Österliche Freudenzeit und bedingungslose Liebe

Liebe Freunde

Wir sind noch in der österlichen Freudenzeit (die geht bis Pfingsten) und so traue ich mich, Euch auch noch auf Eure lieben Ostergrüße zu antworten, „Danke“ zu sagen und Euch dazu ein paar Gedanken zu senden. Und natürlich möchte ich Euch etwas schreiben, dass Euch gut tut und Euch unterstützt auf Eurem Weg, jetzt und auch überhaupt.

Die harte Phase des Shut Downs scheint schon wieder hinter uns zu liegen… Aber ob wir wirklich den Krisenpunkt / den Karfreitagspunkt (oder den Titanicpunkt?)  schon erreicht haben,  da bin ich noch gar nicht ganz sicher.

Ich habe nach wie vor das Gefühl, wir könnten etwas an unserer Transformation arbeiten und versuchen, etwas Gutes aus dieser ganzen Situation zu machen, und vielleicht eine klitzekleine Drehung vor einem weiteren Vorangehen vollziehen.

Früher auf der Farm kamen die Kurenden im Allgemeinen ziemlich kaputt an, bekamen nun Ruhe, Anwendungen, viel Natur, Vorträge, Beratung und gute Ernährung, sodass sie kräftig und gut gelaunt wieder nach Hause fahren konnten. Und schon da habe ich manchmal zum Abschied gesagt: „Wenn wir auf einem Weg waren, der uns kaputt gemacht hat und jetzt mit doppelter Kraft den gleichen Weg wie vorher fahren, dann sind wir in halber Zeit wieder an derselben Stelle wie vor der Kur. Wir könnten aber jetzt auch einmal gucken, ob wir unsere neue Kraft wirklich in die alten Ziele stecken wollen. Vielleicht wäre es gut, nach dieser Zäsur eine kleine Drehung zu vollziehen. Damit die neue Kraft in eine neue Richtung geht.“

Ich glaube, für eine kleine Drehung gibt es kaum eine bessere Zeit als einen Shut Down. Es gibt kaum eine bessere Zeit als Karfreitag/Ostern! Diese unterstützen uns in jeglicher Transformation.

So ein weltweiter Shut Down, eben weil es eine weltweite Pandemie gibt, im Jahr 2020[i] – das geht in die Geschichte ein! Wann gab es so etwas in der Form? (1919) – Nun sind wir Teil dieser geschichtsträchtigen Zeit. Es hat uns sicherlich etwas zu sagen.

Was ich Euch dazu schreiben möchte, fügt sich ein in die Reihe der letzten Mails oder auch der Aussagen im letzten und vorletzten Jahr, denn immer wieder komme ich auf diesen Punkt:

Ich glaube, eine sehr große Krux ist, dass wir jahrhundertelang mit bedingter Liebe erzogen wurden.

Liebe wurde, häufig genug sogar von den Eltern, aber auch von Freunden, in der Schule, in der Gesellschaft, in der Ehe, nur mit Bedingungen vergeben: „Wenn Du das tust, dann mag ich Dich“, „wenn Du das nicht tust, dann bist Du verkehrt“, „Der oder die macht es besser als Du,  der/die ist besser als Du“ etc.

Ich glaube, dass unser ganzes Streben, der oder die Beste sein zu wollen, es immer und immer perfekter machen zu müssen, unser Auftrumpfen „Ich kann das besser als Du“, „Ich weiß das besser als Du“, „Ich bin besser als Du“, unser Unterdrücken von anderen „Du kriegst das nicht, das hast Du nicht verdient, ich bin besser, ich will es haben, ich will es sein“, unser Immer-weiter-machen-müssen „Jetzt bin ich Vice-President, nun will ich President werden“, unser über die Grenzen schraben bei uns und bei anderen, aber auch unsere permanente Selbstüberforderung, dass wir zuviel versprechen, zuviel machen, obwohl wir nicht mehr können, dann ein schlechtes Gewissen haben, weil wir nicht alles geschafft haben und deshalb gleich wieder zuviel Neues versprechen, auch das Polieren der Schuldknöpfe bei anderen (und Triumphieren: „Der kann es auch nicht!“) und  sogar bei uns selbst, damit verbunden so viele Erkrankungen, das alles rührt von bedingter „Liebe“, die eben keine Liebe ist, sondern ein Vertrag, bei dem der/diejenige die höchsten Forderungen stellen kann, der/die am wenigsten liebt – und auch gar nicht lieben will. Weil man dann verletzlich ist und nicht mehr die Macht hat.

