Österliche Freudenzeit und bedingungslose Liebe

Liebe Freunde

Wir sind noch in der österlichen Freudenzeit (die geht bis Pfingsten) und so traue ich mich, Euch auch noch auf Eure lieben Ostergrüße zu antworten, „Danke“ zu sagen und Euch dazu ein paar Gedanken zu senden. Und natürlich möchte ich Euch etwas schreiben, dass Euch gut tut und Euch unterstützt auf Eurem Weg, jetzt und auch überhaupt.

Die harte Phase des Shut Downs scheint schon wieder hinter uns zu liegen… Aber ob wir wirklich den Krisenpunkt / den Karfreitagspunkt (oder den Titanicpunkt?)  schon erreicht haben,  da bin ich noch gar nicht ganz sicher.

Ich habe nach wie vor das Gefühl, wir könnten etwas an unserer Transformation arbeiten und versuchen, etwas Gutes aus dieser ganzen Situation zu machen, und vielleicht eine klitzekleine Drehung vor einem weiteren Vorangehen vollziehen.

Früher auf der Farm kamen die Kurenden im Allgemeinen ziemlich kaputt an, bekamen nun Ruhe, Anwendungen, viel Natur, Vorträge, Beratung und gute Ernährung, sodass sie kräftig und gut gelaunt wieder nach Hause fahren konnten. Und schon da habe ich manchmal zum Abschied gesagt: „Wenn wir auf einem Weg waren, der uns kaputt gemacht hat und jetzt mit doppelter Kraft den gleichen Weg wie vorher fahren, dann sind wir in halber Zeit wieder an derselben Stelle wie vor der Kur. Wir könnten aber jetzt auch einmal gucken, ob wir unsere neue Kraft wirklich in die alten Ziele stecken wollen. Vielleicht wäre es gut, nach dieser Zäsur eine kleine Drehung zu vollziehen. Damit die neue Kraft in eine neue Richtung geht.“

Ich glaube, für eine kleine Drehung gibt es kaum eine bessere Zeit als einen Shut Down. Es gibt kaum eine bessere Zeit als Karfreitag/Ostern! Diese unterstützen uns in jeglicher Transformation.

So ein weltweiter Shut Down, eben weil es eine weltweite Pandemie gibt, im Jahr 2020[i] – das geht in die Geschichte ein! Wann gab es so etwas in der Form? (1919) – Nun sind wir Teil dieser geschichtsträchtigen Zeit. Es hat uns sicherlich etwas zu sagen.

Was ich Euch dazu schreiben möchte, fügt sich ein in die Reihe der letzten Mails oder auch der Aussagen im letzten und vorletzten Jahr, denn immer wieder komme ich auf diesen Punkt:

Ich glaube, eine sehr große Krux ist, dass wir jahrhundertelang mit bedingter Liebe erzogen wurden.

Liebe wurde, häufig genug sogar von den Eltern, aber auch von Freunden, in der Schule, in der Gesellschaft, in der Ehe, nur mit Bedingungen vergeben: „Wenn Du das tust, dann mag ich Dich“, „wenn Du das nicht tust, dann bist Du verkehrt“, „Der oder die macht es besser als Du,  der/die ist besser als Du“ etc.

Ich glaube, dass unser ganzes Streben, der oder die Beste sein zu wollen, es immer und immer perfekter machen zu müssen, unser Auftrumpfen „Ich kann das besser als Du“, „Ich weiß das besser als Du“, „Ich bin besser als Du“, unser Unterdrücken von anderen „Du kriegst das nicht, das hast Du nicht verdient, ich bin besser, ich will es haben, ich will es sein“, unser Immer-weiter-machen-müssen „Jetzt bin ich Vice-President, nun will ich President werden“, unser über die Grenzen schraben bei uns und bei anderen, aber auch unsere permanente Selbstüberforderung, dass wir zuviel versprechen, zuviel machen, obwohl wir nicht mehr können, dann ein schlechtes Gewissen haben, weil wir nicht alles geschafft haben und deshalb gleich wieder zuviel Neues versprechen, auch das Polieren der Schuldknöpfe bei anderen (und Triumphieren: „Der kann es auch nicht!“) und  sogar bei uns selbst, damit verbunden so viele Erkrankungen, das alles rührt von bedingter „Liebe“, die eben keine Liebe ist, sondern ein Vertrag, bei dem der/diejenige die höchsten Forderungen stellen kann, der/die am wenigsten liebt – und auch gar nicht lieben will. Weil man dann verletzlich ist und nicht mehr die Macht hat.

Es scheint nämlich schließlich gar nicht mehr um Liebe zu gehen, die wir so dringend benötigen, sondern um Macht über andere.

Eine Dame sagte zu mir: „Ich habe immer für alles bezahlen müssen. Jedes „Geschenk“ musste ich irgendwie, irgendwann zurückzahlen. Ob mit Arbeiten, oder mit dem Körper, oder mit Geld oder mit Abgabe von Rechten, mit Kopf-einziehen. Es war nichts wirklich geschenkt, die „Liebe“ schon gar nicht.“

Und wie lange halten wir das aufrecht… soviel Energie geben wir in Zustände, Systeme, die uns selbst nichts geben, krank machen. Immer in der Hoffnung, wenn wir noch ein bisschen weiter machen, ein bisschen besser vielleicht, ein bisschen funktionieren, erfüllen, was der jeweils andere will, ein bisschen noch seiner Macht beugen, dann, dann endlich, bekommen wir die ersehnte Liebe, erlangen wir unser Glück.

Aber immer gibt es dann neue Bedingungen.

„Ich sitze auf dem Klo in unserer Firma, als jemand herein kommt und sich auch in eine Kabine verzieht (abseits von mir, ich wurde anscheinend nicht bemerkt) und dort verzweifelt beginnt zu schluchzen. Ich höre tiefe, tiefe Verzweiflung in dem Weinen, das die andere Person schüttelt. Sie kommt wieder heraus und wäscht sich, immer noch um Luft ringend, die Hände. Da klingelt ein Handy, es muss diesem Menschen dort am Waschbecken gehören, denn sein Schluchzen verstummt und, nachdem es ein paar Mal geklingelt hat, meldet er sich schließlich mit ziemlich normal klingender Stimme an seinem Telefon. Unser Abteilungsleiter, der versucht, sein Gesicht zu wahren“ (dies war ein privater Kommentar unter einem Artikel).

Wie vielen Menschen geht es ähnlich? Und zeigen es uns ja nicht. Natürlich nicht. Um keine Schwächen zugeben zu müssen, um nicht verachtet zu werden, wird an so vielen Stellen in unserer Gesellschaft immer weitergemacht, wo es schon lange nicht mehr so sein dürfte.

Ist dieser Shut Down eigentlich eine Art kollektive Wunscherfüllung gewesen? Wie viele Menschen haben sich wohl gewünscht, dass sie morgen nicht zur Arbeit müssten? Wie schön es doch wäre, genug zum Leben zu haben, ohne in der bekannten Form arbeiten zu müssen? Es gibt auch nicht wenige, die denken: „Wenn ich krank wäre, dann hätte ich wenigstens Ruhe und müsste morgen nicht los“ (dieser Gedanke ist schon krank).

Damit meine ich nicht nur Deutschland, auch wenn wir solche Gedankengänge kennen sollten, ich meine das durchaus weltweit. Wollten wir alle mal Ruhe haben?

Natürlich hat sich das keine/r explizit so in der Größe, mit der Krankheit und sogar Opfern, nämlich vielen Toten, gewünscht. Aber für sich selbst vielleicht ein bisschen weniger Arbeit, ein bisschen weniger Stress, ein bisschen weniger Ärger dabei, ein bisschen weniger Druck? Ein bisschen mehr Zuspruch oder Wertschätzung? Bitte: Einmal durchatmen können!

Es ist für uns nicht leicht, so zu leben, wie man heutzutage lebt. Viele Kinder zahlen einen Tribut, weil sie ihre Eltern kaum sehen (die Beziehungen, die Erziehung finden in der Schule statt). Mit unserer Gesundheit zahlen wir oft einen Tribut. Und alle, die auch im Shut Down fleißig weiter arbeiteten (denken wir gerade mal an alle Menschen in systemrelevanten Berufen) zahlen ja auch ihren Tribut, denn der Mehrwert, der aus ihrer Arbeit entsteht, wird selten von ihnen selbst genossen, sondern abgeschöpft und irgendwohin transferiert.[ii]

Gucken wir auf die andere Seite der Erde ist es ungleich härter: In der Klimarecherche ( http://delfinbotschaft.de/?p=941 ) sprach ich das Thema Sklaven schon an (die es heute noch gibt und von denen viele auf je einen Bundesbürger kommen).[iii] Für Make up, Früchte, Shrimps, Gold, Silber, einen Diamanten am Ehering, Telefon, den Fußball, Kleidung etc. wird unter schlimmen Bedingungen geerntet und weiter verarbeitet. Wenn ich den Test, den Ihr ganz unten in der Endnote findet, mache, dann arbeiten für mich 62 Sklaven. Ehrlich, das will ich nicht und das wollte ich nie, ich suche also längst nach Auswegen!

Wo keine Liebe herrscht, da üben Muskelkraft, Geld, Wissen, Bodenkontrolle ihre Macht aus, auf: Kleinere, andere Lebewesen, andere Nationalitäten, das jeweils andere Geschlecht, die Erde selbst. Andere Arten, also Tiere/Pflanzen, werden geschunden, benutzt. Kinder werden von ihren Eltern bis zum 30. Lebensjahr als Sklaven verkauft. Jungen und Mädchen und genauso Frauen werden missbraucht. Frauen lässt man möglichst ohne Bildung – und wenn sie Bildung haben, verbietet man ihnen den Mund. Haben sie einen Beruf, kriegen sie weniger Geld und dann weniger Achtung, weil sie weniger Geld haben.

Dort, wo Gesetze die Schwachen schützen sollen, da geht es für die Skrupellosen ungebremst weiter. Notfalls baut man seine Fabrik in andere Länder, immer neue, immer dort, wo die günstigsten Löhne sind und wo es die geringsten Rechte für Arbeitnehmer*innen gibt.[iv]

 

Wo geht eigentlich unsere Achtung hin?

Achten wir Menschen, die andere stützen, freundlich, liebevoll sind oder Menschen, die andere benutzen?

Wo ordnen wir uns in diesem Gefälle ein?

Welches System stützen wir damit? Ein liebevolles System oder das System von Macht?

Kennt Ihr das Impostor Syndrom? Davon sind anscheinend mehr Frauen befallen (inzwischen aber kennt man dieses Phänomen zunehmend auch bei Männern). Ein Syndrom ist übrigens ein „Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener charakteristischer Symptome ergibt“ (so sagt es der Duden).[v] Mit anderen Worten, das hier ist eine Krankheit! Es ist nicht gesund, so zu fühlen! Das will ich vorweg sagen.

Und das Impostor Syndrom nennt man bei Menschen ihre eigene Annahme, dass alles, was sie gut gemacht haben, einfach nur Glück oder Zufall war, und alles, was verkehrt läuft, ihr Fehler ist.

Wie viele haben das von uns?

Wo kommt so etwas her?

Ich möchte hier noch einmal an die „Fünf Antreiber“ erinnern: Ein Erziehungsideal, dass den Kindern „helfen“ soll, „gut durch die Welt zu kommen“.

  1. Mach es sofort!
  2. Mach es allein!
  3. Mach es perfekt!
  4. Mach es ganz!
  5. Mach es schnell!

Diese fünf Bedingungen mussten eingehalten werden, dann war man ein „guter“ Mensch (und die anderen waren lieb zu einem). Was letztlich dazu führt, dass gilt:

  1. Mach es immer sofort!
  2. Mach es immer allein!
  3. Mach es immer perfekt!
  4. Mach es immer ganz!
  5. Mach es immer schnell!
  6. (Ach ja, und man muss dabei gut aussehen.)

Diese Verabsolution aber ist nicht einzuhalten, sie überfordert, man schafft es nicht und so ist man eben „schlecht“….

Mit bedingungsloser Liebe hat das wohl kaum etwas zu tun.

Wer so erzogen wurde, hat große Probleme, sich selbst zu lieben (vielleicht wurden die Impostor Menschen so erzogen?), erst recht sich bedingungslos zu lieben, dann Andere zu lieben oder gar bedingungslos zu lieben und auch Probleme, zu glauben, man könnte wirklich bedingungslos geliebt werden.

Überall sieht man nur Verträge, Angriffe.

 

Und dann Karfreitag!

DAS Gegenmodell!

Da war ein Mensch (oder ist das übermenschlich?) bereit, sich selbst als Opfer für alle hinzugeben. Einer der nichts Böses getan hatte, außer dass er mit deutlichen Worten gemahnt und mit Taten schon gebessert hatte. Den man aber gut gebrauchen konnte, als „Bauernopfer“ / „Sündenbock“ / „Opferlamm“, seine Liebe ausnutzen konnte und der tatsächlich bereit war, die Schuld anderer auf sich zu nehmen und so bedingungslos liebte, dass er sogar für andere starb.

Egal, welchen Glauben wir haben, es gab ihn, diesen historischen Jesus und seine Botschaft ist – bis heute – tief greifend weltverändernd. Das Heilige an ihm war, dass man für ihn nicht heilig oder perfekt sein musste, um von ihm geliebt zu werden, um dabei sein zu dürfen.

Allein der Gedanke an so einen Menschen, an so eine Hingabe, an so eine Liebe, tut mir gut und macht mich ein Stück heiler und hoffnungsvoller und auch bereiter, etwas mehr Liebe zu verschenken. Lässt mich an die Möglichkeit glauben, dass wir diese klitzekleine Drehung hinbekommen können. Von bedingter zu bedingungsloser Liebe.

Aber wie geht das?

Ich habe bei den Menschen um mich herum ein paar Fragen gestellt, vor einer Weile schon, weil es mich interessierte. Denn es sind dabei sehr viele Menschen, die es z.T. gar nicht leicht hatten in ihrer Kindheit oder durch verschiedene, heftige Situationen mussten, die aber, in meinen Augen, wunderbare Persönlichkeiten sind, die immer wieder ihren Weg gefunden haben.

Sie haben nicht einfach irgendetwas immer weiter gemacht, oder versucht, es halt besser oder schneller oder intensiver zu machen (und damit das krankmachende System, in dem sie waren, immer perfekter unterstützt). Das wäre ja so gewesen, als wären sie, beim Fahren an die Wand, einfach nur immer weiter (perfekter, schneller, intensiver) an dieselbe Wand gefahren.

Nein, sie haben eine kleine Drehung vollzogen, haben immer wieder Auswege, neue Wege gefunden und sind heute also in ihrem Leben auf einem guten Wege und gar kein Notfall, wie man nach ihren schweren Erlebnissen vielleicht erwarten könnte, sondern im Gegenteil, Stützen für andere, hilfreich, andere stärkend.

Man nennt das Resilienz, wenn ein Mensch oder ein anderes lebendiges Wesen, trotz widriger Lebenslagen immer wieder hoch kommt, die Seele wie geschützt ist und heile durch die schlimmsten Lebensumstände gelangt.[vi]

Ich habe also gefragt: „Wie hast Du / haben Sie das geschafft, durch diese Zeiten (in denen wie zufällig immer ausgerechnet mal wieder gerade keiner da war, um zu helfen), wie haben Sie es geschafft, so gut hindurch zu kommen. Ohne die Betonung zu sehr darauf zu lenken, dass man allein war, würde ich doch gerne wissen, was Dich / Sie in dieser Situation so gestärkt hat, dass alles gut ausgegangen ist?“

Und sie nannten mir Verschiedenes,  was ihnen persönlich geholfen hatte: Viel Zeit in der Natur, Zeit mit sich alleine, auch Glaube (das konnte durchaus unterschiedlicher Glaube sein), Bewegung in der Natur, was man „viel frische Luft“ nennen könnte, Musik, bestimmte Bücher, die dann wieder gegriffen werden, – einige denken auch noch über meine Frage nach, sie konnten das gar nicht so spontan sagen.

