Frohe Weihnachten

Weihnachten 2020

Liebe Freundin, lieber Freund

Ich bin erstaunt, wie angerührt ich bin.

Vorab kurz erzählt: Als Christoph und ich frisch verliebt und verheiratet waren, da gab es zum Heiligabend einen kleinen Tannenbaum im Ballen. Den haben wir später nach draußen gepflanzt, sobald es jeweils ging. Das war aber manchmal etwas spät und manche dieser Bäme haben es nicht geschafft anzuwachsen (einmal zum Beispiel hatten wir in dem Bäumchen, das im Topf auf der Veranda stand, recht schnell ein Amselnest. Die jungen Amselchen waren erst Ostern flügge und für den Baum war das leider zu spät).

Aufgrund dieser Erfahrung und mit wachsender Kinderschar habe ich mir dann irgendwann einen richtig großen, schönen, prächtigen Weihnachtsbaum gewünscht, bis unter die Decke, voll mit Lichtern und schönen Kugeln für ein Weihnachten wie im Märchen, mit ganzer, großer Familie, sodass die Kinder immer diese schöne Erinnerung behalten können.

Und mein Mann hat großzügig alles, alles mitgemacht: Das mit dem Ballen und wieder Einpflanzen und das mit der Größe und dem herrlichen Glanz in großer Familie.

Und dieses Jahr, da wollte ich einfach keinen Baum schlagen lassen. So viele haben die letzten Dürrejahre nicht überstanden und wir sägen einen ab? Nein. Ging gar nicht.

Mein Mann war wieder ganz dabei.

Schweren Herzen haben wir abgesagt bei den lieben Menschen, die uns immer einen schönen ausgesucht, reserviert und fertig gemacht hatten. Und wir sind losgezogen und haben gesucht, denn es war gar nicht so einfach, einen zu finden, der ordentlich balliert ist, mit einem ordentlichen Ballen ausgestattet wurde, nicht gespritzt, der es also auch wirklich schaffen wird, draußen wieder anzuwachsen. Der Baum ist natürlich nicht so groß. Er steht auf einem Hocker, damit er etwas höher ist.

Das nennt mal wohl „Downsizing“ (zu diesem Thema schreibe ich aber lieber im nächsten Brief mehr, zum Ende 2020 und zum neuen Jahr, denn da gehört es hin und könnte dort vielleicht einen Impuls für einen gesundenden Wandel geben)

Von den vier Kisten Weihnachtsschmuck (nur für den Baum) fand nicht einmal ein Drittel auf ihm Platz. Auch keine großen Kugeln oder meine wunderbaren Key Wester Weihnachtsmänner, auf Delfinen und Manatees reitend oder in Badehose (alle viel zu schwer).

Zum Größenverhältnis passten nur ein paar kleine, goldene und rote Kugeln und ein paar Glaskugeln und viel weniger Kerzen, aber alle selbst gemachten, leichten Strohsterne.

Das alles, bzw. das bisschen, habe ich also angebracht und beguckte mir das kleine Bäumchen und (ja, tatsächlich auch jetzt noch, wenn ich dran denke) ich war angerührt. Es kamen mir Tränen, weil mir plötzlich so klar wurde, dass dieser Baum hier in unserem Wohnzimmer lebt. Immer noch. Und auch weiterhin. Und alles miterlebt…

Er erlebt diesen Schmuck und die Kerzen, aber er wird auf die Wiese (Ihr erinnert Euch an die Wiesenpatenschaft, die ich übernommen habe?) gepflanzt werden und kann da weiter wachsen und groß werden und ich werde ihn gießen, wenn es trocken ist.

Es glänzt jetzt vielleicht nicht so doll, – aber er schimmert. Und dieses Schimmern nehme ich irgendwie wahr, wenn ich ihn ansehe und bin so voller Freude. Ich sehe mir selber staunend zu, wie ich dasitze und Glück empfinde.

Ich hoffe und wünsche sehr, dass auch Ihr einen Grund finden könnt, in diesem speziellem Jahr (bei so vielem, trotz allem und so manchem Besonderen) Glück zu empfinden.

Und weiter „Ja“ zu sagen zu diesem Leben hier auf Erden. Und wenn da kein Frieden ist, dann Frieden zu bringen. Und wenn da keine Liebe wohnt, Liebe zu schenken. Und wenn da keine Gerechtigkeit herrscht, selbst doch gerecht zu handeln. Und wenn da aber das Recht des Stärkeren herrscht, dann selbst doch Gemeinsamkeit und ein Miteinander zu pflegen. Das könnten wir von Weihnachten mit ins neue Jahr bringen.

Wir haben gemerkt, dass gerade dieses Miteinander – auch auf die Ferne – uns gut durch das Jahr 2020 getragen hat. Bestimmt trägt es uns auch weiter!

Deshalb, in herzlicher Verbundenheit: Frohe Weihnachten!

Eure Cornelia

PS: Wollt Ihr doch gerne mal in die Kirche? Hier könnt Ihr in der Sankt Georgenkirche in Eisenach eine kurze Andacht, die Christvesper, mit Lesung, viel Musik und kurzer Predigt wahrnehmen: https://www.youtube.com/watch?v=84-eRCzfNdo

PPS: Und natürlich könnt Ihr auch jetzt noch bei einer Petition gegen das Abholzen eines gesunden Waldes mit vielen alten Bäumen aufgrund einer Autobahn unterschreiben: www.stoppa49.org

 

Diese E-Mail wurde von Avast Antivirus-Software auf Viren geprüft.
www.avast.com