Es scheint nämlich schließlich gar nicht mehr um Liebe zu gehen, die wir so dringend benötigen, sondern um Macht über andere.

Eine Dame sagte zu mir: „Ich habe immer für alles bezahlen müssen. Jedes „Geschenk“ musste ich irgendwie, irgendwann zurückzahlen. Ob mit Arbeiten, oder mit dem Körper, oder mit Geld oder mit Abgabe von Rechten, mit Kopf-einziehen. Es war nichts wirklich geschenkt, die „Liebe“ schon gar nicht.“

Und wie lange halten wir das aufrecht… soviel Energie geben wir in Zustände, Systeme, die uns selbst nichts geben, krank machen. Immer in der Hoffnung, wenn wir noch ein bisschen weiter machen, ein bisschen besser vielleicht, ein bisschen funktionieren, erfüllen, was der jeweils andere will, ein bisschen noch seiner Macht beugen, dann, dann endlich, bekommen wir die ersehnte Liebe, erlangen wir unser Glück.

Aber immer gibt es dann neue Bedingungen.

„Ich sitze auf dem Klo in unserer Firma, als jemand herein kommt und sich auch in eine Kabine verzieht (abseits von mir, ich wurde anscheinend nicht bemerkt) und dort verzweifelt beginnt zu schluchzen. Ich höre tiefe, tiefe Verzweiflung in dem Weinen, das die andere Person schüttelt. Sie kommt wieder heraus und wäscht sich, immer noch um Luft ringend, die Hände. Da klingelt ein Handy, es muss diesem Menschen dort am Waschbecken gehören, denn sein Schluchzen verstummt und, nachdem es ein paar Mal geklingelt hat, meldet er sich schließlich mit ziemlich normal klingender Stimme an seinem Telefon. Unser Abteilungsleiter, der versucht, sein Gesicht zu wahren“ (dies war ein privater Kommentar unter einem Artikel).

Wie vielen Menschen geht es ähnlich? Und zeigen es uns ja nicht. Natürlich nicht. Um keine Schwächen zugeben zu müssen, um nicht verachtet zu werden, wird an so vielen Stellen in unserer Gesellschaft immer weitergemacht, wo es schon lange nicht mehr so sein dürfte.

Ist dieser Shut Down eigentlich eine Art kollektive Wunscherfüllung gewesen? Wie viele Menschen haben sich wohl gewünscht, dass sie morgen nicht zur Arbeit müssten? Wie schön es doch wäre, genug zum Leben zu haben, ohne in der bekannten Form arbeiten zu müssen? Es gibt auch nicht wenige, die denken: „Wenn ich krank wäre, dann hätte ich wenigstens Ruhe und müsste morgen nicht los“ (dieser Gedanke ist schon krank).

Damit meine ich nicht nur Deutschland, auch wenn wir solche Gedankengänge kennen sollten, ich meine das durchaus weltweit. Wollten wir alle mal Ruhe haben?

Natürlich hat sich das keine/r explizit so in der Größe, mit der Krankheit und sogar Opfern, nämlich vielen Toten, gewünscht. Aber für sich selbst vielleicht ein bisschen weniger Arbeit, ein bisschen weniger Stress, ein bisschen weniger Ärger dabei, ein bisschen weniger Druck? Ein bisschen mehr Zuspruch oder Wertschätzung? Bitte: Einmal durchatmen können!