Die von ihnen genannten Hilfen scheinen also sehr wichtige, im Prinzip lebenswichtige Lebensbegleiter zu sein. Sie wirken unspektakulär, aber sie haben diesen Menschen tatsächlich und buchstäblich, teils mehrfach, das Leben gerettet und sie, nicht weiter, sondern anders/ neu machen lassen, einen neuen Anfang geschenkt, Kraft dafür gespendet und gesund erhalten in teils allerschlimmsten Zeiten.

Es scheint also zu helfen, wenn wir den Focus wegnehmen von dem Außen, den Anderen und ihn auf uns selbst legen. Statt weiter Energie in die verfahrene Situation zu schicken, nehmen wir sie (wo kommt diese Energie eigentlich immer wieder her?) und tun uns selbst Gutes damit. Und so ist es möglich, in einer schlimmen Situation Wertschätzung, gute Pflege, Güte, eben bedingungslose Liebe zu erhalten.

Und so haben diese resilienten Menschen sich selbst das gegeben, was sie von den Anderen in den damaligen Zeiten sowieso nicht bekommen hätten.

Wenn wir merken, wir machen es für den /die Andere/n sowieso nicht richtig, nie richtig genug, dann ist das genau der ideale Zeitpunkt, uns auf uns selbst zu besinnen. Gar nicht dadurch, dass wir uns aus allem „rausziehen“ und nur noch für uns selbst sorgen (der Kuchen ist weder nur für die Anderen noch nur für uns, er ist für alle. Selbstverständlich soll jeder, auch wir selbst, ein Stück erhalten. Da ist jeder Kampf um ein Stück überflüssig). Aber wir sind dann nicht mehr abhängig in unseren Beziehungen, „brauchen“ andere nicht, wenn wir den Focus von ihnen wegnehmen können, nicht mehr denken müssen: „Was muss ich tun, damit Du mich liebst?“ (♪ What shall I do to make you love me? ♫).

Statt mit den Anderen böse zu sein, sind wir gut zu uns selbst. Das ist die Drehung. So kommt wieder Liebe in unsere Welt.

Und das können wir, weil wir geliebt sind, von Anbeginn. Und das ist die Quelle aus der immer wieder Energie in uns strömt und aus dieser Quelle kann uns nun selbst Gutes zufließen.  Dadurch können wir uns tatsächlich selbst lieben.

Auch, wenn wir bisher immer nur bedingte „Liebe“ bekommen haben (bzw. natürlich nicht bekommen haben, weil wir nicht alles erfüllen konnten) und gar nicht so recht wissen, wie das ist, uns selbst zu lieben, lasst uns anfangen, das zu üben:

Wir haben da also diese sprudelnde Quelle in uns, von da kommt Liebe, nicht von außen.

Spür mal hinein in Deinen Brustkorb, da gibt es einen Punkt, wo die Liebe wohnt, der ist zu spüren und da fühle hin. Und da, wo Du ihn findest, da mach auf! Dann ist alles da.

Wenn wir dort sprudeln lassen, das selbst annehmen können, füllen wir gewissermaßen unser eigenes Gefäß mehr und mehr, mit dieser Liebe, Güte und Freundlichkeit, bis es irgendwann überfließt. Wir sind so voll davon, dass es erstens uns gut geht und wir damit zweitens nicht mehr abhängig von den Gaben Anderer sind. Und drittens trifft diese überfließende Fülle dann die Menschen, die uns am nächsten sind. Sie werden von unserer Liebe berührt, ohne dass sie vorher etwas dafür tun mussten, denn wir brauchen ja grad nichts, wir sind einfach gut gefüllt und wir laufen vor lauter Güte über.

Wie schön wäre es, wenn wir unseren Kindern so begegnen könnten? Es würde eine ganz andere Welt entstehen. Erinnert Ihr Euch an die Rede von Astrid Lindgren, die ich als Weihnachtsrundbrief im vorletzten Jahr geschickt habe?

Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun.“ …

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken.

Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seine Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt. Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben – das ist erschreckend, aber es ist wahr.“[vii]

Ihr könnt diese Rede auch noch einmal im Original hören: Auf der Hör CD „#haltung“, gibt es die Originalaufnahme von Ihrer Rede (und noch viele weitere  beeindruckende Reden von anderen Frauen und Männern). Tolle CD!

Hier gibt es eine Hörprobe:  https://www.hugendubel.de/de/hoerbuch_cd/heinrich_boell_erich_kaestner_astrid_lindgren_stephan_hessel_carola_rackete-_haltung-38160266-produkt-details.html

 

Das also wäre die „klitzekleine“ Drehung, von bedingter zu bedingungsloser Liebe. Die uns geben lässt (weil wir ja voll von Liebe und der entstehenden Freude sind), statt haben zu wollen, die uns diese Größe und Gelassenheit gibt, Andere so sein zu lassen und so zu achten, wie sie sind. Und so zu lieben. Die die Welt nach Ostern anders aussehen lassen würde als vorher. Das wäre die  Auferstehung!

Wenn wir bisher gesund geblieben sind oder aber irgendwann gesund aus allem herauskommen, ist das, trotz aller anderen Verluste, ein Grund, uns beschenkt zu fühlen, geliebt zu fühlen, glücklich zu sein, uns und unser Leben, einfach so, als wertvolles Geschenk zu betrachten. Vielleicht hilft uns das, sowohl die Ansprüche, wie das Erfüllen-müssen herunter zu schrauben und die bedingungslose Liebe wieder in uns zu entdecken und dort als gesunde Basis auszubauen. Und weiter zu verschenken.

Die Zeit ist voller Wunder, da können wir mitmachen, dies wünsche ich uns allen sehr herzlich!

Eure Cornelia

 

[i] 1919/2020 leicht zu merkende Daten von großen Zäsuren  auch durch Krankheiten.

[ii]  Dieser Gedankengang kam von Herrn Krümpelmann in einem Gespräch mit mir, Ende 2011. https://www.buchholz.de/portal/meldungen/-aussergewoehnlicher-mensch-viel-zu-frueh-aus-dem-leben-gerissen–903001301-20101.html ,13.04.2020. Gut auch hier erklärt: https://m.tagesspiegel.de/wissen/wie-veraendert-die-pandemie-die-gesellschaft-die-corona-krise-spaltet-die-sozialen-milieus-neu/25734516.html , 14.04.2020.

[iii] Vgl.: http://delfinbotschaft.de/?p=941 ,S.31. Hier ist der Originallink: www.slaveryfootprint.org  ,13.04.2020.

[iv] https://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/38751/textilindustrie ,14.4.2020.

[v] Zitat: https://www.duden.de/rechtschreibung/Syndrom , 14.04.2020.

[vi] Def. Resilienz: Psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen,  https://www.duden.de/rechtschreibung/Resilienz ,13.04.2020.

[vii] http://www.cornels-selke.de/news/?p=532 ,11.05.2020.

Wenn der Mensch ruht, freut sich die Erde

Heute ist Frühlingsanfang und wir haben eine veränderte Welt, – seit ein paar Tagen gewissermaßen, aber doch schon umfassend wie nie und kaum mit dem Frühling zu erklären.

Natürlich, seit Januar bereits ist ein neuartiger Virus in der Welt, aber erst seit ein paar Tagen richten wir uns darauf ein. Und wenn das alle Menschen tun, dann ist die Welt eben tatsächlich verändert (lassen wir mal kurz die außer Acht, die noch meinen, sich um nichts und niemanden kümmern zu müssen).

  • Im 3. Teil des Rundbriefes mit der Klimarecherche hatte ich geschrieben: „… in Davos 2020 sagte Angela Merkel, wir bräuchten eine Transformation! Das ist der richtige Ausdruck – Transformation. Höher, schneller, besser, weiter, ich bin der Beste, ich hole mir schnell noch alles, bevor Du es Dir holst, das ist ALTE WELT. Miteinander, zufrieden, im Frieden leben, das ist das NEUE. Und wir alle hätten gut davon.“[1]
  • Im letzten Rundbrief schrieb ich dann: „Zwischen-Fazit: Damit die Kurve der akuten Krankheitsfälle und damit der Zustand in Deutschlands Krankenhäusern etwas weniger dramatisch ausfällt und auch unsere Eltern und Großeltern heile durchkommen, halten wir, die wir das können, Ruhe, alleine oder einfach in kleiner Familie, zu Hause. Es tut uns sicherlich allen einmal gut. Bedenkt mal, diejenigen, die sich am meisten im Beruf verausgaben und dadurch schwächen, am meisten Raubbau am eigenen Körper betrieben haben, sind durchaus auch besonders gefährdet. Da kann etwas mehr Ruhe schon die Abwehr stärken und ist auf jeden Fall sehr erholsam.“
  • Und heute schon können wir erkennen, wie sehr sich die Ruhe der Menschen positiv auf die Natur auswirkt. Das Klima in China, Delfine und Fische in Italien…

Wenn der Mensch ruht, freut sich die Erde, so könnte man sagen.

Moment! Hatten wir nicht immer gelernt, dass wir, nur, wenn wir fleißig sind, „gute“ Menschen sind? Je fleißiger, umso besser? „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ –  „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ – „ Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“ .

Und nun müssen – dürfen – wir erkennen, dass dies ein Irrweg war. Soviel Produktivität schadet sowohl uns und unserer Gesundheit, wie auch unserer Mitwelt und deren Gesundheit.

Guckt mal diese Grafik, ein Screenshot aus dem Vortrag von Prof. Dr. Austmann beim Klimaforum in Buchholz am 9.3.2020[2] (den ich allerdings zur Verdeutlichung bearbeitet habe). Er zeigt zwei Kurven in einer Grafik:

  1. wie die Ressourcen der Welt abnehmen
  2. wie menschengemachtes Wachstum zunimmt.

Und da bekommt dieses „Flatten the Curve“ (verflacht/mildert die Kurve), was wir gerade als Hausaufgabe für Covid-19 gestellt bekommen,[3]

 

nebenbei eine andere, genauso weltumfangende Aussage.

Also lasst uns das Burn-Out begraben und die Natur wieder beleben, indem wir endlich, wirklich erlaubt, Ruhe halten, eine Transformation gelingen lassen, die, wie Matthias Horx beschreibt,[4] uns im Herbst eine neue, veränderte, friedlichere Welt erleben lässt.

Nie war es so einfach.

Großen Segen möge uns das alles bringen!

Cornelia Cornels-Selke

 

[1] Zitat: Cornels-Selke,C., Klima-Eine Recherche, Buchholz, 2020, S.24.

[2] Vgl.: https://www.youtube.com/watch?time_continue=8&v=h7Tu_RLZ8t0&feature=emb_logo , oder hier:  https://buchholzconnect.de/klimaforum/ , 20,03,2020, Minute 44:20 beginnt sein Vortrag, davor geht es um die spezielle Buchholzer Situation.

[3] Quelle:  https://twistedsifter.com/2020/03/flatten-the-curve/ , 20.03.2020.

[4] Vgl.:  https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/ , 20.03.2020.

Aktuell: Behandlungen in meiner Praxis in Zeiten von SARS-CoV-2

Buchholz, den 14.3.2020

Liebe Freunde

Es gibt sehr reichlich und immer wieder Neues zu lesen über die jetzige Gesundheitssituation in dieser Welt. Da muss ich kaum Grundsätzliches zu schreiben. Es gibt sehr viele Informationen, die sich allerdings immer wieder an den neuesten Stand angleichen, also erneuern müssen.  Wo Ihr diese findet, folgt jetzt:

Noch ein paar Worte von mir: In Italien ist die Erkrankung schon weiter fortgeschritten, so können wir aus ihren Erfahrungen dort lernen: Zero Contatti subito, Null Kontakt, sofort, sagen sie uns. Meine Freundin aus Bozen berichtet mir live, wie es ist:

Bei ihnen herrscht Ausgangssperre, es gibt Strafen, wenn man (ohne sehr gewichtigen Grund) draußen herum läuft, auf den Straßen ist also alles leer und still, aber in den Krankenhäusern tobt der Sturm.

Und, bewundernswert, abends um 18.00 Uhr stehen die Menschen auf ihren Balkonen und an den Fenstern und singen! Mit all ihren Nachbarn, entfernt, aber doch zusammen singend. Beeindruckend und zum Staunen, diese tollen Menschen!

Meine Patient*innen / Bei mir in der Praxis:

  • Solltet Ihr Euch gesund fühlen, aber kürzlich in einem Risikogebiet gewesen sein oder Kontakt zu einem Erkrankten gehabt haben, dann gilt für Euch Quarantäne. Ihr müsstet in diesem Fall den Arzt anrufen (nicht einfach hingehen) oder das Krankenhaus.
  • Auch Selbständige sind im Falle einer Quarantäne finanziell abgesichert. https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/Corona-Virus-Folgen-fuer-Angestellte-und-Freiberufler-Wer-zahlt-bei-Quarantaene,coranavirus-quarantaene-rechte-arbeitnehmer-freiberufler-100.html#Selbststaendige ,14.03.2020.[1]
  • Solltet Ihr im Moment Grippesymptome haben, dann können wir dies leider nicht unterscheiden von den gerade umherziehenden Coronaviren (das Virus wird mittlerweile als SARS-CoV-2 bezeichnet), denn nicht immer ist eine Kontaktkette zu einem Erkrankten bekannt. Covid-19 ist bei Verdacht, Erkrankung und Tod meldepflichtig,[2] das heißt, schon der Verdachtsfall muss gemeldet werden – wenn er sich nicht bestätigt, muss dies auch gemeldet werden. Dazu informiert man also das zuständige Gesundheitsamt. Dann muss ein Test – z.B. ein oberer und tiefer Rachenabstrich – gemacht werden, dann erst zeigt es sich, ob Covid-19 vorliegt. Mit anderen Worten: Ich bin verpflichtet alle diese genannten Fälle weiterzuleiten.
  • Ein Familienmitglied von uns arbeitet im Krankenhaus, wir sind ganz gut informiert, wie da die Lage ist, aber wenn dort Infizierte eingeliefert werden, dann sind wir dadurch natürlich auch recht nah dran.
  • Außerdem gibt es bei mir in der Praxis Patient*innen mit Vorerkrankungen, die ich beschützen muss.
  • Ich kann Euch also ab sofort eine Telefonsprechstunde anbieten. Dies wird von den Krankenkassen unter den gegebenen Umständen auch empfohlen, da der persönliche Kontakt zur Zeit minimiert werden sollte. Dies wird, wie sonst auch, versicherungskonform mit den Ziffern der GebüH  abgerechnet.
  • Und es sind über die APP „Signal“ (diese ist kostenlos herunter ladbar) auch datenschutzsichere Videosprechstunden möglich, wenn Euch das wichtig ist.
  • Schreibt mich einfach an, dann vereinbaren wir einen Termin.

 

Wenn diese Krankheit etwas Gutes haben sollte, dann ist es hoffentlich dies: Dass wir Kranken- und Pflegepersonal mehr achten! Sie sind, seit Jahren immer stärker, permanent überlastet. Man geizt gleichzeitig mit ihrem Lohn, will aber beste Behandlung. Ein Arzt schrieb  – noch vor Corona –: „Ich bin seit 48 Stunden im Dienst, lassen Sie Sich nicht von diesem Zombie operieren.“ Immerzu wird an denen gespart, die uns im Notfall helfen sollen, denn die Gewinne dürfen anscheinend nicht an das Personal gehen. Jetzt aber wird von ihnen wieder alles erwartet. Allmählich sind viele Menschen im Homeoffice und zwangsbefreit von der Arbeit. Bei Krankenpflegern und –schwestern wird dagegen teilweise 200% an Arbeit erwartet. In Italien schrieben sie, „wir haben kein persönliches Leben mehr, wir dürfen auch nicht nach Hause, weil wir andere anstecken könnten.“

Da kann wirklich viel verbessert werden und wenn wir durch das Gröbste durch sind, dann sollten wir uns an ihre Seite stellen und sie unterstützen.

