonia Chefs Chouinard sehen. Er hat seine milliardenschwere Firma Umweltorganisationen geschenkt.

https://www1.wdr.de/nachrichten/patagonia-gruender-spendet-sein-unternehmen-fuer-umweltschutz-100.html ,19.09.2022.

 

Ich habe keine Firma zu verschenken. Aber ich kann den Maulwurf in meinem Garten leben lassen. Ich kann doch mal den Laubhaufen liegen lassen (in der Setz- und Schonzeit, die noch bis Ende September geht) und die darunter verborgenen Igelkinder beschützen.

Ich kann mit der jungen Generation auf die Straße gehen und mich einmal an ihre Seite stellen. Sie demonstrieren (diesen Freitag wieder weltweit, so auch in Hamburg: https://fridaysforfuture.org/September23/ , 20.09.2022), sie entwerfen Petitionen, sie schreiben, sie rufen auf. Sie benötigen unsere Unterstützung!

Bei den jetzigen Jugendlichen ist schon genug im Argen, die große Selbstmordgefahr bei ihnen, die sogenannten Challenges, die oft genug tödlich ausgehen, die Kinderpornographie, das Cyber Grooming, es gibt so viele Gefahren, müssen wir ihnen auch noch die Zukunft klauen, weil wir aus Unverständnis nicht bereit zur Veränderung sind?

https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/artikel-detailansicht/42148-wie-kann-es-sein-dass-ihr-nicht-mitbekommt-was-hier-passiert.html , 19.09.2022.

Heute ist Weltkindertag, ist das alles nur Show? Lasst sie uns doch mal wirklich unterstützen. Wart Ihr schon einmal auf einer Fridays for Future Demo? Das bringt richtig Spaß: Wir gehen zusammen, wir singen zusammen, wir rufen auf, es ist ein wirklich schönes, gemeinschaftliches Erlebnis. Und es setzt Zeichen! Vier Jahre schon arbeitet diese jugendliche Bewegung daran, uns, die Politik und die Wirtschaft wach zu rütteln. https://www.thenation.com/article/activism/greta-thunberg-4-years-later/ , 19.09.2022.

Seit Januar 2019 bin ich dabei, aber, man glaubt es nicht, seitdem haben sich der Ressourcenabbau und auf der anderen Seite die Vermüllung noch gesteigert. Wir pokern. Immer noch. Vieles von unserem Handeln ist noch rein gewinnorientiert, weil uns das für unser Leben Sicherheit und Lifestyle zu versprechen scheint.

Die junge Generation ist manchmal sehr verzweifelt darüber. Ich habe recht oft mit jungen Leuten zu tun, sie sagen, sie beobachteten jetzt die Politik. Wenn sich in diesen nächsten drei Jahren nichts Entscheidendes tue, um die Erde und unser Überleben zu bewahren und zu retten, dann könnten sie keine Kinder mehr in die Welt setzen. Dann sind wir die letzten Generationen. Was die Menschen in Pakistan oder Italien oder auch Alaska, Puerto Rico, Japan und Nigeria gerade jetzt erleben, wollten sie ihren Kindern nicht antun.

  • Warum drei Jahre? Um die 1,5°C Grenze an Klimaerwärmung tatsächlich einzuhalten, darf jede Person weltweit nur noch 37,7 Tonnen CO2 Äquivalente ausstoßen (Berechnung aus dem Sommer 2022). Da die Deutschen durchschnittlich grob 11,61 Tonnen pro Jahr ausstoßen (Wert ist aus dem Coronajahr 2020, Quelle: Klimaschutz in Zahlen, BMU, 2020), sind wir in etwas mehr als drei Jahren an der Grenze, dessen, was wir ausstoßen dürfen, angelangt.
  • Ist das Panikmache? Was sagt denn die Wissenschaft dazu? Die Wissenschaft unterstützt die Jugend: https://www.derstandard.at/story/2000129750352/warum-ich-als-wissenschafter-die-klimabewegung-unterstuetze , 19.09.2022.
  • 1,5° C Grenze? Denn schon bei 1,5°C werden Kipppunkte erreicht https://taz.de/Schon-bei-15-Grad-Erderhitzung/!5880973/, 19.09.2022. https://www.mdr.de/wissen/klima-kipppunkte-schneller-erreicht-unumkehrbar-100.html , 19.09.2022.
  • Und es gibt Modelle, wie es zu schaffen ist. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/szenarien-konzepte-fuer-die-klimaschutz/rescue-wege-in-eine-ressourcenschonende#hintergrund , 20.09.2022.

