Performative Sprache

וַיֹּ֥אמֶר אֱלֹהִ֖ים יְהִ֣י אֹ֑ור וַֽיְהִי־אֹֽור׃

Gen.1,3

Ich wünsche sehr, dass Ihr es schön hattet an Weihnachten und dass Ihr wirklich abschalten, bzw. Euch selbst und Euer inneres Leuchten einschalten konntet. Dass Ihr die Zeit, den Rahmen, die Muße – also die innere Stimmung – dazu hattet. Ja, hoffentlich habt Ihr das noch.

Ich selbst schreibe sehr gerne genau dann einen Rundbrief, wenn ich gerade richtig tief in all die guten Gedanken eingetaucht bin,  also gerne am II.Weihnachtstag. Doch diesmal ging es leider nicht. Ich habe mir in diesem Moment nämlich selbst meine Brille zerbrochen. So verpasst man sich selbst wohl noch etwas mehr Ruhe.

Nun aber will ich doch noch einmal schreiben, bzw. erst einmal etwas dazu fragen: Wisst Ihr, was performative Sprache ist?

Das sind die Worte, die – gleichzeitig mit einer Handlung – diese Handlung benennen und sie wahr und gültig machen.

Wenn ein Richter zum Beispiel ein Urteil fällt, dann wird es nicht nur genannt, es ist auch gültig.  „Ich verkünde folgendes Urteil …“ Und er sagt auch, in wessen Auftrag er handelt bzw. spricht. „Im Namen des Volkes“, so sagt er vor der Verkündung.

Genauso gilt es in der Kirche: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ so spricht der Pastor / die Pastorin vor der Verkündigung und erklärt damit für gültig.  „Ich erkläre Euch zu Mann und Frau“, „Ich taufe Dich …“, „Seid gesegnet“.

Und mit diesen performativen Worten ist es auch so!

Es gibt zwischen den Kirchen Unterschiede, dennoch gilt diese performative Sprache für uns alle. Wir können sie nutzen und unser Leben – kraft des gesprochenen Wortes – aufstellen, verändern, verbessern.

Schon wenn wir jemandem schreiben und unter den Brief setzen: „Ich bedanke mich“ oder „Ich wünsche Dir Glück“ oder auch „Ich vergebe Dir“, dann schreiben wir es nicht nur. Mit diesen Worten geschieht es auch so.

Ebenso ist es im Gebet. In dem Moment, indem wir sprechen, geschieht etwas – mit uns und um uns herum. Wer häufiger betet, hat das bestimmt schon mehrfach erlebt, dass er sich danach vollkommen anders – besser – fühlt, denn die Wirkung tritt sofort ein.

Wisst Ihr davon?

Nutzt Ihr das?

Es gibt Menschen, die immerfort „den Teufel an die Wand malen“, sprich, sich das Allerschlimmste ausmalen und schon darüber klagen.

Vielleicht gibt es durch die performative Sprache aber doch die bessere Methode, sich stattdessen das Gute zu wünschen, das Gute auszumalen, das Gute zu erbitten, nur das Gute für wahr und gültig zu erklären – damit es so ist. Und dann gleich dementsprechend zu handeln.

Lasst uns das mal tun im nächsten Jahr.

Zum Beispiel morgens könnten wir den Tag für „in jeder Hinsicht gut und gelungen“ erklären. Das hilft, dem Tag eine Chance zu geben und den Blick in diese Richtung zu lenken. Das Gute kann leichter geschehen und wir können es leichter entdecken, – so erreicht es uns schließlich.

Und das wünsche ich uns allen: Dass wir Gutes erleben – und das wir Gutes mitbringen – wo immer wir auch hingehen.

Es soll ein wundervolles Jahr 2017 werden, Tag für Tag für jeden von uns und unsere ganze Umgebung und da, wo wir nicht hinkommen können, da auch!

Ich wünsche Euch alles Gute!

Eure Cornelia Cornels-Selke

Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος.

Joh.1,1

 

PS:  „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her
immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der
Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall
ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität,  die auf

seiner Seite ist.“

J.W.Goethe