Zwischen-Fazit: Damit die Kurve der akuten Krankheitsfälle und damit der Zustand in Deutschlands Krankenhäusern etwas weniger dramatisch ausfällt und auch unsere Eltern und Großeltern heile durchkommen, halten wir, die wir das können, Ruhe, alleine oder einfach in kleiner Familie, zu Hause. Es tut uns sicherlich allen einmal gut.

Bedenkt mal, diejenigen, die sich am meisten im Beruf verausgaben und dadurch schwächen, am meisten Raubbau am eigenen Körper betrieben haben, sind durchaus auch besonders gefährdet. Da kann etwas mehr Ruhe schon die Abwehr stärken und ist auf jeden Fall sehr erholsam.

Ganz allmählich gelingt dies nun in Deutschland. Heute morgen zum Beispiel, als sich im Schatten noch der Nachtfrost halten konnte, war es aber doch schon schön in der Sonne und ich habe am offenen Fenster in der Sonne gesessen und das sehr genießen können. Hoffentlich könnt Ihr Euch das auch gönnen!

Seid beschützt und gesegnet.

Cornelia Cornels-Selke

 

[1] Quellen:  https://www.vgsd.de/corona-virus-auch-selbststaendige-und-freiberufler-werden-bei-quarantaene-entschaedigt/  ,  https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__56.html ,14.03.2020.

[2] Anm.: Der Verdacht auf COVID-19 ist begründet, wenn bei Personen mindestens eine der beiden folgenden Konstellationen vorliegt:

  1. Personen mit akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere oder unspezifischen Allgemeinsymptomen UND Kontakt mit einem bestätigten Fall von COVID-19
  1. Personen mit akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere UND
    Aufenthalt in einem Risikogebiet. (Quelle:  https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Empfehlung_Meldung.html ) ,14.03.2020.

Wie bleiben wir gesund?

Helgoland

Buchholz, den 10.3.2020

Aufgrund der zur Zeit bestehenden Angst vor Ansteckung möchte ich Euch gerne ein paar Tipps geben.

Vieles davon habe ich schon einmal geschrieben, aber ich habe festgestellt, dass das schon viele Jahre her sind und ich es nicht mehr unbedingt als bekannt voraussetzen kann.

Gerade ist alles wieder aktuell und so können wir Altes, aber Bewährtes mal wieder hervorkramen und anwenden.

Was können wir also tun, um möglichst inmitten kranker Menschen gesund zu bleiben?

1. Cystus 052 Lutschtabletten / Pandalis

Die Wirksamkeit konnte mit unterschiedlichen Bakterien und Viren in verschiedenen klinischen Studien gezeigt werden. Man kann sich die Wirkung der darin enthaltenen Cystrose in etwa so vorstellen: Die Cystrose „dockt“ sich bei den Erregern an und dadurch haben diese keine Möglichkeit mehr sich im Körper anzudocken/anzukoppeln. Einfach dadurch, dass man die Lutschtabletten mehrmals täglich lutscht, z.B. während man in der S-Bahn neben vielen anderen Menschen sitzt, baut man also einen Schutz im Mund und Rachenbereich auf.

2. Essig der vier Räuber

„Meist denken wir bei ätherischen Ölen ja nur an Wohlgeruch und nette Stimmung dabei (was natürlich auch die Abwehr stärkt). Zur Zeit der Pest waren sie aber das wirksamste Schutzmittel überhaupt!

Damals gab es eine Gruppe von Banditen, die die Pest-Leichen fledderten und ausraubten. An diese  Toten traute sich sonst keiner heran, ja sie wurden häufig genug einfach liegen gelassen, wo sie waren, weil jeder Angst vor Ansteckung hatte, auch der Bestatter. Nicht aber die Räuber. Für sie waren die Leichen eine Einladung zur Bereicherung. Schließlich fasste man sie doch. Man versprach ihnen Strafminderung, wenn sie nur ihr Geheimnis preisgäben, wie sie es geschafft hätten, nicht angesteckt zu werden. Und sie verrieten, dass sie verschiedene duftende Öle gemixt hatten, sich damit eingerieben hatten und so trotz der aggressiven Erreger überall in der Luft gesund bleiben konnten.

Dazu passt, dass auch die Arbeiter der Parfumfabriken, Parfums wurden damals noch aus puren Pflanzenölen hergestellt, nicht erkrankten. Seitdem ist der „Essig der vier Räuber“ in die Geschichte eingegangen. Es gibt davon verschiedene abgewandelte Versionen z.B.:

  • Großer Wermut 40g
  • Kleiner Wermut 40g
  • Rosmarin 40g
  • Salbei 40g
  • Pfefferminze 40g
  • Raute 40g
  • Lavendel 40g
  • Rotangpalme 5g
  • Zimt 5g
  • Gewürznelke 5g
  • Muskatnuß 5g
  • Knoblauch 5g
  • Kampfer 10g
  • Kristallisierte Essigsäure 40g
  • Weißer Essig 2500g

 

Ungefähr 10 Tage ziehen lassen. Durchsieben, dabei ausdrücken, dann den in der Essigsäure aufgelösten Kampfer hinzugeben und filtern. Mixt Euch auch die Apotheke…Damit kann man sich Hände und Gesicht einreiben oder es verdampfen lassen oder in Riechfläschchen abfüllen.

Ich persönlich wähle daraus immer die ätherischen Öle, mische diese und nehme sie zum Verdampfen. Das ist nicht so original, aber sehr einfach und schnell.

Diese Mischung ätherischer Öle empfehle ich immer, wenn meine Patienten in exotische Länder reisen, um sie schön gesund zu erhalten und sie zumindest vor Keimen aus der Luft oder aus Kontakten zu schützen. Ich denke, wir können uns ruhig einmal auch im Winter an diese Geschichte erinnern und nun bewusst etwas mehr Wohlgeruch in unseren Räumen verbreiten.“[1]

3. Olbas

Olbas kommt dem Essig der vier Räuber schon sehr nahe (Die Cystrose ist aber antiviraler getestet als Salbei oder Minze), es enthält hauptsächlich Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Cajeputöl aber auch Wacholderbeeröl und Gaultheriaöl.

4. MMS

Dazu gebe ich Euch Folgendes einfach weiter: „Auszug aus unserem Blogbeitrag: …Chlordioxid kann schon bei einer sehr geringen Konzentration von 3ppm (parts per million, Teile pro Million) Corona-Viren sicher abtöten, dies wurde in einer chinesischen Studie belegt. Es ist eine Studie von 2015 und mit den damals bekannten Corona-Viren. Aber! sie gehören zu demselben Stamm wie der aktuell mutierte Virus. Ja, die Studie hat nur bewiesen, dass Chlordioxid im Blut, Urin und Stuhl die Viren in vitro eliminieren konnte. Diese Erfolge waren in vitro also außerhalb des Körpers! Dennoch gibt es auch wissenschaftlich gesehen erheblich berechtigte Hoffnung, dass es helfen könnte. Jedenfalls scheint Chlordioxid ein sehr gutes Desinfektionsmittel gegen die Corona-Viren zu sein.“[2]

Zum Desinfizieren kann man es also gut nehmen (immer schön verdünnen, es ist stark bleichend) und ich selbst nehme es, wenn nötig, zur Wasseraufbereitung.

 

5. Esberitox

Bei all den möglichen Ansteckungsgefahren ist natürlich das Entscheidende, dass unsere körpereigene Abwehr gut ausgebildet ist! Und die kann man verbessern mit einer dreiwöchigen Kur (3 mal täglich 21 Tropfen Esberitox oder eben demenstprechende Lutschtabletten), es enthält Lebensbaum, Sonnenhut und Färberhülse[3]. Auch zur Verkürzung von bereits bestehenden Infekten geeignet.

6. Noch ein allgemeiner Auszug aus einem früheren Artikel dazu:

„ … und so kommen wir nicht nur mit Kälte und Nässe in Berührung, sondern  immer wieder auch mit Menschen, bei denen wir uns anstecken könnten, da sie niesen und schnauben und husten.

Wie kommt es nur, dass sich der eine ansteckt, der andere aber nicht? Und was können wir tun, damit wir zu den Gesunden gehören? Gerne hätte ich Ihnen an dieser Stelle eine ausführliche Antwort gegeben. Einen ganzes Buch gewissermaßen in drei Sätze gepackt. Es ist ein umfassendes Thema, dem ich jetzt nicht wirklich gerecht werde…

Eins aber möchte ich Ihnen dazu sagen: Wichtig ist die Stärkung unserer Lebenskraft! Unsere Vitalität entscheidet, wie wir einer ansteckenden Krankheit gegenüber stehen, schutzlos oder unantastbar. Und diese Vitalität haben wir alle selbst in der Hand! Wir selbst entscheiden über unser Wohl und Wehe! Denn unser tägliches Verhalten, wie wir mit unserem Körper und unserer Seele umgehen, schwächt uns oder stärkt uns. Haben Sie nicht auch schon ab und zu gedacht: „ Eigentlich sollte ich mich etwas mehr bewegen…Eigentlich sollte ich gesünder essen, also auf Gifte wie Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten verzichten, ja überhaupt etwas weniger essen und mehr Obst und Gemüse zu mir nehmen…Eigentlich sollte ich ein bisschen früher schlafen gehen…“ Wenn wir ganz ehrlich mit uns selbst sind, dann wissen wir dies genau! Aber wussten Sie auch, dass Ihre Lebensfreude einen sehr großen, wenn nicht den größten Anteil daran hat, dass sie gesund bleiben? Lachende Menschen, die aufrecht gehen, bleiben leichter gesund als hängende, maulende oder gar ängstliche. Das ist tausendfach bewiesen worden. Das sollten wir endlich in unser Gesundheitswissen und in unser Verhalten mit einbeziehen! Sie können Bakterien sehr wirksam eindämmen, indem Sie ätherische Öle im Raum verdampfen lassen. Aber Sie sollten auch wissen, dass jeder Parasit, egal ob Virus, Bakterium, Pilz oder Wurm sich nur an den gedeckten Tisch setzt. Ärger, schlechte Laune, Ängstlichkeit, dazu der Tröster Zucker, decken den Tisch perfekt.

Meine Bitte: Gehen Sie gut mit sich um! Sorgen sie für eine gesunde Basis, indem Sie sich bewegen, Spaziergänge unternehmen, Licht und Luft an sich heran lassen, Vitalstoffe mit Obst und Salaten zu sich nehmen. Aber vermeiden Sie auch Streß durch zuviel Arbeit, zuwenig Schlaf, zu enge Termine und gönnen Sie sich Ruhe für die Seele. Das geht auch bei einem Spaziergang! Und pflegen Sie eine gute Gedankenhygiene: Haltet Sie sich aus Streitereien heraus, Wählen sie bewusst aus, was Sie im Fernsehen sehen. Versuchen Sie ganz naiv immer wieder, das Gute zu entdecken und sich zu freuen, statt in Schlechtem zu verharren und darüber zu zetern. Wenn Sie Sorgen haben, denken Sie darüber nach, wie Sie heraus kommen, statt darüber, wie Sie herein gekommen sind. Kurz, beobachten Sie, wo Ihre Gedankenenergie hingeht und sorgen Sie dann dafür, dass Ihre Energie immer in Kanäle fließt, aus denen Gutes und Freude zurück kommt, dann wird es Ihnen natürlich auch gesundheitlich gut ergehen. Wählen Sie bewusst, gerade heute den Ärger und die Sorgen loszulassen und gerade heute Liebe und Freude einzulassen! Es kann Ihnen dabei nur besser ergehen – den ganzen Winter lang und im Sommer nützt es auch…“[4]

7. und hier ist noch einmal Tipps für eine Haus-/Reiseapotheke:

Präparat Symptome Dosierung
Aconitum D12 gegen Folgen von kaltem Wind, z.B. plötzliches, hohes Fieber
“ … wie angeflogen ….“
stündlich 5 – 10 Globoli
Belladonna D12 Folgemittel von Aconitum nach 1-2 Tagen Aconitum
5 x täglich 5 – 10 Globoli
Nux Vomica D12 Folgen von Giften (Alkohol, Tabletten, Zucker),
von Übermüdung, Stress, Ärger – das Manager – Mittel
5 x täglich 5 Globoli
Arnica D12 Folgen von Gewaltanwendung (Sturz, Stoß, OP)
Traumeel von Heel beinhaltet Aconitum und Arnica, somit ideal für unterwegs
Rhus tox D12 Folgen von feuchter Kälte oder kalter Nässe (z.B. kalte Füße geholt; verkühlt nach Schwitzen oder dem Bad)
gut bei Rückenbeschwerden
Esberitox
von Schaper und Brümmer
gegen grippale Infekte, bringt die Ab…  Hoch,
auch gegen Herpes (Sonnenreaktion)
Notakehl D5 Tropfen
von Sanum+ Kohlbach
gegen Bakterien, erkennbar an gelblichen oder grünlichem Eiter bzw Schnupfen
Quentakehl D5 gegen Viren, Schnupfen ist klar, Kopfschmerzen im Nacken, bei Grippe
Sanukehl Salm D6 Tropfen gestern auswärts gegessen, heute Durchfall 3-5 x täglich, 2 – 5 Tropfen, je nach Alter
Sanakehl Brucel D6 Tropfen Insektenstich od. Zeckenbiß (hat roten Hof, der sich auch nach 2-3 Tagen nicht reduziert) 3-5 x täglich, 2 – 5 Tropfen, je nach Alter
Pefrakehl D5 Tropfen Blähungen, besonders nach Süßem (=Pilze im Darmbereich) 3-5 x täglich, 2 – 5 Tropfen, je nach Alter
Lavendelöl, pur 100% od. mind. 10% von Wala wirkt desinfizierend,
auf Insektenstiche,
als Schutz wenn andere herum niesen,
auf Stellen mit Pilzbefall u.a. gegen Juckreiz, auch gegen Pilze selbst.
befallene Stellen einreiben, bzw. unter die Nase gegen Schnupfen
Teebaumöl wer kein Lavendelöl mag; wie Lavendelöl anwenden
Apis Homaccord von Heel gegen jede Art von Entzündungen (Hitze, Röte, Schwellung, Schmerz) stündlich, wenn akut auch die Nacht über
5 – 15 Tropfen einnehmen

 

8. Und hier noch ein Rezept, falls Ihr irgendwann, irgendeine Krankheit bekommt, selbst wenn Ihr sie nicht kennt:

Potenziertes Eigenblut

Zutaten:

11 kleine Fläschchen (10ml)

1 Lanzette

1 Pipette

¼. Liter 30%igen Weingeist

 

Zubereitung:

In jedes Fläschchen 99 Tropfen Weingeist abzählen. Das Ohrläppchen gut kneten, dann desinfizieren, dann mit der Lanzette anpieksen. Den ersten Tropfen Blut abwischen, den zweiten satt in die 1. Flasche fallen lassen.

100x schütteln mit guten Gedanken. Dies ist eine homöopathische C1 Potenz.

Daraus einen Tropfen in die 2. Flasche geben. 100x schütteln mit guten Gedanken = C2

Daraus einen Tropfen in die 3. Flasche geben, 100x schütteln mit guten Gedanken = C3

Usw. bis zur 11. Flasche

 

Einnahme:

  1. Tag: 10 Tropfen ( bei kleinen Kindern weniger) von der C5 (bei ganz zarten Gemütern oder sehr heftiger Erkrankung fangen wir mit einer C7 an) auf die Zunge geben, abends eine halbe Stunde nach dem Zähneputzen (Zähneputzen ohne Menthol oder Pfefferminze!), direkt vor dem Ins-Bett-gehen.
  2. Tag: Pause
  3. Tag: 10 Tropfen C7
  4. Tag Pause
  5. Tag C9
  6. Tag Pause
  7. Tag C11

1 Woche Pause

Wieder C11

2 Wochen Pause

Und noch einmal C11

Erklärung:

Im Blut ist alles enthalten, auch die krankmachenden Erreger oder das Allergen, oder die Giftstoffe etc. Durch das Potenzieren dreht sich die Wirkung dieser Stoffe um und wirkt genau entgegengesetzt. So ist es in der Homöopathie (Kaffee wirkt z.B. anregend, das potenzierte Coffea aber beruhigend). Wir stellen also ein persönliches Gegengift her, wenn wir unser Blut potenzieren.