Es ist für uns nicht leicht, so zu leben, wie man heutzutage lebt. Viele Kinder zahlen einen Tribut, weil sie ihre Eltern kaum sehen (die Beziehungen, die Erziehung finden in der Schule statt). Mit unserer Gesundheit zahlen wir oft einen Tribut. Und alle, die auch im Shut Down fleißig weiter arbeiteten (denken wir gerade mal an alle Menschen in systemrelevanten Berufen) zahlen ja auch ihren Tribut, denn der Mehrwert, der aus ihrer Arbeit entsteht, wird selten von ihnen selbst genossen, sondern abgeschöpft und irgendwohin transferiert.[ii]

Gucken wir auf die andere Seite der Erde ist es ungleich härter: In der Klimarecherche ( http://delfinbotschaft.de/?p=941 ) sprach ich das Thema Sklaven schon an (die es heute noch gibt und von denen viele auf je einen Bundesbürger kommen).[iii] Für Make up, Früchte, Shrimps, Gold, Silber, einen Diamanten am Ehering, Telefon, den Fußball, Kleidung etc. wird unter schlimmen Bedingungen geerntet und weiter verarbeitet. Wenn ich den Test, den Ihr ganz unten in der Endnote findet, mache, dann arbeiten für mich 62 Sklaven. Ehrlich, das will ich nicht und das wollte ich nie, ich suche also längst nach Auswegen!

Wo keine Liebe herrscht, da üben Muskelkraft, Geld, Wissen, Bodenkontrolle ihre Macht aus, auf: Kleinere, andere Lebewesen, andere Nationalitäten, das jeweils andere Geschlecht, die Erde selbst. Andere Arten, also Tiere/Pflanzen, werden geschunden, benutzt. Kinder werden von ihren Eltern bis zum 30. Lebensjahr als Sklaven verkauft. Jungen und Mädchen und genauso Frauen werden missbraucht. Frauen lässt man möglichst ohne Bildung – und wenn sie Bildung haben, verbietet man ihnen den Mund. Haben sie einen Beruf, kriegen sie weniger Geld und dann weniger Achtung, weil sie weniger Geld haben.

Dort, wo Gesetze die Schwachen schützen sollen, da geht es für die Skrupellosen ungebremst weiter. Notfalls baut man seine Fabrik in andere Länder, immer neue, immer dort, wo die günstigsten Löhne sind und wo es die geringsten Rechte für Arbeitnehmer*innen gibt.[iv]

 

Wo geht eigentlich unsere Achtung hin?

Achten wir Menschen, die andere stützen, freundlich, liebevoll sind oder Menschen, die andere benutzen?

Wo ordnen wir uns in diesem Gefälle ein?

Welches System stützen wir damit? Ein liebevolles System oder das System von Macht?

Kennt Ihr das Impostor Syndrom? Davon sind anscheinend mehr Frauen befallen (inzwischen aber kennt man dieses Phänomen zunehmend auch bei Männern). Ein Syndrom ist übrigens ein „Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener charakteristischer Symptome ergibt“ (so sagt es der Duden).[v] Mit anderen Worten, das hier ist eine Krankheit! Es ist nicht gesund, so zu fühlen! Das will ich vorweg sagen.

Und das Impostor Syndrom nennt man bei Menschen ihre eigene Annahme, dass alles, was sie gut gemacht haben, einfach nur Glück oder Zufall war, und alles, was verkehrt läuft, ihr Fehler ist.

Wie viele haben das von uns?

Wo kommt so etwas her?

Ich möchte hier noch einmal an die „Fünf Antreiber“ erinnern: Ein Erziehungsideal, dass den Kindern „helfen“ soll, „gut durch die Welt zu kommen“.