Hoffnung, so sagt die junge Generation, um deren Leben es hier ja auch geht, sei aktiv. Wenn wir jetzt alle etwas (jeder/jede ein bisschen mehr und noch ein bisschen mehr) in die richtige Richtung tun würden, dann könnte noch etwas gelingen, dann gäbe es für sie noch Hoffnung. Deshalb fordert Fridays for Future ein Sondervermögen von 100 Milliarden für das Klima, um jetzt unsere Lebensgrundlagen zu retten. Das würde auch uns helfen, unser Häuschen oder unsere Wohnung umzurüsten und in Zukunft keinen Pfennig mehr für Gas oder Erdöl, oder auch Strom ausgeben zu müssen.

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/fridays-for-future-sondervermoegen-101.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE , 19.09.2022. Pressekonferenz dazu, was sagen sie selbst? https://www.youtube.com/watch?v=PVyM7nocqqU , 19.09.2022.

Je länger wir warten, umso höher sind die Kosten – auch für die Wirtschaft, bzw. umgekehrt, es ist kluges Wirtschaften jetzt zu handeln.

Wo kommt das Geld her? Zum Beispiel, indem man Subventionen abbaut, die klimaschädlich sind.

Vielleicht können wir die Erde sanfter betreten. Und vielleicht, wenn wir nicht mehr außen stehen und einsam um Gewinne kämpfen müssen, sind wir wieder Teil des Lebens hier auf Erden. Wenn wir das Leben wieder achten und schützen, dann kann es seine Selbstreparatur anwerfen und wir haben gut davon, dann wird uns vom Leben selbst geholfen und wir werden in vielem getragen werden. Vielleicht können wir uns dann doch sicher sein und einen guten Weg vor uns haben.

 

Dem ist alles möglich, dem der warten kann, dem, der fasten kann, dem, der beten kann.

Frei nach Hermann Hesse

Cornelia Cornels-Selke

 

PS: Zur Untermauerung für diejenigen, die mein Ansatz interessiert, ein Blick nur auf zwei Punkte:

  1. Massentierhaltung
  • Methanzuwachs – Klimaerwärmung – Dürre und Flashfluten – geringere Ernten – soziale Missstände.
  • Güllemengen – schlechte Wasserqualität – teures Wasser – soziale Missstände.
  • billiges Fleisch – Arbeiter auf Billigstlohnniveau – soziale Missstände.
  • Tierleid – Tierkrankheiten – Tiere werden weggeworfen – Reserveantibiotika wirken nicht mehr – Menschenerkrankungen können im Notfall schlechter behandelt werden – soziale Missstände.
  • Fleischkrankheiten der Menschen (Gicht, rheumatischer Formenkreis etc.) – mehr Behandlungen – teure Versicherungen.
  • Monokulturen für Futterpflanzen – weniger Anbau von Lebensmitteln – Verteuerung von Lebensmitteln – soziale Missstände.
  • (Hier etwas witziger dargestellt von Extra Drei: https://mobile.twitter.com/extra3/status/1569600473988055041 , 19.09.2022.)
  1. Autozuwachs
  • Trend zum Drittauto pro Person – verstopfte Innenstädte – CO2 Anstieg – Feinstaubbelastung – verändertes Kleinklima – Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/pkw-bestand-deutschland-101.html ,19.09.2022.
  • weitere Parkraumausweisung– Ausbreiten auf vorherigen Grünflächen – weniger Grün – verändertes Kleinklima – CO2 Anstieg – veränderte Lebensqualität.
  • weniger Platz für Kinder, Spielplätze, – veränderte Lebensqualität.
  • Weniger Platz für Fahrradwege – CO2 Anstieg.
  • Weniger Bewegung für Menschen – Zunahme von Krankheiten – veränderte Lebensqualität.
  •  erneuter Straßenbau – Umgehungsstraßen – Autobahnen – Autobahntourismus (Von Frankreich nach Polen, Dänemark – Spanien, Schweden – Italien, Niederlande – Tschechien etc.) –  mehr Verkehr – CO2 Anstieg – Klimaerwärmung.
  • Durch Subventionen von KFZ weniger Subventionen für ÖPNV – Straßenbau ist teurer als Gleisbau – CO2Anstieg – Klimaerwärmung.
  • Weniger ÖPNV –   teurere Tickets – weniger Teilhabe – mehr Verkehrstote – weniger Chancengleichheit – veränderte Lebensqualität.
  • Oder umgekehrt dargestellt: Der Zug ist deutlich sicherer.

 

Zwei Filme dazu:

  1. Wie gelingt die Verkehrswende von Arte: https://www.arte.tv/de/videos/096280-000-A/wie-gelingt-die-verkehrswende/ , 19.09.2022.
  2. Alles zu spät?, Terra X, Harald Lesch: https://m.youtube.com/watch?v=s2txunrkr8M , 19.09.2022.

 

 

 

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