Auch hier muß man mit Reinigungsreaktionen und sogenannten Erstverschlimmerungen rechnen. Sie gehören dazu und zeigen, dass der Körper mitarbeitet.

So, das alles zur Auffrischung und für Eure Gesundheit in diesem besonderen März 2020.

 

Herzliche Grüße

Cornelia Cornels-Selke

[1] Zitat: Cornels-Selke, Cornelia, „Die Welt ist schön“, Buchholz, 2013, S. 25f.

[2] Studie/Quelle: Wang XW, L. J. (06 2015). Study on the resistance of severe acute respiratory syndrome-associated coronavirus. (U. N. National Center for Biotechnology Information, Herausgeber) doi:10.1016/j.jviromet.2005.02.005.  Mögliche Bezugsquelle unter Wasseraufbereiter / Chlordioxid:  https://www.vitalundfitmit100.de/  ,10.03.2020.

[3] Beipackzettel: https://www.esberitox.de/fileadmin/info/esberitox/Gebrauchsinformationen_Esberitox_Tabletten.pdf ,10.03.2020.

[4] Zitat: Cornels-Selke, „Die Welt…“, S.21f.

Fastenzeit – Predigt zu Joh.2,13-22

Predigttext:

13 Und das Passa der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.

14 Und er fand die Verkäufer von Ochsen, Schafen und Tauben und die Wechsler im Tempel sitzen.

15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb alle aus dem Tempel hinaus, die Schafe wie die Ochsen, und den Wechslern schüttete er das Geld aus und stieß ihnen die Tische um,

16 und zu den Taubenverkäufern sprach er: Traget das von hier weg; machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!

17 Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: “Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“

18. Da begannen die Juden und sagten zu ihm: Was für Zeichen weisest Du uns dafür auf, dass Du dies tun darfst?

19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn wiedererstehen lassen.“

20 Die Juden sagten nun: In 46 Jahren ist dieser Tempel gebaut worden, und DU willst ihn in drei Tagen wiedererstehen lassen?

21 Er aber sprach vom Tempel seines Leibes.

22 Als er nun von den Toten auferweckt worden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Worte, das Jesus gesprochen hatte.

Kanzelgruß:

Ihr seid der Tempel und der Geist Gottes wohnt in Euch (1. Kor.3,16)

Liebe Gemeinde

gerade haben wir im Predigttext einen kurzen Blick auf den historischen Jesus werfen können: Ein junger Mann von grob 30 Jahren, der in heiligem Zorn im damaligen Tempel zu Jerusalem ein deutliches Zeichen setzt, indem er da Tische umwirft.

Alle Evangelisten berichten von diesem Ereignis, es war eine wichtige Zäsur im Leben und in der Lehre Jesu. Und der Evangelist, den wir Johannes nennen, hat hier zwei verschiedene Texte, nämlich die Tempelaktion und das Tempelwort, zusammen gestellt. Die Bedeutung, die durch diese Zusammenstellung entsteht, können wir gleich betrachten. Lassen Sie uns kurz auf die Hintergründe schauen.

So merkwürdig uns dies erscheinen mag, dass in einer Kirche, sagen wir einmal in dieser hier, Tiere verkauft werden und Geld gewechselt wird, so normal war es damals im Jerusalemer Tempel. Die Tempelsteuer musste in einer bestimmten, nur im Tempel gültigen, Währung abgegeben, also vorher eingetauscht, werden. Außerdem stieg täglich der Rauch der Brandopfer vom Tempel gen Himmel auf und sollte eine Verbindung zu Gott darstellen. Dafür wurden die Tiere gebraucht. Es war also ein ganz anderer Brauch und Kult als bei uns heute, aber er gehörte doch zum damaligen Leben und zum Tempelalltag. Zu den täglichen Brandopfern kamen noch die am Sabbat und natürlich die besonderen z.B. am Passafest. Zu diesen Hochtagen sollten theoretisch auch alle Israeliten im Tempel persönlich erscheinen. Das gelang natürlich nicht in vollem Umfang, dennoch sind in den Zeiten der Feiertage große Pilgerströme in Jerusalem erschienen. Es war ein riesiges Fest.

Genau darum war dieser Tempel nicht nur das religiöse, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum der damaligen jüdischen Welt.

Können Sie sich vorstellen, dass so eine krasse Aktion, wie die von Jesus von Nazareth, an diesem exponierten Ort, zu solch einer Festzeit Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte? Und das dies Folgen hatte? Ganz bestimmt.

Schauen wir uns noch einmal an, was im Johannesevangelium geschieht:

Es naht das Passafest und Jesus zieht, wie viele, viele andere auch, nach Jerusalem.

Bei Johannes geschieht dies gleich am Anfang von Jesu Lehrtätigkeit, dieser wird den Tempel auch noch mehrfach aufsuchen. Der Tempel ist ihm also wertvoll.

Aber was fand er vor bei diesem ersten Besuch?

„… er fand die Verkäufer von Ochsen, Schafen und Tauben und die Wechsler im Tempel sitzen“.

Gerade eben habe ich erzählt, wie normal das damals war. Auch Jesus wird es vor seinem Besuch gekannt oder längst davon gewusst haben, dass nicht nur um den Tempel herum, sondern auch im Tempel dieser übliche Handel getrieben wurde. Doch im Text müssen wir erkennen, dass es für ihn anscheinend etwas ganz und gar nicht-Normales war. Und auch nicht akzeptabel!

Dass der Gottestempel nicht vor allem das religiöse, sondern anscheinend hauptsächlich das wirtschaftliche Zentrum war, wir würden heute sagen, zum „Konsumtempel“ verkam, das war Jesus bei seinem Kommen überdeutlich und ein Dorn im Auge. Hier waren die Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt. Dieses Treiben war nur noch äußerliche Hülle, völlig entleert, eine Maschinerie. Der höhere Sinn, der höchste Plan verlorengegangen. Hier das Reich Gottes finden? Und es erfasste ihn ein heiliger Zorn, der ihn zu einer prophetischen Zeichenhandlung trieb.

Als Pilger musste man sich vor dem Passafest selbst reinigen, an dieser Stelle wird von Jesus der Tempel symbolisch gereinigt. Und wie!

Der Evangelist Johannes berichtet gar, dass er sich eine Geißel aus Stricken macht und die Tiere damit aus dem Tempel treibt, dass er das Geld der Wechsler ausschüttet und außerdem die Tische umwirft.

Tische umstoßen als Reinigung? Man könnte dieses Umstürzen der Tische etc. auch schärfer bewerten. Doch es wird deutlich, dass der Tempel ein entscheidender Ort für Jesus ist, „das Haus meines Vaters“, und dass er, nicht trotzdem, sondern genau deshalb, seine deutlichen Zeichen an diesem achtbaren Ort setzt. Das Haus Gottes ist ihm wichtig!

„Machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!“

Jesus ist ein Eiferer für das Haus Gottes.

“Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“

Hören wir die Drohung in diesem Satz?

Die Jünger erinnern sich an Psalm 62, jetzt oder in späterer Situation, das bleibt offen.

Doch von dieser Stelle an verschränkt der Evangelist die Handlungen im Tempel mit zukünftigem Geschehen.

Nun kommen erst einmal die umstehenden Gläubigen und fragen ihn, welche Zeichen ihn wohl zu dieser Aktion berechtigten.

Eine Frage, die er mit einem prophetischen Wort, dem Tempelwort, beantwortet.

Jesus sagt: „Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn wiedererstehen lassen.“

Er wird im Text von den Umstehenden nicht verstanden, aber die nötige Deutung für uns ist durch den Evangelisten mitgegeben:

Er aber sprach vom Tempel seines Leibes.

Nur bei Johannes finden wir diese Kombination von Tempelaktion und Tempelwort und nur bei ihm mit diesem Wortlaut. Denn er scheint beides in direktem Zusammenhang zu sehen, und den späteren Lesern und Hörern, also auch uns, durch die Zusammenstellung verdeutlichen zu wollen.

Jesus sieht das Kommende, ja, er scheint es herauszufordern: „Brechet diesen Tempel ab“ so fordert er die anderen auf. Aber er wird der Wiederaufbauende sein. Verurteilung, Tod und Auferstehung, dies sind die Zeichen, die allerdings erst noch kommen werden. Sie legitimieren im Nachhinein seine Aktion im Tempel.

Die Jünger erinnern sich später und sie erkennen die Wahrheit, ihnen dient es später zum Glauben an die heilige Schrift und Jesu Wort.

Wir sind mit dieser Aussage über den Tempel seines Leibes und den Sätzen danach nicht mehr im Geschehen der Tempelreinigung, wir schauen nur noch, gemeinsam mit den Jüngern, darauf, denn der Text von Johannes stellt die, für ihn anscheinend erkennbare, Ursache, die Tempelreinigung, mit Jesu Tod und Auferstehung im Text stark verzahnt zueinander: Der Eifer, der verzehren wird, führt zu dem, als Folge gedeuteten, Abriss und Neubau des Leibes Jesu Christi.

  • Wir erleben also hier im Johannesevangelium eine Deutung der Tempelaktion als Initialzündung der ganzen weiter ablaufenden Lebens-, Passions- und Auferstehungsgeschichte Jesu Christi.

  • Andersherum sind dies die „aufzuweisenden Zeichen“, die Legitimation, für Jesu Handeln im Tempel.

  • Und für seine Botschaft, die er uns herausgestellt an dieser Stelle gibt: „Machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!“

Ja, diese krasse Aktion von Jesus von Nazareth an diesem exponierten Ort hat Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Noch heute wird davon berichtet. Da erleben wir einen streitbaren Jesus, so gar nicht weichgespült. Denn seine Botschaft war ihm wichtiger als sein Leben. Die Tempelaktion/Tempelreinigung war bedeutsam, in ihrem Sinn und in Bezug auf ihre immensen Folgen für sein Leben.

Schauen wir einmal auf die Zeit, als das Johannes Evangelium verschriftlicht wurde.

Wir erinnern uns vielleicht, der Jerusalemer Tempel war damals gar nicht mehr existent und stand somit weder für Juden noch für die inzwischen existierenden Christen zur Verfügung. Das Fehlen dieses Kultortes war für die jüdische Glaubenswelt sicherlich schrecklich und musste erst zu neuen Wegen der Glaubensausübung führen.

Doch für den neueren Glauben der entstehenden Christen, die sich nicht mehr mit dem Tempel verbunden fühlten, öffnete sich vielleicht sogar Raum für ihre Religiosität, deren Ausübung ihnen im damaligen Tempel gar nicht wirklich möglich gewesen wäre. Denn Jesus, im Gegensatz zum Tempel, war wieder auferstanden. Für den Evangelisten Johannes scheint dies ein Zeichen zu sein, wo es Zukunft für den Glauben gibt.

Und so kommt er vom historischen Jesus und seiner historischen Tat zu einer symbolischen Aussage. Durch Johannes werden wir in Gedanken zum Tempel des Leibes geführt. Und hier empfand Johannes die Aussage Jesu Christi „Machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!“ anscheinend ebenso überaus wichtig, wie sie damals zu der Zeit Jesu Christi war.

Wie ist es heute? Gilt das noch für uns? Können wir hier und heute auch noch etwas anfangen mit diesem vehementen Ausspruch Jesu?

Ihr seid der Tempel und der Geist Gottes wohnt in Euch“ (1. Kor.3,16), so schreibt Paulus, noch bevor das Johannesevangelium geschrieben wurde,1 an die Korinther und gibt uns eine mögliche Deutung, die uns auch für das Verstehen dieser Stelle, dieser Botschaft bei Johannes dienen kann:

Auch wir sind der Tempel Gottes und der Geist Gottes wohnt auch in uns. Und nicht nur im Menschen, wie wir manchmal egozentrisch meinen könnten, sondern in der gesamten Schöpfung, in jedem Lebewesen, in der Natur, in dieser Erde, in diesem Weltall. Wir alle sind die Schöpfung. Vor diesem Hintergrund lassen Sie uns den Ausruf Jesu Christi verstehen. „Machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!“ Denn es ist wieder nötig: Es ist hochaktuell.

Wir brauchen nicht weit zu schauen, um leider genau diese Entwicklung rings um uns herum zu entdecken. Alles wird ausverkauft. Und jetzt, wo von den Kindern dieser Erde angemahnt wird, wir ließen nichts übrig von der Erde und ihren Schätzen und ihrer Schönheit und produzierten auf der anderen Seite aberwitzige Mengen von Müll, wird der Ausverkauf noch intensiviert. Schnell noch, bevor neue Gesetze entstehen, die gesamte Produktion, den Abbau seltener Erden, die Müllverklappung steigern, schnell noch Gewinne einfahren, Dinge, die mit Ende der Garantiezeit Schrott sind, an Ahnungslose verkaufen. Schnell ein bisschen Greenwashing für schlimm produzierte T-Shirts betreiben. Schnell ein paar falsche Studien unter die Leute bringen.

Ja, da würde uns, wenn wir tatsächlich alles wüssten, was unter der Hand getrieben wird, auch ein heiliger Zorn ergreifen.

Liebe Gemeinde.

Ich bin nicht ohne Vertrauen. Es gibt einen höchsten Plan, davon bin ich überzeugt. Es gibt ihn für jeden von uns, für Sie und für mich, es gibt ihn für diese Welt.

Lassen Sie uns einmal in unseren eigenen Tempel gehen und da für Klarheit sorgen, wieder Platz machen für den höchsten Plan. Weg mit allem leeren Geklapper. Und dann lassen Sie uns gemeinsam den höchsten Plan für den Tempel um uns herum, diesen wundervollen, blauen Planeten verfolgen. Sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland, wie auch die katholische, positionieren sich klar zum Umwelt- und Klimaschutz und betonen die Wichtigkeit. Lassen Sie uns nun gemeinsam aktiv werden.

Damit sie erhalten bleibt, diese schöne Erde. Damit sie erhalten bleibt, diese lebendige Natur.

Lassen Sie uns auf das Wort Jesu Christi hören bei unseren Taten. Und dann können wir darauf vertrauen, dass wir höchste Unterstützung haben, denn dann sind wir Teil des Plans.

Ich bin sicher, dass ein jeder / eine jede in dieser Welt, auf dieser Erde ein gutes Leben führen darf und soll.

Lassen Sie uns ein wahrhaft gutes Leben führen in diesem Tempel. Lassen Sie uns, statt Teil des Problems zu sein, Teil der Lösung werden. Das Reich Gottes kann kommen, das wir immer erbitten, aber wollen wir da nicht mithelfen? Lassen Sie uns heute beginnen. Lassen Sie uns miteinander ein Segen sein.