  1. Mach es sofort!
  2. Mach es allein!
  3. Mach es perfekt!
  4. Mach es ganz!
  5. Mach es schnell!

Diese fünf Bedingungen mussten eingehalten werden, dann war man ein „guter“ Mensch (und die anderen waren lieb zu einem). Was letztlich dazu führt, dass gilt:

  1. Mach es immer sofort!
  2. Mach es immer allein!
  3. Mach es immer perfekt!
  4. Mach es immer ganz!
  5. Mach es immer schnell!
  6. (Ach ja, und man muss dabei gut aussehen.)

Diese Verabsolution aber ist nicht einzuhalten, sie überfordert, man schafft es nicht und so ist man eben „schlecht“….

Mit bedingungsloser Liebe hat das wohl kaum etwas zu tun.

Wer so erzogen wurde, hat große Probleme, sich selbst zu lieben (vielleicht wurden die Impostor Menschen so erzogen?), erst recht sich bedingungslos zu lieben, dann Andere zu lieben oder gar bedingungslos zu lieben und auch Probleme, zu glauben, man könnte wirklich bedingungslos geliebt werden.

Überall sieht man nur Verträge, Angriffe.

 

Und dann Karfreitag!

DAS Gegenmodell!

Da war ein Mensch (oder ist das übermenschlich?) bereit, sich selbst als Opfer für alle hinzugeben. Einer der nichts Böses getan hatte, außer dass er mit deutlichen Worten gemahnt und mit Taten schon gebessert hatte. Den man aber gut gebrauchen konnte, als „Bauernopfer“ / „Sündenbock“ / „Opferlamm“, seine Liebe ausnutzen konnte und der tatsächlich bereit war, die Schuld anderer auf sich zu nehmen und so bedingungslos liebte, dass er sogar für andere starb.

Egal, welchen Glauben wir haben, es gab ihn, diesen historischen Jesus und seine Botschaft ist – bis heute – tief greifend weltverändernd. Das Heilige an ihm war, dass man für ihn nicht heilig oder perfekt sein musste, um von ihm geliebt zu werden, um dabei sein zu dürfen.

Allein der Gedanke an so einen Menschen, an so eine Hingabe, an so eine Liebe, tut mir gut und macht mich ein Stück heiler und hoffnungsvoller und auch bereiter, etwas mehr Liebe zu verschenken. Lässt mich an die Möglichkeit glauben, dass wir diese klitzekleine Drehung hinbekommen können. Von bedingter zu bedingungsloser Liebe.

Aber wie geht das?

Ich habe bei den Menschen um mich herum ein paar Fragen gestellt, vor einer Weile schon, weil es mich interessierte. Denn es sind dabei sehr viele Menschen, die es z.T. gar nicht leicht hatten in ihrer Kindheit oder durch verschiedene, heftige Situationen mussten, die aber, in meinen Augen, wunderbare Persönlichkeiten sind, die immer wieder ihren Weg gefunden haben.

Sie haben nicht einfach irgendetwas immer weiter gemacht, oder versucht, es halt besser oder schneller oder intensiver zu machen (und damit das krankmachende System, in dem sie waren, immer perfekter unterstützt). Das wäre ja so gewesen, als wären sie, beim Fahren an die Wand, einfach nur immer weiter (perfekter, schneller, intensiver) an dieselbe Wand gefahren.

Nein, sie haben eine kleine Drehung vollzogen, haben immer wieder Auswege, neue Wege gefunden und sind heute also in ihrem Leben auf einem guten Wege und gar kein Notfall, wie man nach ihren schweren Erlebnissen vielleicht erwarten könnte, sondern im Gegenteil, Stützen für andere, hilfreich, andere stärkend.

