Gestern, heute und morgen.

 

Das muss man sich mal vorstellen: Da ist ein junger Mann, – und was er macht, ist einfach herausragend. Es ist außergewöhnlich und so beeindruckend, und, ja, auch wirklich gut. Im Prinzip so gut, dass man es kaum glauben kann. Was er tut, tut er nicht, um ein Star zu sein, also berühmt und „toll“ zu sein. Er ist tatsächlich willens, Gutes zu tun. Auch anderen zu helfen, sie zu unterstützen, denn es mangelt nicht an Menschen rings um ihn herum, die etwas von ihm wollen (Freunde wie Fremde gleichermaßen) und er macht es ihnen nicht nur recht, er gibt bei jedem sein Bestes. Kaum hat er Zeit für sich selbst. Doch arbeitet er nicht nur, um es anderen recht zu machen, nein, er sieht tatsächlich seinen Lebenssinn darin. Was er tut, tut er auch, weil es ihm wichtig ist. Diejenigen, denen er dies und das ermöglicht hat, die ziehen entweder zufrieden davon oder suchen nun weiter seine Nähe, um auch weiterhin in den Genuss seiner Möglichkeiten zu kommen. Sie gewöhnen sich an sein Tun und Handeln. Wenn er mal nicht gleich zur Stelle ist, um Ruhe in eine Sache zu bringen, machen sie ihm Vorwürfe.

Es gibt auch Neider, die seine Arbeit und seine Art und Weise mit Misstrauen oder Abgunst betrachten. Sie legen ihm Stolpersteine in den Weg, fordern heraus, dass er sich immer neuen Prüfungen unterziehen muss. „Auch das noch“, möchte man sagen. Er weicht diesen Angriffen nicht aus und stellt sich diesen Herausforderungen und Prüfungen immer wieder. Und er besteht sie ja. Dennoch muss er sich immerzu wieder Vorwürfe gefallen lassen. Es gibt keine Ruhe für ihn.

Er tut wirklich sein Bestes und überschreitet das Maß, was man normalen Menschen zutrauen würde. Er setzt sich für seine Leute ein, aber es passiert immer wieder, dass er feststellen muss, dass sie ihn nicht wirklich vertreten und für ihn einstehen. Eigentlich kann er voraussagen, dass sie ihn im Ernstfall im Stich lassen. Trotzdem bleibt er loyal und unterstützt sie weiterhin.

Doch es ist nie gut genug!

Es ist nie gut genug…

Die Geschichte endet vorerst damit, dass er vor Gericht gestellt wird, wegen dubioser Vorwürfe und tatsächlich auch verurteilt wird.

 

Das müssten wir doch alle irgendwie nachvollziehen können, oder? Kennen wir das nicht auch? Ja – vielleicht geben wir nicht immerzu nur unser Bestes, wir lassen mal das eine oder andere liegen. Aber eigentlich, doch, sind wir bemüht, es gut zu machen. Sind wir willens, es für andere so zu gestalten, dass sie sehr zufrieden sind. Sind wir bemüht, unsere Verpflichtungen zu erfüllen. Wollen wir dem eigenen Leben auch einen Sinn geben und wollen deshalb zusätzlich zu dem Verlangten auch eigene Ideen möglichst gut umsetzen. Wollen wir gute Menschen sein.

Doch jeder von uns hat wohl schon erlebt, dass es nicht reicht. Es ist nie wirklich gut genug. Werden wir den Dingen gerecht, sind plötzlich die Anforderungen höher. Schaffen wir dies auch, wird noch mehr verlangt. Man denke nur an das Wachstum (z.B. in der Wirtschaft), das sich jedes Jahr steigern muss…

Und immer wieder erlebt man, dass man gerade von denen, für die man sich einsetzt, im Stich gelassen wird. Dass sie nicht Partei für uns ergreifen, obwohl sie doch wissen müssten, wie man sich verhalten hat. Oder dass sie einen vor anderen sogar in die Pfanne hauen und als blöd darstellen. Um selbst gut da zu stehen oder auch nur, „um sich raus zu halten“.

Dadurch, dass man es jetzt noch einmal besser macht als vorher, ändert sich nichts an der Situation.

Wer wollte da nicht ab und zu die Flinte ins Korn werfen.

 

In Ansätzen kennen wir sie also, die Karfreitagssituation. Und die Gefühle dazu… Es tut weh, wir spüren diesen Dolch auch körperlich und es gibt irgendwie keinen sichtbaren Ausweg.

Weiter, immer weiter machen, hat schon so manchen ins Burn Out geführt – oder sonst wo hin.

Heere Ideale ziehen uns dort auch nicht heraus.

Wie bleiben wir reflektierend und sensibel, aber werden doch nicht verletzt? Was ist so stark, dass es uns hier beschützen kann? Was ist so echt, dass es uns in so einem Falle wieder glauben und vertrauen lässt? Wie bleiben wir echt? Und ehrlich? Und sicher?

 

Damals endete die Geschichte schrecklich und irgendwie dann doch gut. Es musste so schlimm kommen (bis zum Tod und ins Grab!), damit Auferstehung möglich war, – damit die Menschen „kapierten“.

Muss es immer erst so schlimm kommen, damit wir kapieren, dass wir hier und heute anders mit uns, mit dem Anderen, auch mit den anderen Geschöpfen, der Natur, der Erde anders umgehen müssen?

 

Lasst uns doch mal diese Tage auch zur Ruhe nutzen, um zu unserer ganz persönlichen Lösung zu kommen. Um am Montag dann sensibler im Umgang mit anderen (denn wir wissen ja, wie es sich für uns selbst anfühlt, wenn andere uns und unsere Werke missachten), aber auch mit neuen Ideen und neuer Sicherheit, was unseren Weg, unser Tun und unser Sein betrifft, in die Sommerzeit zu starten.

Wie können wir andere stärken, wieder stärken, nachdem wir sie verletzt haben, sie geringschätzig behandelt haben?

Was stärkt uns selbst? Was hat sich darin schon bewährt?

 

Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch am Ostersamstag und Ostersonntag selbst stärken könnt und Eure Kraftquelle (wieder) findet. Dass Ihr ab Ostermontag (wieder /weiter) gute Wege findet, mit Euch selbst und mit Anderen gut umzugehen.

 

Danke!

Cornelia Cornels-Selke