Kanzelsegen:

Ich will Euch segnen, Ihr sollt ein Segen sein. (Gen.12,2)

Wohin treibt der Protestantismus? – Auszug aus einer Seminararbeit

  1. Vorwort

Ich tauche mit dieser Hausarbeit über die Frage „Wohin treibt der Protestantismus?“ in sehr breit gefächerte Quellen, die für manches Seitenthema Material bereithalten würden. Jeden einzelnen Punkt hätte ich weiter und weiter vertiefen können und an mancher Stelle war ich versucht, dies zu tun. Die Grundlage meiner Arbeit, die fünf KMU-Befragungen, von denen ich im Folgenden die erste und die bisher letzte herausgegriffen habe, liefert sehr viel Stoff, um beispielsweise ein Referat, ein Seminar oder auch ein ganzes Buch über jede einzelne Erhebung zu schreiben. Z.B. hätte man sich für eine vertiefende Analyse der Ausgangslage stärker über die allererste Erhebung auslassen können, wie es in den Siebziger Jahren im Kirchenumfeld aussah und wie sich dies auf diese ersten Zahlen ausgewirkt hat (in der Retrospektive blickt man anders auf diesen Zeitraum, als man es damals hätte tun können). Es wären ein Referat, ein Seminar, ein Buch denkbar zu der Veränderung der jeweils vorgegebenen Antworten und genauso zu jeder Interpretation der Untersuchungen. Hier soll es wirklich um die Entwicklung/den Vergleich von 1972 und 2012 gehen, um von da aus schließen zu können. Dies hat meinen Blick auf die zu sichtenden Tabellen beeinflusst. Ich bitte zu entschuldigen, wenn ich mich insofern durch dieses weitläufige Thema nur sehr stichprobenartig hindurcharbeite, wenn auch möglichst ohne Scheuklappen gegenüber den auftauchenden Randthemen. Ich wäre froh, wenn meine Hausarbeit dazu anregt, selbst in die genannten Primärquellen zu schauen, um eine eigene Perspektive zu erlangen, und wenn sie außerdem dazu anregen könnte, grundsätzlich in Primärquellen zu schauen, statt sich auf die Behauptungen und Kommentare anderer Menschen, die Presse und Institutionen zu verlassen bzw. sich mit seiner Meinung an sie anzulehnen.

  1. Einleitung

Seit 1972 führt die evangelische Kirche im zehnjährigen Rhythmus großangelegte Studien bei ihren Kirchenmitgliedern durch. Sie möchte damit ein realistisches und differenziertes Bild – und zwar aus der Sicht der Mitglieder – von sich selbst erhalten. So sagt sie es in eigenen Worten in ihren Besprechungen über die Befragung.1

Seit 1992 werden die repräsentativen Untersuchungen und Befragungen außerdem auf Konfessionslose ausgedehnt.2 Dieses vertiefte Interesse rührt sicherlich daher, dass die Kirche auch außerhalb ihres Mitgliederkreises Informationen z.B. über den Glauben im Allgemeinen sammeln will. Es sind außerdem ehemalige Mitglieder, die die Kirche verlassen haben, in dieser neuen Gruppe zu finden. Man könnte hier also beispielsweise ergründen, warum sie ausgetreten sind. Ganz bestimmt auch sollen spätere praktische Entscheidungen der Kirche durch die Untersuchungen auf breiter Basis vorbereitet sein. Und die Ev. Kirche selbst sagt dazu, sie fühle sich durchaus verantwortlich für alle Menschen.3 Es scheint mir ein tieferes Interesse an dieser Gruppe zu bestehen, als ein bloßes „Über-den-Tellerrand-blicken“.

Hier vorliegend sind die allererste Untersuchung von 19724 unter dem Titel „Wie stabil ist die Kirche?“ und die neueste von 20125, die 2014 als Broschüre „Engagement und Indifferenz – Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis, V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft“ vorgelegt wurde. Hauptsächlich an diese beiden Untersuchungen halte ich mich bei meiner Arbeit, um den Bogen von der ersten bis zur vorläufig aktuellsten Untersuchung zu schlagen, obwohl in den Grafiken auch immer wieder andere Jahre dazwischen erscheinen, welche den Blick abrunden können.

Zu der letzten KMU gibt es außerdem seit 2015 von der EKD eine Aufarbeitung aus dem Gütersloher Verlagshaus mit dem Titel „Vernetzte Vielfalt“, die im Vergleich zu der 132-seitigen Präsentation der Ergebnisse 656 Seiten stark ist und nun diese Ergebnisse interpretiert.6

Als Einstimmung auf ein früheres Referat von mir zu diesem Thema, hatte ich zunächst im Internet nach Meldungen über die KMU geschaut. Dabei bin ich auf eine Meldung von „N24“ (zum Nachlesen siehe bitte im Anhang unter Punkt 9.3) und eine von „Die Welt“ gestoßen.7 Dies waren also die Meldungen, die die Suchmaschine8 als erstes hervorholte. Ihre jeweilige Deutung war sehr politisch ausgerichtet (schon im ersten Absatz erwähnt z.B. Matthias Kamann von der Zeitung „Die Welt“ die rot-grüne Politik9). Beide Artikel sehen die Entwicklung der Evangelischen Kirche überaus kritisch und somit großen Veränderungsbedarf für die EKD. Um noch einen anderen Eindruck bei meinem ersten Einstieg zu bekommen, las ich außerdem auf der Seite der EKD die dortige Pressemitteilung, die allerdings recht knapp gehalten war.10 Mit dieser Vorbereitung ging ich dann an die Primärquellen.

Ich muss vorab dazu sagen, dass das Lesen der Sekundärquellen für das Verstehen der Primärquellen, also der Zahlen selbst, kaum hilfreich war. Es wollte mir sozusagen den eigenen Blick verstellen. Andererseits machte es mir deutlich, nachdem ich dennoch einen eigenen Blick entwickelt hatte, wie schnell die Zahlen, je nach Ansatz des Interpreten, in äußerst unterschiedliche Interpretationen eingefügt werden können. Wenn ein Leser der allgemeinen Nachrichten es nicht schafft, sich vom Gelesenen soweit zu distanzieren, dass er einen kritischen Überblick behält, sind seine Meinung und sein Bild schnell durch das jeweilige Medium vorgeformt.

Dementsprechend werde ich im Anschluss an die Arbeit mit den Primärquellen und vor meiner eigenen Deutung zwei Artikel näher beschauen.

……..

………. (die ganze Arbeit kann gerne angefordert werden)…..

…….

  1. Eigene Überlegungen

Nachdem ich erstens die Untersuchungen beschaut, dann die Tabellen stichprobenartig1 und dann zwei Deutungen von Vertretern mit durchaus verschiedenem Hintergrund betrachtet und kommentiert habe, möchte ich nun ein paar eigene Wahrnehmungen zu der V. KMU und dem Wandel zwischen der ersten und dieser vorerst letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung von 2012 schreiben.Die Kirche ist also erkennbar ein Teil der heutigen Gesellschaft mit all den selben „ups and downs“.

Wir sehen im Wandel der Zeiten durchaus manchen Wechsel der Verbundenheit der Menschen zu ihrer Kirche, doch ist dies ein normales Wellenbild, welches wir quasi bei allen natürlichen Entwicklungen finden.4 Zur Zeit ist in den Tabellen, wie bereits erwähnt, im Vergleich zu 1972 eher die Tendenz zu einer stärker verbundenen Mitgliedschaft zu entdecken (siehe dazu Punkt 4.3).

Da dies in all den bisher genannten und bereits auch wiederholten Zwischenfazits deutlich wird, sehe ich, anders als die beiden vorher besprochenen Autoren, in dem Blick der Mitglieder auf ihre Kirche, ihrer Haltung zum Verbleib in der Kirche einen eher positiven Trend („Die Abnahme der absoluten Zahlen der Kirchenmitglieder hat also vorrangig mit dem demografischen Wandel zu tun.“ (siehe 3.2), „Im Vergleich zu 1972 haben wir 2012 ein stabileres Verbundenheitsgefühl.“ (siehe Punkt 4.3), „Auch 2012 möchte man, als Kirchenmitglied wie tatsächlich auch noch als konfessionslose Person, eine breite Fächerung der Aufgaben verfolgt sehen, ganz ähnlich wie 1972, teilweise sogar noch stärker.“ (siehe Punkt 4.5), „Ob man an Kirchenaustritt denke, wird 2012 also ca. doppelt so häufig wie 1972 mit einem Kopfschütteln beantwortet.“ (Siehe 4.6), etc. etc.).

Doch neben all diesem, was die letzten Seiten gefüllt hat, dieser Thematik über die Tendenzen der Mitgliederzahlen fort von der Kirche oder hin zu der Kirche, finde ich ein ganz anderes Phänomen in diesen Untersuchungen und dieses entdecke ich in den Fragen zum Blick in die Zukunft (siehe dazu Punkt 4.7). Wir kommen damit fort von dem Sprechen über die Quantität zu Gedanken über die Qualität der Kirchenmitglieder. Wir erinnern uns: „Kurzes Fazit: Die evangelischen Kirchenmitglieder haben sowohl Institutionen wie auch anderen Menschen gegenüber Vertrauen, in differenzierter Form, dies hat sich wahrscheinlich nicht wesentlich geändert gegenüber 1972. Im Vergleich zu den Konfessionslosen ist ein höheres Vertrauen zu beobachten, grundsätzlich und auch im speziellen. Wir entdecken, dass Mitglieder der evangelischen Kirche auch anderen Religionen gegenüber offener sind als die Konfessionslosen, dass Kirchenzughörigkeit bei der Evangelischen Kirche grundsätzlich also nicht dazu führt, dass man hier gegen andere Religionen ist, sondern mit der religiösen Vielfalt sogar besser zurecht kommt, also toleranter sein kann.“

Mit anderen Worten, ein Mensch, der glaubt, hat grundsätzlich mehr Vertrauen.5 Wenn man es so nebeneinander liest, klingt es sofort auch logisch. Doch hätte man, auch ein konfessionsloser Mensch selbst, vielleicht nicht von vornherein geglaubt, dass sowohl der Blick in die Zukunft, wie das Vertrauen in Institutionen, wie das Vertrauen in sowohl fremde wie bekannte Menschen jeglicher Konfessionen bei den Mitgliedern der Evangelischen Kirche höher ist, als bei den Konfessionslosen. Und dass anscheinend auch und genau dadurch bei ihnen ein höheres Engagement zu finden ist, was man heutzutage anerkennend Sozialkapital nennt. Kurze Erinnerung (siehe Punkt 4.8): „… können wir bei einem groben rechnerischen Überschlag folgendes Zwischenfazit abgeben: 1972 war das kirchliche Engagement der damaligen Kirchenmitglieder erheblich geringer und deren Vereinsengagement etwas geringer als 2012. 2012 war von den evangelischen Bürgern West- und Ostdeutschlands grob fast jeder Dritte in der Kirche engagiert. Die Kirchenmitglieder waren außerdem in nichtkirchlichen Organisationen engagiert und zwar grundsätzlich etwas mehr als Konfessionslose.

Und es hat eine gewisse Logik, dass Menschen mit einer gehörigen Portion Vertrauen, in andere Menschen, Institutionen und in die Zukunft, sich gerne engagieren. „No Future“ ist woanders, hier arbeitet die Meinung, es werde gelingen, also lohnt es sich, etwas zu tun“ (Punkt 4.8).

Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger und auch hoffnungsgebender Befund: Wir haben mit den Mitgliedern der Evangelischen Kirche Menschen vor uns, die anscheinend ein festeres Fundament besitzen als andere, woraus sie mehr Vertrauen schöpfen (auch wenn die anderen das nicht ahnen) und die sich daraufhin mehr trauen, sich zu engagieren (sowohl in der Kirche wie in Vereinen etc.), deshalb echte Stützen für die Gesellschaft sind, woraus sich wiederum erwartungsgemäß eine bessere Zukunft entwickeln kann und somit wiederum ein positiver Blick in die Zukunft möglich ist. Sie haben damit gewissermaßen eine Spirale nach oben, zu einem guten Gelingen, entwickelt und nehmen, durch ihr Engagement in Zusammenschlüssen und Organisationen, andere auf dem Weg mit. Wir sehen hier einmal mehr, dass gläubige Menschen kaum lebensabgewandt (gewissermaßen heilig vor sich hin murmelnd) sind, sondern besonders anpackende Mitglieder der Gesellschaft.

Wenn wir also einmal zum Abschluss aller Betrachtungen der Qualität der befragten Kirchenmitglieder Raum geben, dann kommt man zu dem Schluss: Mit solchen Menschen kommt man erwartungsgemäß auch leichter durch turbulente Zeiten, was den Blick auf die Zukunft der Kirche durchaus entspannen kann. „Wohin treibt der Protestantismus?“, diese Frage lässt sich mit solchen Mitgliedern, die ihn gar nicht treiben lassen, sondern jeweils selbst bei einem guten Aufbau der Zukunft mithelfen, positiv beantworten: „In eine gute, lebendige Zukunft.“

1Anm.: Wie erwähnt, habe ich mich durch dieses weitläufige Thema nur sehr stichprobenartig hindurchgearbeitet. Sicherlich könnte man mehr und mehr untermauern. Jede einzelne Tabelle zu beschauen und zu beschreiben, hätte aber den Rahmen der Arbeit deutlich gesprengt.

2 Vgl.: Lohmann und Vilain 1.

3 Vgl.: Vilain 2, S.2f.

4 Vgl.: Isle Royale, Anm.: Zur Wellenbewegung in natürlichen Vorgängen vergleichen Sie bitte das 50 Jahre andauernde Projekt, das Gleichgewicht von Moose und Wölfen zu beobachten und zu dokumentieren, statt einzugreifen, auf der Isle Royale im Lake Superior in Michigan, USA, Isle Royale.

5Anm.: Auch ich setze hier zur Verdeutlichung kurzfristig Zugehörigkeit zu der Evangelischen Kirche gleich mit Glaube. Dazu ist anzumerken, dass wir bei den Konfessionslosen natürlich auch Menschen mit ähnlichem hohem Vertrauen finden, wie bei den befragten Kirchenmitgliedern. Sie können auch gläubig sein oder sie werden andere Wertekonzepte für ihr Leben haben, die sie ähnlich sicher tragen und vertrauen lassen. Es sind halt weniger Menschen bei den Konfessionslosen, die derartig vertrauen, als bei den Mitgliedern.

1Vgl.: KMU 2012, Schneider, Dr.h.c. Nicolaus, Bedford-Strohm, Prof.Dr. Heinrich, Jung, Dr. Volker; Vorwort, S. 2.

2Vgl.: Ebd., Einleitung, S. 4.

3Vgl.: Presse EKD/S, siehe Anlage Punkt 9.4.

4Vgl.: KMU 1972.

5Vgl.: KMU 2012.

6Vgl.: Vernetzte Vielfalt. Anm.: Dieses Buch habe ich nicht gekauft, sondern nur als PDF zur Verfügung gehabt (beide, die Broschüre im Druck und das Buch als PDF, habe ich netterweise von der EKD erhalten). Allerdings ließen sich aus dem Buch-PDF keine Kopien für diese Arbeit fertigen, da es stark schreibgeschützt ist, ich hätte höchstens Screenshots als Quelle mitgeben können, darauf habe ich (größtenteils) verzichtet. Daher findet sich im Anhang nur das Nötigste an Tabellen aus diesem Buch.

7Vgl.: Kamann, Welt. Anm.: „N24“ gehört zu „Die Welt“. Beide erwähnten Artikel wurden von Matthias Kamann geschrieben.

8Anm.: ich benutze Ecosia.

9Anm.1: Das genaue Zitat: Kamann, Welt: „Der Stimmungstest brachte ein klares Ergebnis: Debatten über die Lage der Kirche und über nötige Reformen sind interessanter als rot-grüne Politik.“ Anm.2: Ich berücksichtige im Weiteren vorrangig den Artikel Kamann, N24, da sich dieser gezielt mit der KMU beschäftigt.

10Vgl.: Presse EKD/M.

 

Ob ich denn wohl an Wunder glaube?

Hauptkirche Sankt Michaelis –   „Der Michel

Brief vom 27. Dezember 2019

Ob ich denn wohl an Wunder glaube? Diese Frage stand neulich im Raum.

Und ich fing an zu überlegen und zu merken, dass ich tatsächlich nicht meine, ab uns zu ein oder auch mehrere Wunder erlebt zu haben.

Sondern, dass es bei mir eher so ist, dass ich quasi ständig und immerzu Wunder in Aktion sehe.