Man nennt das Resilienz, wenn ein Mensch oder ein anderes lebendiges Wesen, trotz widriger Lebenslagen immer wieder hoch kommt, die Seele wie geschützt ist und heile durch die schlimmsten Lebensumstände gelangt.[vi]

Ich habe also gefragt: „Wie hast Du / haben Sie das geschafft, durch diese Zeiten (in denen wie zufällig immer ausgerechnet mal wieder gerade keiner da war, um zu helfen), wie haben Sie es geschafft, so gut hindurch zu kommen. Ohne die Betonung zu sehr darauf zu lenken, dass man allein war, würde ich doch gerne wissen, was Dich / Sie in dieser Situation so gestärkt hat, dass alles gut ausgegangen ist?“

Und sie nannten mir Verschiedenes,  was ihnen persönlich geholfen hatte: Viel Zeit in der Natur, Zeit mit sich alleine, auch Glaube (das konnte durchaus unterschiedlicher Glaube sein), Bewegung in der Natur, was man „viel frische Luft“ nennen könnte, Musik, bestimmte Bücher, die dann wieder gegriffen werden, – einige denken auch noch über meine Frage nach, sie konnten das gar nicht so spontan sagen.

Die von ihnen genannten Hilfen scheinen also sehr wichtige, im Prinzip lebenswichtige Lebensbegleiter zu sein. Sie wirken unspektakulär, aber sie haben diesen Menschen tatsächlich und buchstäblich, teils mehrfach, das Leben gerettet und sie, nicht weiter, sondern anders/ neu machen lassen, einen neuen Anfang geschenkt, Kraft dafür gespendet und gesund erhalten in teils allerschlimmsten Zeiten.

Es scheint also zu helfen, wenn wir den Focus wegnehmen von dem Außen, den Anderen und ihn auf uns selbst legen. Statt weiter Energie in die verfahrene Situation zu schicken, nehmen wir sie (wo kommt diese Energie eigentlich immer wieder her?) und tun uns selbst Gutes damit. Und so ist es möglich, in einer schlimmen Situation Wertschätzung, gute Pflege, Güte, eben bedingungslose Liebe zu erhalten.

Und so haben diese resilienten Menschen sich selbst das gegeben, was sie von den Anderen in den damaligen Zeiten sowieso nicht bekommen hätten.

Wenn wir merken, wir machen es für den /die Andere/n sowieso nicht richtig, nie richtig genug, dann ist das genau der ideale Zeitpunkt, uns auf uns selbst zu besinnen. Gar nicht dadurch, dass wir uns aus allem „rausziehen“ und nur noch für uns selbst sorgen (der Kuchen ist weder nur für die Anderen noch nur für uns, er ist für alle. Selbstverständlich soll jeder, auch wir selbst, ein Stück erhalten. Da ist jeder Kampf um ein Stück überflüssig). Aber wir sind dann nicht mehr abhängig in unseren Beziehungen, „brauchen“ andere nicht, wenn wir den Focus von ihnen wegnehmen können, nicht mehr denken müssen: „Was muss ich tun, damit Du mich liebst?“ (♪ What shall I do to make you love me? ♫).

Statt mit den Anderen böse zu sein, sind wir gut zu uns selbst. Das ist die Drehung. So kommt wieder Liebe in unsere Welt.

Und das können wir, weil wir geliebt sind, von Anbeginn. Und das ist die Quelle aus der immer wieder Energie in uns strömt und aus dieser Quelle kann uns nun selbst Gutes zufließen.  Dadurch können wir uns tatsächlich selbst lieben.

Auch, wenn wir bisher immer nur bedingte „Liebe“ bekommen haben (bzw. natürlich nicht bekommen haben, weil wir nicht alles erfüllen konnten) und gar nicht so recht wissen, wie das ist, uns selbst zu lieben, lasst uns anfangen, das zu üben:

Wir haben da also diese sprudelnde Quelle in uns, von da kommt Liebe, nicht von außen.

Spür mal hinein in Deinen Brustkorb, da gibt es einen Punkt, wo die Liebe wohnt, der ist zu spüren und da fühle hin. Und da, wo Du ihn findest, da mach auf! Dann ist alles da.

