Eine Heilungsgeschichte

Lieber Freund, liebe Freundin.

 

Mitte Januar kam ein Herr zu mir in die Behandlung, der mich gar nicht benötigte. Er sah auch ausgesprochen gut, gesund und lebendig, aus. Dennoch war es ihm ein Bedürfnis gewesen zu kommen. Ich darf seine Geschichte erzählen. Sie hat mich sehr, sehr beeindruckt und natürlich habe ich sie innerhalb meiner Beratungen schon weiter gegeben. Heute aber möchte ich einmal für Euch alle Folgendes aufschreiben.

Er sagte: „Ich bin diesmal nur deshalb da, um Ihnen etwas erzählen zu können. Vielleicht geben Sie es weiter. Sie sagen doch immer, man solle sich auf seine Gefühle einlassen und dann dahinter schauen, was sie bedeuten und woher sie wirklich rühren, um dort aufzuräumen. Ich aber wusste um meine Erlebnisse und, ja, um meine Fehler und wollte da gar nicht mehr hinschauen. Ich wusste, ich hatte da etwas falsch gemacht, da war ich einfach blöd gewesen, das war nichts mehr zu ändern und fertig. Ich würde mich also ansonsten bemühen, ein guter Mensch zu sein, aber dies würde immer ein Makel bleiben, das ist nun mal so.“

Und dann hatte er einen Film gesehen, einen Zweiteiler, von einem Menschen, der sich in der Nachkriegszeit tapfer hochgearbeitet hatte, eine Biographie. Er fand den Protagonisten bewundernswert, wie dieser nichts hingenommen hatte, sondern weiter und weiter bei seinem Ziel geblieben war. Und deshalb sah er sich auch den zweiten Teil an, der an einem Dienstagabend stattfand. Am Mittwochabend lag er dann abends im Bett und dachte immer noch begeistert über denselben Film und dessen Hauptperson nach. Und dort, im Bett, eine Nacht später, wurde ihm plötzlich klar, dass der Protagonist (er hat mir nicht den Film oder den Namen dieser realen Person genannt, so wie ich nicht seinen Namen nenne) exakt genau denselben „Fehler“ gemacht hatte wie er selbst. Er konnte das erkennen, mit dem Unterschied, dass er dessen Tun bei sich als Fehler empfand und bei dem Menschen aus dem Zweiteiler als richtige Entscheidung, tatsächlich gut und empfehlenswert. Und jetzt im Bett konnte er zum ersten Mal auf sich selbst und sein Leben schauen und mit etwas Abstand, quasi wie auf einen Film schauend, entdecken, auch er hatte keinen Fehler gemacht, sondern komplett verständlich gehandelt.

„Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich konnte sofort überhaupt nicht mehr ans Schlafen denken. Ich war so unfassbar glücklich, nein, glückselig, dass ich doch kein schlechter Kerl war, wie ich immer von mir geglaubt hatte. Ich konnte mich von einem Augenblick auf den anderen plötzlich wieder selber lieben. Mir liefen Tränen der Erleichterung über die Wangen ins Kopfkissen. Endlich, zum ersten Mal seit bestimmt 25 Jahren, konnte ich mich wieder annehmen und mir selbst gute Worte sagen.“

Er berichtete, dass danach, in den letzten paar Wochen, sich alles, alles in seinem Leben zum Guten verändert hatte und was er für sich selbst erkannt hatte.

„Bisher hatte ich ja eine ganz schlechte Meinung von mir gehabt, wenn auch tief versteckt im Unterbewusstsein, und die anscheinend immer mit mir herum getragen, was höchstwahrscheinlich für alle anderen fühlbar war. Wahrscheinlich wurde ihnen übermittelt, dass ich keine Achtung vor mir habe und dass auch sie mich nicht achten müssen. Deshalb musste ich immer mehr liefern, mich immer mehr bemühen als andere und bekam evt. doch keine Bestätigung oder, bei einem Geschäft, keinen Zuschlag. Ich kam gewissermaßen in den Raum und jeder wusste, er muss mich nicht achten. Sogar meine engsten Freunde, meine Familie sagten immer wieder solche Sätze zu mir wie ‚was Du immer hast‛, ‚Du nun wieder‛, ‚was Du immer redest‛, ‚das glaubst Du doch selbst nicht‛, ‚das stimmt nicht‛, ‚das glaubt Dir keiner‛, ‚Quatsch‛, ‚Unsinn‛, ‚Deine komischen Ideen immer‛, ‚wo steht denn das?‛, ‚das ist nur eine Deiner Behauptungen‛ ,usw., usw.

Deshalb musste ich immer mehr kämpfen, immer mehr begründen, immer mehr beweisen, denn – und das lag ja im Argen – ich brauchte ja deren Liebe und Anerkennung, ich selbst gab sie mir ja nicht. Wenn Gutes in mein Leben kam, habe ich es immer irgendwie weiter verschenkt, abgewehrt, ‚ist ja nicht nötig‛ gesagt und, ja, Einnahmen nur dann erfolgreich erhalten, wenn sie wirklich schon nötig waren.