Ich sitze zum Beispiel mit meinen Kommilitonen in einem Seminar:

Wir sitzen da und jeder atmet. Neben mir und auch in mir Blasebälge permanent in Bewegung. Sauerstoff wird eingeatmet dadurch, dass Atemmuskeln die Lunge weiten und durch Sog die Luft in die Lunge einströmt. Dort sitzen kleine Bläschen, die den Sauerstoff aus der Luft aufnehmen und an eine andere Seite, nämlich ins Blut abgeben. Im Blut heftet sich der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen, die ihn irgendwohin in diesem riesigen Blutkreislauf bringen. Das Herz pumpt den Strom. In den Kapillaren löst sich der Sauerstoff von den Blutkörperchen und verabschiedet sich auch aus der Blutbahn und „krabbelt“, per Diffusion, genau dorthin, wo er von irgendeiner Zelle benötigt wird. Genau andersherum wird CO2 befördert. Dieser Stoff wird aus den Alveolen, das sind die kleinen Bläschen in der Lunge, zurück in die Außenwelt, ausgeatmet. Zusammen mit einem nicht verbrauchten Rest Sauerstoff.

Während die Zellen leben und der Körper mit dem Sauerstoff arbeitet, denken wir in unserem Seminar nicht darüber nach. Wir denken an andere Themen und diskutieren diese auch. Und obwohl der Raum gut isoliert ist, ist auch nach einer Stunde fleißigen Denkens und Atmens, der Sauerstoffgehalt nicht verbraucht. Er hat sich durch irgendwelche Ritzen und auch per Diffusion im Raum immer wieder aufgefüllt.

Wo kommt er her? Von Draußen. Tatsächlich, die frische Luft, die wir beim Lüften einlassen, entsteht da „draußen“, also, wenn da nicht gerade eine viel befahrene Straße vor dem Fenster ist, sondern auch Grün, lebendige Natur.

Über Jahrmillionen mussten die Pflanzen, die einzigen Lebewesen, die Sauerstoff herstellen, die Sauerstoffhülle um unseren Planeten aufbauen. Sie sind der Garant für unser Leben. Denn Tiere, Menschen (und auch alles, was der Mensch so an Gerätschaften hat, wie Autos und Industrie und Heizung) verbrauchen Sauerstoff und stellen nur CO2 und andere Gase her.

Wir teilen also in unserem Seminarraum die Atemluft miteinander. Was der eine ausatmet, atmet der andere ein, wenn wir die Fenster oder Türen öffnen, gibt es weiteren Austausch. In Wahrheit ist es immer noch dieselbe Luft, die auch Cäsar oder Napoleon eingeatmet haben, denn es ist in der Zwischenzeit kein Raumschiff gekommen und hat ein bisschen frische Luft auf unseren Planeten gepumpt. Die Pflanzen haben unsere ausgeatmeten Stoffe aufgenommen, gefiltert und in den ursprünglichen Sauerstoff zurück verwandelt. Es ist immer noch dieselbe Lufthülle um die Erde, allerdings gereinigt und gefiltert durch die Pflanzen.

Für mich ein Wunder nach dem anderen.

Da sitzen wir also und denken und lernen. Wo speichere ich diese Worte, diese Zusammenhänge? In Windungen, in Gewebeschlaufen, die wir Gehirn nennen. Das macht mich eigentlich fassungslos. Wie geht das? Das „Warum“ dahinter ist wiederum ein Extrathema…

Ich sitze in diesem Raum mit Studenten und Studentinnen aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands, ja der Welt. Wir sind achtzehn Menschen, dazu unsere zwei Professoren, wir alle sehen einen Sinn in unserer Zusammenkunft. Dabei haben wir ganz unterschiedliche Ursprünge und auch unterschiedliche Ziele. Aber hier haben wir etwas gemeinsam und sprechen intensiv darüber.

Sprechen – ich will gar nicht erst anfangen und den Sprechprozess im Körper, im Zusammenhang mit dem Gehirn erläutern… So vieles muss funktionieren, damit dies gelingt.

Und ich, wieso studiere ich eigentlich, wie ist es dazu gekommen? Eine irre Geschichte aus Begebenheiten, die schließlich dazu geführt haben.

Und dann Theologie. Die Studenten sitzen hier, weil sie alle Theologie studieren. Weil vor vielen Tausend Jahren Botschaften in die Welt gegangen sind, die uns immer noch beschäftigen. Die uns immer noch einen weiteren Blick auf die Welt geben, als der Verstand alleine es schaffen könnte, obwohl der so vieles kann. Die uns immer noch Hoffnung geben können und zu Höherem als zu reinem Arbeiten, Essen, Schlafen locken wollen.

Es entstehen Freundschaften zwischen den Studenten und Studentinnen. Irgendwie sitzen in diesem Raum nicht nur Menschen gleichgültig nebeneinander. Sie mögen sich, einige mehr, andere weniger. Sie beschenken einander zu Weihnachten. Sie backen Kekse füreinander und die Professoren in dieser Stunde. Sie machen ihre schönsten Rezepte wahr. Um andere zu erfreuen.

Für mich ein Wunder.

Für jeden wünschen wir am Ende der letzten Stunde vor Weihnachten Gutes, denn wir glauben, dass es für Jede/n Gutes geben kann. Wo jemand vor Weihnachten noch Schweres erlebt hat, versuchen wir zu trösten. Wir wollen, dass es wieder bergauf geht für ihn oder sie. Auch hier gute Wünsche.

Ich staune.

Und ich freue mich! Sosehr über jeden Tag, über die Möglichkeiten in dieser Welt (auch über die Möglichkeit, diese Welt soweit zu erkennen, dass wir sie erhalten können). Ich staune über die Liebe in all diesem Geschehen.

Seht Ihr das auch?

Wonder-ful World!

Bitte genießt, soweit es möglich ist, Euer Dasein. Nehmt die schönen Seiten wahr und an und verteilt immer weiter. Immer, immer weiter. Wir alle leben davon, wir Menschen, die Tiere, die Insekten, die Pflanzen, jede Zelle, die Erde selbst.

Eine wundervolle Zeit für Euch, heute und an jedem Tag. Vielleicht lasst Ihr noch etwas an Weihnachtsgefühlen lebendig bleiben und tragt sie mit ins neue Jahr. Wäre doch schön, wenn es noch etwas weihnachtlich weitergeht…

 

Cornelia Cornels-Selke

Eine Heilungsgeschichte

Lieber Freund, liebe Freundin.

 

Mitte Januar kam ein Herr zu mir in die Behandlung, der mich gar nicht benötigte. Er sah auch ausgesprochen gut, gesund und lebendig, aus. Dennoch war es ihm ein Bedürfnis gewesen zu kommen. Ich darf seine Geschichte erzählen. Sie hat mich sehr, sehr beeindruckt und natürlich habe ich sie innerhalb meiner Beratungen schon weiter gegeben. Heute aber möchte ich einmal für Euch alle Folgendes aufschreiben.

Er sagte: „Ich bin diesmal nur deshalb da, um Ihnen etwas erzählen zu können. Vielleicht geben Sie es weiter. Sie sagen doch immer, man solle sich auf seine Gefühle einlassen und dann dahinter schauen, was sie bedeuten und woher sie wirklich rühren, um dort aufzuräumen. Ich aber wusste um meine Erlebnisse und, ja, um meine Fehler und wollte da gar nicht mehr hinschauen. Ich wusste, ich hatte da etwas falsch gemacht, da war ich einfach blöd gewesen, das war nichts mehr zu ändern und fertig. Ich würde mich also ansonsten bemühen, ein guter Mensch zu sein, aber dies würde immer ein Makel bleiben, das ist nun mal so.“

Und dann hatte er einen Film gesehen, einen Zweiteiler, von einem Menschen, der sich in der Nachkriegszeit tapfer hochgearbeitet hatte, eine Biographie. Er fand den Protagonisten bewundernswert, wie dieser nichts hingenommen hatte, sondern weiter und weiter bei seinem Ziel geblieben war. Und deshalb sah er sich auch den zweiten Teil an, der an einem Dienstagabend stattfand. Am Mittwochabend lag er dann abends im Bett und dachte immer noch begeistert über denselben Film und dessen Hauptperson nach. Und dort, im Bett, eine Nacht später, wurde ihm plötzlich klar, dass der Protagonist (er hat mir nicht den Film oder den Namen dieser realen Person genannt, so wie ich nicht seinen Namen nenne) exakt genau denselben „Fehler“ gemacht hatte wie er selbst. Er konnte das erkennen, mit dem Unterschied, dass er dessen Tun bei sich als Fehler empfand und bei dem Menschen aus dem Zweiteiler als richtige Entscheidung, tatsächlich gut und empfehlenswert. Und jetzt im Bett konnte er zum ersten Mal auf sich selbst und sein Leben schauen und mit etwas Abstand, quasi wie auf einen Film schauend, entdecken, auch er hatte keinen Fehler gemacht, sondern komplett verständlich gehandelt.

„Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich konnte sofort überhaupt nicht mehr ans Schlafen denken. Ich war so unfassbar glücklich, nein, glückselig, dass ich doch kein schlechter Kerl war, wie ich immer von mir geglaubt hatte. Ich konnte mich von einem Augenblick auf den anderen plötzlich wieder selber lieben. Mir liefen Tränen der Erleichterung über die Wangen ins Kopfkissen. Endlich, zum ersten Mal seit bestimmt 25 Jahren, konnte ich mich wieder annehmen und mir selbst gute Worte sagen.“

Er berichtete, dass danach, in den letzten paar Wochen, sich alles, alles in seinem Leben zum Guten verändert hatte und was er für sich selbst erkannt hatte.

„Bisher hatte ich ja eine ganz schlechte Meinung von mir gehabt, wenn auch tief versteckt im Unterbewusstsein, und die anscheinend immer mit mir herum getragen, was höchstwahrscheinlich für alle anderen fühlbar war. Wahrscheinlich wurde ihnen übermittelt, dass ich keine Achtung vor mir habe und dass auch sie mich nicht achten müssen. Deshalb musste ich immer mehr liefern, mich immer mehr bemühen als andere und bekam evt. doch keine Bestätigung oder, bei einem Geschäft, keinen Zuschlag. Ich kam gewissermaßen in den Raum und jeder wusste, er muss mich nicht achten. Sogar meine engsten Freunde, meine Familie sagten immer wieder solche Sätze zu mir wie ‚was Du immer hast‛, ‚Du nun wieder‛, ‚was Du immer redest‛, ‚das glaubst Du doch selbst nicht‛, ‚das stimmt nicht‛, ‚das glaubt Dir keiner‛, ‚Quatsch‛, ‚Unsinn‛, ‚Deine komischen Ideen immer‛, ‚wo steht denn das?‛, ‚das ist nur eine Deiner Behauptungen‛ ,usw., usw.

Deshalb musste ich immer mehr kämpfen, immer mehr begründen, immer mehr beweisen, denn – und das lag ja im Argen – ich brauchte ja deren Liebe und Anerkennung, ich selbst gab sie mir ja nicht. Wenn Gutes in mein Leben kam, habe ich es immer irgendwie weiter verschenkt, abgewehrt, ‚ist ja nicht nötig‛ gesagt und, ja, Einnahmen nur dann erfolgreich erhalten, wenn sie wirklich schon nötig waren.

Und jetzt, jetzt, fange ich plötzlich wieder an zu glauben. Dass es einen Gott gibt und dass er mich liebt. Er war die ganze Zeit da und wollte sicherlich helfen, ich aber, in meiner Scham, hatte mich immer weggedreht. ‚Erst die anderen, dann darf ich, ich bin eigentlich, im tiefsten Innern, ein blöder Typ und habe das Gute nicht verdient‛. Jetzt fühle ich mich geliebt und gesehen und unterstützt und ich nehme es an. Ja, ich fange plötzlich an, das Gute anzunehmen, weil ich mich selbst achten und lieben kann. Ich komme in den Raum und es kommt ein achtenswerter Mensch in den Raum, die anderen merken das und gehen ganz anders mit mir um. Ich muss mir ihre Anerkennung nicht mehr erarbeiten oder verdienen. Ich bekomme sie gleich, weil sie einen achtenswerten Menschen in den Raum kommen sehen. Ich bin nicht mehr manipulierbar nach dem Motto: ‚wenn Du das tust, dann bist Du toll‛. Tatsächlich bemüht man sich jetzt um mich, statt wie immer vorher andersherum. Weil ich mich selbst achte und liebe, kann ich das auch annehmen. Ich kann auch verschenken, ganz ohne die Hoffnung dann endlich geliebt zu werden. Ich muss auch nicht kämpfen oder auftrumpfen, es ist alles ganz entspannt. Ich habe noch nie so gute Geschäfte gemacht wie seit meiner Erkenntnis. Vorher musste ich mich immer überarbeiten, sonst hatte ich ja nichts „verdient“. Meine Gesundheit litt, unter dem Stress und unter meinen „Belohnungen“, ich musste mich bei soviel Arbeit ja trösten mit zuviel Kaffee, zuviel Wein, zuviel Süßem, zuviel Essen überhaupt. Jetzt: Es geht mir einfach gut. Ich muss mich nicht mehr trösten, lebe viel gesünder: Ein Knoten im linken Brustbereich ist weg, meine Krampfadern im linken Bein tun nicht mehr weh, mein Ohrklingen ist quasi stumm, ich habe keine Kopfschmerzen mehr. Ich glaube wieder, dass die Welt sich zum Guten wenden kann, ich sehe wieder Möglichkeiten und sie sind auch tatsächlich da und voller Geschenke für mich. Ich hatte noch nie soviel Urlaub, noch nie war er so vielfältig und günstig – oder ich sehe das jetzt erst richtig. Ich darf mich freuen. Ich kann mich freuen.

Also: Weil ich mir vergeben konnte, weil ich mich wieder liebe, bin ich glücklich, einfach so, habe ich alles, was ich brauche, „brauche“ die anderen nicht mehr, muss weniger arbeiten, um andere zu befriedigen, bin nicht mehr manipulierbar, muss mich weniger trösten, bin gesund, habe eine ganz andere Ausstrahlung, mehr Erfolg. Das alles wird mir geschenkt, weil Gott mich liebt und ich seine Gaben endlich wieder annehmen darf und kann. Ja, ich glaube wieder, dass es einen Gott gibt. Ich fühle mich sicher und beschützt und beschenkt. Ich erfahre den Segen, den ich vorher nur für andere geglaubt habe, ich bin einfach glücklich. Einfach glücklich“

 

Und so sah er auch aus!

 

Ich habe weiter gedacht, an die Kinder zum Beispiel bzw. an die Kindheit. In der Zeit machen wir sicherlich alle Fehler, wir lernen ja noch.

Oder aber die Eltern sind einfach mal müde von der Arbeit gekommen und über das Fahrrad oder das Bobby Car gestolpert und schimpfen nun. Das Kind ist dann das schuldige Wesen, auch wenn der wahre Ärger vielleicht in der Firma oder dem Verkehr lag. Das heißt, der Fehler lag überhaupt nicht beim Kind, wird ihm aber zugeschoben.

Oder die Eltern streiten sich. Die Kinder fühlen sich dann ebenfalls schuldig. Es ist wirklich so, wenn die Erwachsenen Stress haben, kriegen die Kinder das in irgendeiner Form mit und ab – und fühlen sich schuldig.

Scheidungskinder fühlen sich immer schuldig an der Scheidung, das ist ihnen ganz deutlich anzumerken – auch wenn die Wahrheit ganz woanders liegt!

Und schon kann der Kreislauf beginnen, den mein Patient so deutlich gefühlt und beschrieben hat, unbewusst und unbehoben in ganz vielen von uns.

 

Vielleicht kannst Du doch noch einmal, mit anderen Augen jetzt, in Dein eigenes Leben, in Deine eigenen Gefühle schauen und Dir auch Erlösung geben oder für Dich erbitten.

Und wieder wahres Glück, bedingungslos, annehmen und erleben.

 

Ganz herzlich grüße ich Dich und wünsche Dir einen Wunder vollen Restsommer.