Wenn wir dort sprudeln lassen, das selbst annehmen können, füllen wir gewissermaßen unser eigenes Gefäß mehr und mehr, mit dieser Liebe, Güte und Freundlichkeit, bis es irgendwann überfließt. Wir sind so voll davon, dass es erstens uns gut geht und wir damit zweitens nicht mehr abhängig von den Gaben Anderer sind. Und drittens trifft diese überfließende Fülle dann die Menschen, die uns am nächsten sind. Sie werden von unserer Liebe berührt, ohne dass sie vorher etwas dafür tun mussten, denn wir brauchen ja grad nichts, wir sind einfach gut gefüllt und wir laufen vor lauter Güte über.

Wie schön wäre es, wenn wir unseren Kindern so begegnen könnten? Es würde eine ganz andere Welt entstehen. Erinnert Ihr Euch an die Rede von Astrid Lindgren, die ich als Weihnachtsrundbrief im vorletzten Jahr geschickt habe?

Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun.“ …

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken.

Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seine Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt. Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben – das ist erschreckend, aber es ist wahr.“[vii]

Ihr könnt diese Rede auch noch einmal im Original hören: Auf der Hör CD „#haltung“, gibt es die Originalaufnahme von Ihrer Rede (und noch viele weitere  beeindruckende Reden von anderen Frauen und Männern). Tolle CD!

Hier gibt es eine Hörprobe:  https://www.hugendubel.de/de/hoerbuch_cd/heinrich_boell_erich_kaestner_astrid_lindgren_stephan_hessel_carola_rackete-_haltung-38160266-produkt-details.html

 

Das also wäre die „klitzekleine“ Drehung, von bedingter zu bedingungsloser Liebe. Die uns geben lässt (weil wir ja voll von Liebe und der entstehenden Freude sind), statt haben zu wollen, die uns diese Größe und Gelassenheit gibt, Andere so sein zu lassen und so zu achten, wie sie sind. Und so zu lieben. Die die Welt nach Ostern anders aussehen lassen würde als vorher. Das wäre die  Auferstehung!

Wenn wir bisher gesund geblieben sind oder aber irgendwann gesund aus allem herauskommen, ist das, trotz aller anderen Verluste, ein Grund, uns beschenkt zu fühlen, geliebt zu fühlen, glücklich zu sein, uns und unser Leben, einfach so, als wertvolles Geschenk zu betrachten. Vielleicht hilft uns das, sowohl die Ansprüche, wie das Erfüllen-müssen herunter zu schrauben und die bedingungslose Liebe wieder in uns zu entdecken und dort als gesunde Basis auszubauen. Und weiter zu verschenken.

Die Zeit ist voller Wunder, da können wir mitmachen, dies wünsche ich uns allen sehr herzlich!

Eure Cornelia

 

[i] 1919/2020 leicht zu merkende Daten von großen Zäsuren  auch durch Krankheiten.

[ii]  Dieser Gedankengang kam von Herrn Krümpelmann in einem Gespräch mit mir, Ende 2011. https://www.buchholz.de/portal/meldungen/-aussergewoehnlicher-mensch-viel-zu-frueh-aus-dem-leben-gerissen–903001301-20101.html ,13.04.2020. Gut auch hier erklärt: https://m.tagesspiegel.de/wissen/wie-veraendert-die-pandemie-die-gesellschaft-die-corona-krise-spaltet-die-sozialen-milieus-neu/25734516.html , 14.04.2020.

[iii] Vgl.: http://delfinbotschaft.de/?p=941 ,S.31. Hier ist der Originallink: www.slaveryfootprint.org  ,13.04.2020.

[iv] https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/38751/textilindustrie ,14.4.2020.

[v] Zitat: https://www.duden.de/rechtschreibung/Syndrom , 14.04.2020.

[vi] Def. Resilienz: Psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen,  https://www.duden.de/rechtschreibung/Resilienz ,13.04.2020.

[vii] http://www.cornels-selke.de/news/?p=532 ,11.05.2020.