Und jetzt, jetzt, fange ich plötzlich wieder an zu glauben. Dass es einen Gott gibt und dass er mich liebt. Er war die ganze Zeit da und wollte sicherlich helfen, ich aber, in meiner Scham, hatte mich immer weggedreht. ‚Erst die anderen, dann darf ich, ich bin eigentlich, im tiefsten Innern, ein blöder Typ und habe das Gute nicht verdient‛. Jetzt fühle ich mich geliebt und gesehen und unterstützt und ich nehme es an. Ja, ich fange plötzlich an, das Gute anzunehmen, weil ich mich selbst achten und lieben kann. Ich komme in den Raum und es kommt ein achtenswerter Mensch in den Raum, die anderen merken das und gehen ganz anders mit mir um. Ich muss mir ihre Anerkennung nicht mehr erarbeiten oder verdienen. Ich bekomme sie gleich, weil sie einen achtenswerten Menschen in den Raum kommen sehen. Ich bin nicht mehr manipulierbar nach dem Motto: ‚wenn Du das tust, dann bist Du toll‛. Tatsächlich bemüht man sich jetzt um mich, statt wie immer vorher andersherum. Weil ich mich selbst achte und liebe, kann ich das auch annehmen. Ich kann auch verschenken, ganz ohne die Hoffnung dann endlich geliebt zu werden. Ich muss auch nicht kämpfen oder auftrumpfen, es ist alles ganz entspannt. Ich habe noch nie so gute Geschäfte gemacht wie seit meiner Erkenntnis. Vorher musste ich mich immer überarbeiten, sonst hatte ich ja nichts „verdient“. Meine Gesundheit litt, unter dem Stress und unter meinen „Belohnungen“, ich musste mich bei soviel Arbeit ja trösten mit zuviel Kaffee, zuviel Wein, zuviel Süßem, zuviel Essen überhaupt. Jetzt: Es geht mir einfach gut. Ich muss mich nicht mehr trösten, lebe viel gesünder: Ein Knoten im linken Brustbereich ist weg, meine Krampfadern im linken Bein tun nicht mehr weh, mein Ohrklingen ist quasi stumm, ich habe keine Kopfschmerzen mehr. Ich glaube wieder, dass die Welt sich zum Guten wenden kann, ich sehe wieder Möglichkeiten und sie sind auch tatsächlich da und voller Geschenke für mich. Ich hatte noch nie soviel Urlaub, noch nie war er so vielfältig und günstig – oder ich sehe das jetzt erst richtig. Ich darf mich freuen. Ich kann mich freuen.

Also: Weil ich mir vergeben konnte, weil ich mich wieder liebe, bin ich glücklich, einfach so, habe ich alles, was ich brauche, „brauche“ die anderen nicht mehr, muss weniger arbeiten, um andere zu befriedigen, bin nicht mehr manipulierbar, muss mich weniger trösten, bin gesund, habe eine ganz andere Ausstrahlung, mehr Erfolg. Das alles wird mir geschenkt, weil Gott mich liebt und ich seine Gaben endlich wieder annehmen darf und kann. Ja, ich glaube wieder, dass es einen Gott gibt. Ich fühle mich sicher und beschützt und beschenkt. Ich erfahre den Segen, den ich vorher nur für andere geglaubt habe, ich bin einfach glücklich. Einfach glücklich“

 

Und so sah er auch aus!

 

Ich habe weiter gedacht, an die Kinder zum Beispiel bzw. an die Kindheit. In der Zeit machen wir sicherlich alle Fehler, wir lernen ja noch.

Oder aber die Eltern sind einfach mal müde von der Arbeit gekommen und über das Fahrrad oder das Bobby Car gestolpert und schimpfen nun. Das Kind ist dann das schuldige Wesen, auch wenn der wahre Ärger vielleicht in der Firma oder dem Verkehr lag. Das heißt, der Fehler lag überhaupt nicht beim Kind, wird ihm aber zugeschoben.

Oder die Eltern streiten sich. Die Kinder fühlen sich dann ebenfalls schuldig. Es ist wirklich so, wenn die Erwachsenen Stress haben, kriegen die Kinder das in irgendeiner Form mit und ab – und fühlen sich schuldig.

Scheidungskinder fühlen sich immer schuldig an der Scheidung, das ist ihnen ganz deutlich anzumerken – auch wenn die Wahrheit ganz woanders liegt!

Und schon kann der Kreislauf beginnen, den mein Patient so deutlich gefühlt und beschrieben hat, unbewusst und unbehoben in ganz vielen von uns.

 

Vielleicht kannst Du doch noch einmal, mit anderen Augen jetzt, in Dein eigenes Leben, in Deine eigenen Gefühle schauen und Dir auch Erlösung geben oder für Dich erbitten.

Und wieder wahres Glück, bedingungslos, annehmen und erleben.

 

Ganz herzlich grüße ich Dich und wünsche Dir einen Wunder vollen Restsommer.

 

Deine Cornelia