 

Deine Cornelia

Ziemlich viele Gedanken

Ziemlich viele Gedanken

 

Lieber Freunde, liebe Leser

 

An einem recht frühen Morgen kam  ein kleiner Junge weinend auf der Straße an unserem Grundstück vorbei gelaufen. Es war ein sehr trauriges Weinen und ich ging schnell zur Pforte, um zu schauen, ob ich ihm helfen müsse. Nein, er war in Begleitung der Mutter. Die sah mich und sagte: „Da musst Du jetzt auch gar nicht weinen, das ändert überhaupt nichts!“ Wahrscheinlich sagte sie es eher zu mir, da ich sie stumm ansah, und sie fuhr fort, kluge Vorträge zu halten. Doch das Kind weinte weiter und rief: „Doch Mama, muss weinen, Mama, traurig, Mama!“ Wie man merkt, war er noch sehr klein, vielleicht drei Jahre alt und lief auf seinem kleinen Laufrad der Mutter hinterher.

Ja, ich habe keine Ahnung, was vorher gewesen war… Ich habe mich nicht eingemischt, sie sah ja meinen Blick…

Aber ich weiß, dass verzweifelte Kinder für mich kaum zu ertragen sind.

Deshalb möchte ich auch so sehr, dass die Kinder, die freitags demonstrieren und versuchen mit ihrem Rufen unsere Gewissen und unsere Herzen zu erreichen und damit unser Tun zu bewirken, – ich möchte, dass sie Erfolg damit haben, egal ob sie 9 oder 19 sind. Dass ihnen Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung erspart bleiben.[i]

An dem vergangenen Karfreitag kamen mir, denn es war ein Fridays for Future-Karfreitag, unendlich viele Gedanken, die sich auch nicht wegdrücken lassen und von denen ich nun hier ein paar aufschreiben möchte: Es kamen ja zwei Aspekte zu einem Bild, zu einer Aussage zusammen: Denn, wen kreuzigen die Menschen schon seit Jahren? Und wissen das. Und hören aus Bequemlichkeit, oder Unverständnis oder gar aus Profitstreben nicht auf damit. Unsere eigene Erde, – diese blaue Kugel, auf der wir durchs All schweben. Die Natur, die Tiere, unsere Umwelt, den Boden, das Wasser, die Luft, das Klima.

Wie häufig sehe ich abrasierte Natur, auch jetzt zur Setz- und Schonzeit, die versucht, sich wieder zu erholen. Sie könnte und sie würde das, wenn wir sie nur in Ruhe ließen. Doch Menschen, die diesbezüglich die Stimme erheben, werden oft genug tot geschwiegen oder anders ins Abseits geschoben.

Stattdessen scheint das Tempo beschleunigt zu werden, schnell noch das Letzte rausholen, bevor es womöglich verboten wird, scheint die Devise: Firmen wissen häufig genug, welche Auswirkung ihr Tun hat, sie haben Studien darüber machen lassen – und so viele machen doch weiter, bis zum Schluss. Erst wenn es verboten wird, erst wenn rechtliche Schritte gegen sie Erfolg haben, hören sie auf, – bzw. dann machen sie in anderen Ländern mit schwächerem Rechtssystem weiter.

(Als Beispiel die Spritzmittel, Biozide, die in Boden und Luft, Wasser, Nahrung, Körper gehen und sich über diesen Kreislauf überall verteilen. – „Tausende Menschen sind gegen das Unternehmen vor Gericht gezogen. Tausende! Sie klagen, weil sie in Monsantos Glyphosat-Produkten eine Ursache für ihre Krebserkrankung sehen. Bayer-Monsanto bestreitet das, doch bisher sieht es vor Gericht nicht allzu gut aus für den Konzern. Gerade verdonnerten ihn Geschworene in San Francisco zu einer millionenschweren Schadenersatzzahlung – sie teilten die Einschätzung eines Bauern, dass Monsantos Pestizide etwas mit dessen Krebserkrankung zu tun haben.“)[ii]

Ich habe Euch schon viele Links von anders arbeitenden Unternehmen geschickt, die zeigen dass es geht, wir können also längst einen höheren Standard in Sachen Umweltverträglichkeit ansetzen.

Doch gibt es leider immer noch die Unbelehrbaren, die nur ihr eigenes Interesse verfolgen.

Es erinnert mich an die Fahrt der Titanic:

Wer die Geschehnisse auf der Titanic verstanden hat, der ahnt, dass wir uns in ähnlicher Situation befinden: Ein Schiff, das mit voller Geschwindigkeit durch ein Eisfeld fährt, Menschen darauf, die sich in Salons amüsieren, entweder sitzen sie dort in Unkenntnis oder wetten gar auf einen Geschwindigkeits-Rekord. Wer wettet? Menschen, die sich überlegen und sicher fühlen. Die das Geld zum Wetten haben. Haben sie nicht mitbekommen, dass schon beim allerersten Ablegen des Schiffes, es andere Schiffe in den Sog gezogen hat, weil der Hafen in Southampton voll war und der eitle Kapitän zuviel Gas gab? Ist es ihnen egal? Sie zocken weiter, auf Kosten aller. Gibt es andere Menschen, die vielleicht zur Ruhe mahnen?

(Die Frauen hatten damals noch kein Wahlrecht, hatten sie deshalb auch nichts zu sagen? Haben sie ihre Männer machen lassen? Oder haben sie sogar noch angestachelt?)

Was ist mit den Menschen der unteren Decks? Passive Hinnahme?

Dazu ganz unten an den Kesseln Heizer, die im Schweiß stehend Kohlen im Akkord in die schon glühenden Öfen schaufeln und gleichzeitig versuchen einen Brand an Bord zu verhindern. Sind sie fähig zu streiken, so wie ihre Kollegen in Southampton das gerade getan haben? Wäre dadurch nicht etwas zu ändern? Aber sie sind abhängig von ihren Jobs, sie glauben, nicht, dass sie Macht haben, irgendetwas tun zu können. Sie ahnen oder ahnen nicht, dass sie, je mehr sie schaufeln, den Untergang anfeuern und als erste ertrinken werden.

Sollten die Musiker in den Salons warnen? Aufhören zu spielen und stattdessen eine Ansage machen?

Oder die Kinder? Sollen sie jetzt aufstehen und sagen, dass sie den Kurs geändert haben möchten?

Am 14. April 1912, kurz nach Ostern, ist die Titanic kurz vor Zwölf (Mitternacht) mit einem Eisberg kollidiert und nicht ganz drei Stunden später am 15.4.1912 untergegangen.[iii]

Verstehen wir das Geschehen? Können wir lernen aus einem Teil der Geschichte? Ich glaube, wäre die Geschichte der Titanic richtig verstanden worden, hätte es keinen I. Weltkrieg geben müssen, der nach ganz ähnlichem Muster, nur in großem Stil, ablief.

Sogar die Titanic hatte ihre Warnungen bekommen. Es gab ein Buch „Der Titan“, das 14 Jahre vorher erschienen war und, also vor der Zeit, erstaunlich ähnlich den Untergang dieses „unsinkbaren“ Schiffes auf der Fahrt nach New York durch einen Eisberg beschrieb.[iv]

Albert Schweitzer lebte damals und er sagte über seine Zeit: „So kam unsere Zeit, gedankenlos, wie sie war, zu der Meinung, daß Kultur vornehmlich in Wissenschaften, technischen und künstlerischen Leistungen bestehe und ohne Ethik oder mit einem Minimum an Ethik auskommen könne“.[v] Auch sprach er von dem „kollektiven Verzicht auf ernsthaftes Nachdenken“. Er sagte, das technisch Machbare nehme ständig zu, die ethischen Instanzen/Steuerungskräfte nähmen ab oder stagnierten. Er sprach von einer Vertauschung, denn die Ethik werde abhängig vom Technischen. Der Blick auf das Ganze sei verloren gegangen.

Und so ähnlich scheint es gerade zu sein auf unserer Erde, mit der wir alle im All unterwegs sind. Es finden sich so viele Parallelen, dass ich staune und fröstele.

Lasst uns mal die Kohlen aus dem Feuer holen, um die Fahrt in die falsche Richtung zu verlangsamen und um dann eine neue Richtung zu kriegen. Lasst uns mal nachdenken, statt die Zocker zu unterstützen oder gar in dem eitlen Spiel mitzumachen.

Schaut doch nur mal von oben auf die Bundesrepublik: Wie ein Krebs fressen sich allerorten Löcher in die Landschaft. Hier in Buchholz, in Trelde, in Bienenbüttel, in Nenndorf, rund um uns herum. Genauso aber auch in Norderstedt, in Coburg, in Eisenach, in kleinen und kleinsten Orten. Denn man sieht in schönster Natur (da wo kein Privatmensch bauen darf, weil es Außenbereich ist, der angeblich nicht zersiedelt werden soll) Gewerbegebiete entstehen. Wälder gehen verloren, Hallen entstehen, groß wie Weizenfelder, – von der Politik gefördert, weil man meint, dadurch Steuereinnahmen zu erhalten. Das geschieht aber kaum. Denn geht es einer der Firmen gut, dann expandiert sie, zieht in ein neues Gewerbegebiet um, baut neue, größere Hallen und schreibt diese ab.

Ich will nicht zu sehr in das Thema einsteigen, ich kann allmählich jede Seite dazu beleuchten und viele Seiten mit den Auswirkungen füllen. Das will ich Euch kaum zumuten. Aber es ist ein Beispiel dafür, wie lebendige Landschaft, die Jahr um Jahr neu wachsen, neu blühen, neu Frucht bringen und Mensch und Tier ernähren würde, geschlachtet wird und ab jetzt wächst hier nie wieder etwas. Nach wie vor gehen täglich rund 90 Hektar Acker und Grünland durch Überbauung und Versiegelung weiter und weiter verloren – und damit der Jahresbedarf des Grundnahrungsmittels Brot von über 10.000 Menschen! Es ist ein Beispiel dafür, wie wir mit unserer Umwelt umgehen.

Ein kluger Mann sagte dazu: „Weiß die Hefe, dass der Topf endlich ist?“

Und so könnte man viele Themen, Ansatz und Auswirkung, anschauen und sich bei jedem erschreckt abwenden, egal ob man in die Umwelt oder unseren Körper schaut, der ganz genauso mit Krankheit auf das kranke Tun reagiert, wie die Erde.

Mir selbst geht es, Gott sei Dank, gut! Wenn ich überlege, wie es manch anderen geht: in Minen für Edelmetalle in Smart Phones, für Uran in Atomkraftwerken oder auf Feldern für Schokolade, die auf den Ostertisch gekommen ist. Es geht mir wirklich gut. Vielleicht daher kommt mein Bedürfnis, etwas zu geben, etwas zu tun, etwas zu bewirken. Und so gucke ich, was ich verändern kann im eigenen Leben. Und ich glaube, dass das geht. Ich möchte an dieser Stelle also doch lieber Mut machen, dass wir ganz viel tun können, als hier weiter zu jammern. Dass wir bewirken können: jeder, jede, klein und groß. Mit jedem Kind, mit jedem von uns, verbindet sich Hoffnung. Mit jedem Menschen, mit jedem von uns, kommt auch Gutes in die Welt, und daraus kann weiter Gutes werden, Gutes entstehen. Die Kinder haben vielleicht noch nicht soviel Macht, aber helle Stimmen, die sie auch erheben. Wenn wir mehr Macht haben in diesem Leben, dann können wir jetzt auch mehr tun. Alphatiere können vielleicht auch anders: Wir brauchen Menschen mit Verstand UND Herz!

Albert Schweitzer hatte damals vorgeschlagen: Der Blick auf das Ganze muss aufholen. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ „Ich fühle mich genötigt, allem Willen zum Leben die gleiche Erfurcht vor dem Leben entgegen zu bringen wie der eigenen.“ Und: „Gut ist, Leben erhalten und Leben fördern. Böse ist Leben vernichten und Leben hemmen.“[vi]

Und mit dieser Blick- und notwendigerweise Handlungsveränderung wäre es möglich, das zu feiern, was man ein Wunder nennt, – eine echte Auferstehung. Ich jedenfalls möchte es erleben! Ich weiß, diesmal müssen wir selbst Teil dieses Wunders sein, aktiv mitmachen. Aber dann kann es gelingen.

Der Countdown für 2020 läuft: Wenn wir ganz viel Zeit geben wollen, bis Ende 2020, dann haben wir noch 608 Tage, um die Ziele zu erreichen, die damals auch von der Bundesrepublik in Paris (12. Dezember 2015) beim Klimaschutzübereinkommen formuliert wurden.[vii] 589 Tage, wenn wir bis zum Jahrestag des Übereinkommens rechnen, 243 Tage, wenn wir bis Anfang 2020 rechnen.

So oder so, zählen alleine reicht natürlich nicht aus. Laut Klimaschutzbericht von 2018 beträgt die Verringerung der Treibhausgase (CO₂, Methan, Lachgas) statt der für das Jahr 2020 angestrebten 40% nur 31%. In den letzten Jahren stagnierte nämlich der Abwärtstrend und stieg zuletzt sogar wieder an.[viii] Das Umweltbundesamt selbst spricht von der Notwendigkeit massiver, rascher zusätzlicher Anstrengungen.

Wichtig ist, auch wenn ich gerade ziemlich kritisch schreibe, dass wir daran glauben, dass uns ein förderliches Handeln möglich ist. Glaube, Liebe Hoffnung sind aktueller denn je, denn dann werden wir auch etwas schaffen – schließlich auch andere mitreißen, die jetzt noch zögerlich oder voll des Unwillens sind. Es wäre ein Jammer, den Glauben, den Kopf und die Hände sinken zu lassen, gerade jetzt, wenn es drauf ankommt!

Wenn jeder von uns grob 80 Mio Deutschen nur 1% (ein Prozent) verändert, ist das ein Riesenschupps und eine gut sichtbare Veränderung in Deutschland. Und wenn 40 Mio wieder nichts tun, dann schaffen die anderen 40 Mio vielleicht auch zwei Prozent Veränderung?

 

  • Fange ich mal bei mir an: Das Schwimmen mit Delfinen in Key West könnte ich in diesem Jahr (Juli 2019) noch stattfinden lassen, 2020 lasse ich fallen, denn ein Flugzeug ist zwar ein öffentliches Verkehrsmittel, aber eine Belastung für die Natur.
  • Ansonsten finde ich öffentliche Verkehrsmittel sehr hilfreich, auch Fahrräder oder auch das Selbst-Gehen. Im nächsten Rundbrief kommt deshalb, passend zu der Aktion „Stadtradeln“, unsere Aktion von der Delfinbotschaft: „ONE LESS CAR“. Ich erzähle also bald genauer, was wir als Idee haben, die wir, gemeinsam mit Euch, gerne durchführen möchten. Ob Ihr da aktiv mitmacht oder einfach unterstützt, ich würde mich freuen, wenn wir tüchtig Bewegung in Deutschland erreichten.

Wir können hier und da und dort beginnen. Was fällt Euch sehr leicht? Was empfindet Ihr als sehr wichtig? Was bringt besonders viel? Guckt doch mal in die letzten Rundbriefe, da sind ganz viele Möglichkeiten aufgezählt. Aber es gibt unendliche viele Ideen mehr.

  • Einen Teil des Rasens nicht mähen, sondern zur Insektenwiese umwandeln (das macht sogar unser Großpapa in diesem Frühjahr). Beim Umweltinstitut.org gibt es einen kostenlosen Ratgeber für Balkon und Garten für Bienen und Schmetterlinge.
  • Statt mit Waschpulver mit Efeublättern waschen.
  • Guppyfriend Waschbeutel kaufen, um bei der Wäsche die anfallenden Microwaste-fasern aufzufangen. So wird vermieden, dass sie in den Wasserkreislauf gelangen (guppyfriend.com). Nähere Information gibt es auch hier: stopmicrowaste.com.
  • Kinder mit dem Fahrrad zur Schule bringen.
  • Anders essen macht besonders viel aus (und es macht auch uns selbst gesund).
  • Gezielt bestimmte Petitionen mitzeichnen. Zum Beispiel diese im Bundestagspetitionsforum: Bei der Klimaschutz-Petition von Parents for Future müssen bis zum 06.05.2019 mind. 50.000 Mitzeichner erreicht werden, damit sich der Bundestag damit beschäftigt. Aktuell fehlen noch rd. 21.500 Mitzeichner. https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_17/Petition_92294.mitzeichnen.registrieren.html
  • Am 24. Mai beim globalen Klimastreik mitmachen, um das Momentum zu unterstützen.
  • Kosmetik ohne Tierversuche nutzen.
  • Denkt Euch aus, was Ihr selbst gut und gerne tun wollt, dann gelingt es leicht.

Ich weiß, dass Ihr Euch schon Gedanken macht und das finde ich sehr, sehr gut!

Vielleicht können Euch meine Zeilen unterstützen und auch Hoffnung geben, dass Ihr nicht alleine in Euren Bemühungen seid. Denn die Bemühungen der vielen umdenkenden Menschen zeigen schon Früchte.

Interessant ist dazu z.B. ein Artikel der Wirtschaftswoche, die beklagt, dass die Generation Z (die um 2000 Geborenen) durch ihr Nicht-Interesse die großen Marken in Bedrängnis bringe. Global verlören die Weltmarken an kleinere Unternehmen. Zum Beispiel hätten kleine, spezialisierte Marken 40 Prozent des europäischen Hautpflegemarktes erobert und seien eine Bedrohung für Nivea, also Beiersdorf. Der Kunde, die Kundin habe das Gefühl, dass die großen Firmen weder ihre eigenen Marken noch den Konsumenten schätzten und deshalb schwenke man um zu kleineren, liebevoller gepflegten Marken. Eine Werbeintensivierung würde nichts nützen. Die Menschen seien werbemüde. Die unvorstellbare Werbeflut hat sie resistent gemacht. Der Werbemarkt ist im ersten Quartal 2019 erstmals deutlich im Minus.[ix]

Das sind in meinen Augen doch echt Zeichen, dass eine andere Kaufhaltung seitens der Kunden wirklich, wirklich wahrgenommen wird. Ich mag Firmen, die umdenken und naturschonend produzieren. Das möge sich jetzt bitte durchsetzen und ich persönlich freue mich, dass es auch beginnt. An dieser Stelle können wir also ganz einfach unterstützen und es bringt tatsächlich was.

Der Kunde, die Kundin hat es ja auch geschafft, dafür zu sorgen, dass die eingeschweißte Bio-Gurke (ausgerechnet die) jetzt ohne Plastik angeboten wird.

Denkt doch mal, will auch nur eine/r der Wanderer, dass die Beschichtung ihrer Outdoor Kleidung die Antarktis verschmutzt? Gerade diese Menschen lieben doch die Natur und wollen sie lebendig erleben! Dennoch ist da wohl etwas komplett verkehrt gelaufen und genau diese Beschichtung ist im Antarktischen Eis gefunden worden. Dass es auch anders geht, zeigt die Firma Patagonia, sie übernimmt seit 1996 eine „Pionierrolle in Sachen Umweltschutz“[x] und setzt hier andere Standards. [xi]

Zum Beispiel mit Fleece-Bekleidung aus recycelten PET Flaschen oder ihrer Kampagne „Don’t buy this Jacket“ –   „Kauf diese Jacke nicht“ (Das stand auf den Anhängern an den verkäuflichen Jacken im Laden, damit man nachdenkt, ob man diese Jacke wirklich braucht).

Das finde ich richtig gut.

Bestimmt fällt Euch noch ganz viel dazu ein und ich hoffe, wir können schon in den nächsten Tagen zeigen, dass wir gewillt sind, dass wir mitdenken, dass wir etwas bewirken können.

Lasst uns gleich heute beginnen.

Ganz viele hoffnungsvolle Grüße dazu von mir

Eure Cornelia

 

[i] Anm.: Sehr gut ist in der letzten SZ (Nr. 98, 27./28. April 2019 Seite 3) unter „die Reifeprüfung“ berichtet worden, wie es anfing. Wie Greta Thunberg voller Kummer über die jetzige Weltsituation („in der 5.Klasse hörte sie auf zu lachen, zu reden, die Eltern notierten, wie viel sie aß“) im August 2018 anfing, freitags die Schule zu verweigern und stattdessen vor dem Rathaus zu sitzen und zu demonstrieren.

[ii] Zitat: Rücker, Martin, Foodwatch, Rundbrief vom 12.4.2019.

[iii] Vgl.: https://www.titanicverein.de/die-geschichte-im-uberblick/.

[iv] Vgl.: https://www.focus.de/kultur/buecher/der-untergang-der-titan-das-buch-das-die-titanic-katastrophe-vorhersah_aid_728890.html.

[v] Zitat: Schweitzer, A., Kultur und Ethik, S.38.

[vi] Zitat: Schweitzer, Albert, Kultur und Ethik, S. 331.

[vii] Vgl.: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/paris_abkommen_bf.pdf.

[viii] Vgl.: Umweltbundesamt.de. Siehe unter „Indikator: Emission von Treibhausgasen“.

[ix] Vgl.: WiWo, „Generation Z bringt große Marken in Bedrängnis“ vom 30.4.2019.

[x] Aussage vom Globetrotter Magazin.

[xi] Vgl z.B. die Website von Patagonia.

Frohe Weihnachten und Frieden auf Erden!

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Der „Michel“, Foto von R. Rauber     17.Dezember 2017

1978 wurde Astrid Lindgren des Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Die Rede, die sie damals anlässlich dieser Verleihung hielt, ist aktuell wie damals. Deshalb möchten wir sie Euch als diesjährigen Weihnachtstext  senden.

„Liebe Freunde!

Das erste, was ich zu tun habe, ist Ihnen zu danken, und das tue ich von ganzem Herzen. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels strahlt einen solchen Glanz aus und ist eine so hohe Auszeichnung, dass es einen fast überwältigt, empfängt man ihn. Und jetzt stehe ich hier, wo schon so viele kluge Männer und Frauen ihre Gedanken und ihre Hoffnungen für die Zukunft der Menschheit und den von uns allen ersehnten ewigen Frieden ausgesprochen haben – was könnte ich wohl sagen, das nicht schon andere vor mir gesagt haben?

Über den Frieden sprechen heißt ja über etwas sprechen, das es nicht gibt. Wahren Frieden gibt es nicht auf unserer Erde und hat es auch nie gegeben, es sei denn als Ziel, das wir offenbar nicht zu erreichen vermögen. Solange der Mensch auf dieser Erde lebt, hat er sich der Gewalt und dem Krieg verschrieben, und der uns vergönnte, zerbrechliche Friede ist ständig bedroht. Gerade heute lebt die ganze Welt in der Furcht vor einem neuen Krieg, der uns alle vernichten wird. Angesichts dieser Bedrohung setzen sich mehr Menschen denn je zuvor für Frieden und Abrüstung ein – das ist wahr, das könnte eine Hoffnung sein.

Doch Hoffnung hegen fällt so schwer. Die Politiker versammeln sich in großer Zahl zu immer neuen Gipfelgesprächen, und sie alle sprechen so eindringlich für Abrüstung, aber nur für die Abrüstung, die die anderen vornehmen sollen. Dein Land soll abrüsten, nicht meines! Keiner will den Anfang machen. Keiner wagt es anzufangen, weil jeder sich fürchtet und so geringes Vertrauen in den Friedenswillen des anderen setzt. Und während die eine Abrüstungskonferenz die andere ablöst, findet die irrsinnigste Aufrüstung in der Geschichte der Menschheit statt. Kein Wunder, dass wir alle Angst haben, gleichgültig, ob wir einer Großmacht angehören oder in einem kleinen neutralen Land leben. Wir alle wissen, dass ein neuer Weltkrieg keinen von uns verschonen wird, und ob ich unter einem neutralen oder nicht-neutralen Trümmerhaufen begraben liege, das dürfte kaum einen Unterschied machen.

Müssen wir uns nach diesen Jahrtausenden ständiger Kriege nicht fragen, ob der Mensch nicht vielleicht schon in seiner Anlage fehlerhaft ist? Und sind wir unserer Aggressionen wegen zum Untergang verurteilt? Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir es nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen?

Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.

Sie, meine Freunde, haben Ihren Friedenspreis einer Kinderbuchautorin verliehen, und da werden Sie kaum weite politische Ausblicke oder Vorschläge zur Lösung internationaler Probleme erwarten. Ich möchte zu Ihnen über die Kinder sprechen. Über meine Sorge um sie und meine Hoffnung für sie.

Die jetzt Kinder sind, werden ja einst die Geschäfte unserer Welt übernehmen, sofern dann noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden bestimmen werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen. In einer, wo die Gewalt nur ständig weiterwächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben.

Gibt es auch nur die geringste Hoffnung darauf, dass die heutigen Kinder dereinst eine friedlichere Welt aufbauen werden, als wir es vermocht haben? Und warum ist uns dies trotz allen guten Willens so schlecht gelungen?

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, welch ein Schock es für mich gewesen ist, als mir eines Tages – ich war damals noch sehr jung – klar wurde, dass die Männer, die die Geschichte der Völker und der Welt lenkten, keine höheren Wesen mit übernatürlichen Gaben und göttlicher Weisheit waren. Dass sie Menschen waren mit den gleichen menschlichen Schwächen wie ich. Aber sie hatten Macht und konnten jeden Augenblick schicksalsschwere Entscheidungen fällen, je nach den Antrieben und Kräften, von denen sie beherrscht wurden. So konnte es, traf es sich besonders unglücklich, zum Krieg kommen, nur weil ein einziger Mensch von Machtgier oder Rachsucht besessen war, von Eitelkeit oder Gewinnsucht, oder aber – und das scheint das häufigste zu sein – von dem blinden Glauben an die Gewalt als das wirksamste Hilfsmittel in allen Situationen. Entsprechend konnte ein einziger guter und besonnener Mensch hier und da Katastrophen verhindern, eben weil er gut und besonnen war und auf Gewalt verzichtete.

Daraus konnte ich nur das eine folgern:

Es sind immer auch einzelne Menschen, die die Geschichte der Welt bestimmen. Warum aber waren denn nicht alle gut und besonnen? Warum gibt es so viele, die nur Gewalt wollten und nach Macht strebten? Waren einige von Natur aus böse? Das konnte ich damals nicht glauben, und ich glaube es auch heute nicht.

Die Intelligenz, die Gaben des Verstandes mögen zum größten Teil angeboren sein, aber in keinem neugeborenen Kind schlummert ein Samenkorn, aus dem zwangsläufig Gutes oder Böses sprießt. Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun.

„Überall lernt man nur von dem, den man liebt“, hat Goethe einmal gesagt, und dann muss es wohl wahr sein.

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken. Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seinen Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt. Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben – das ist erschreckend, aber es ist wahr.

Blicken wir nun einmal zurück auf die Methoden der Kindererziehung früherer Zeiten. Ging es dabei nicht allzu häufig darum, den Willen des Kindes mit Gewalt, sei sie physischer oder psychischer Art, zu brechen? Wie viele Kinder haben ihren ersten Unterricht in Gewalt „von denen, die man liebt“, nämlich von den eigenen Eltern erhalten und dieses Wissen dann der nächsten Generation weitergegeben!

Und so ging es fort, „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“, hieß es schon im Alten Testament, und daran haben durch die Jahrhunderte viele Väter und Mütter geglaubt. Sie haben fleißig die Rute geschwungen und das Liebe genannt. Wie aber war denn nun die Kindheit aller dieser wirklich „verdorbenen Knaben“, von denen es zur Zeit so viele auf der Welt gibt, dieser Diktatoren, Tyrannen und Unterdrücker, dieser Menschenschinder?

Dem sollte man einmal nachgehen.

Ich bin überzeugt davon, dass wir bei den meisten von ihnen auf einen tyrannischen Erzieher stoßen würden, der mit einer Rute hinter ihnen stand, ob sie nun aus Holz war oder im Demütigen, Kränken, Bloßstellen, Angstmachen bestand.

In den vielen von Hass geprägten Kindheitsschilderungen der Literatur wimmelt es von solchen häuslichen Tyrannen, die ihre Kinder durch Furcht und Schrecken zu Gehorsam und Unterwerfung gezwungen und dadurch für das Leben mehr oder weniger verdorben haben. Zum Glück hat es nicht nur diese Sorte von Erziehern gegeben, denn natürlich haben Eltern ihre Kinder auch schon von jeher mit Liebe und ohne Gewalt erzogen. Aber wohl erst in unserem Jahrhundert haben Eltern damit begonnen, ihre Kinder als ihresgleichen zu betrachten und ihnen das Recht einzuräumen, ihre Persönlichkeit in einer Familiendemokratie ohne Unterdrückung und ohne Gewalt frei zu entwickeln.

Muss man da nicht verzweifeln, wenn jetzt plötzlich Stimmen laut werden, die die Rückkehr zu dem alten autoritären System fordern? Denn genau das geschieht zur Zeit mancherortens in der Welt. Man ruft jetzt wieder nach „härterer Zucht“, nach „strafferen Zügeln“ und glaubt dadurch alle jugendlichen Unarten unterbinden zu können, die angeblich auf zuviel Freiheit und zuwenig Strenge in der Erziehung beruhen. Das aber hieße den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und führt auf die Dauer nur zu noch mehr Gewalt und zu einer tieferen und gefährlicheren Kluft zwischen den Generationen.

Möglicherweise könnte diese erwünschte „härtere Zucht“ eine äußerliche Wirkung erzielen, die die Befürworter dann als Besserung deuten würden. Freilich nur so lange, bis auch sie allmählich zu der Erkenntnis gezwungen werden, dass Gewalt immer wieder nur Gewalt erzeugt – so wie es von jeher gewesen ist.

Nun mögen sich viele Eltern beunruhigt durch die neuen Signale fragen, ob sie es bisher falsch gemacht haben. Ob eine freie Erziehung, in der die Erwachsenen es nicht für selbstverständlich halten, dass sie das Recht haben zu befehlen und die Kinder die Pflicht haben, sich zu fügen, womöglich nicht doch falsch oder gefährlich sei.

Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selber überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen.

Verhaltensnormen brauchen wir alle, Kinder und Erwachsene, und durch das Beispiel ihrer Eltern lernen die Kinder mehr als durch irgendwelche anderen Methoden. Ganz gewiss sollen Kinder Achtung vor ihren Eltern haben, aber ganz gewiss sollen auch Eltern Achtung vor ihren Kindern haben, und niemals dürfen sie ihre natürliche Überlegenheit missbrauchen. Liebevolle Achtung voreinander, das möchte man allen Eltern und allen Kindern wünschen.

Jenen aber, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“.

Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“

Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, „Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“

Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte:

„NIEMALS GEWALT!“

Ja, aber wenn wir unsere Kinder nun ohne Gewalt und ohne irgendwelche straffen Zügel erziehen, entsteht dadurch schon ein neues Menschengeschlecht, das in ewigem Frieden lebt? Etwas so Einfältiges kann sich wohl nur ein Kinderbuchautor erhoffen! Ich weiß, dass es eine Utopie ist. Und ganz gewiss gibt es in unserer armen, kranken Welt noch sehr viel anderes, das gleichfalls geändert werden muss, soll es Frieden geben. Aber in dieser unserer Gegenwart gibt es – selbst ohne Krieg – so unfassbar viel Grausamkeit, Gewalt und Unterdrückung auf Erden, und das bleibt den Kindern keineswegs verborgen. Sie sehen und hören und lesen es täglich, und schließlich glauben sie gar, Gewalt sei ein natürlicher Zustand.

Müssen wir ihnen dann nicht wenigstens daheim durch unser Beispiel zeigen, dass es eine andere Art zu leben gibt?

Vielleicht wäre es gut, wenn wir alle einen kleinen Stein auf das Küchenbord legten als Mahnung für uns und für die Kinder:

NIEMALS GEWALT!

Es könnte trotz allem mit der Zeit ein winziger Beitrag sein zum Frieden in der Welt.“

Frohe Weihnachten und Frieden auf Erden!

Eure Cornelia und Christoph

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